Aktualisiert 07.06.2006 13:19

17 Jahr, blondes Haar - der neue Tennisstern Nicole Vaidisova

Nicole Vaidisova hinterlässt im Sand von Roland Garros in nicht erwartetem Masse ihre Spuren. Die 17-jährige Tschechin ist nach der Halbfinal-Qualifikation die ganz grosse Sensation des French Open.

1,83 m gross, blond, durchtrainierter Körper, hübsches Gesicht - Nicole Vaidisova würde auf dem Laufsteg gute Figur machen. Starpotenzial besitzt der Teenager aber auch als Tennisspielerin. Nicht wenige trauen ihr schon in dieser Woche den ganz grossen Wurf zu. Wer Amélie Mauresmo und Venus Williams schlage, müsse sich vor niemandem mehr fürchten, heisst es im Kreis der Insider.

Vaidisova hatte einst die ältere der Williams-Sisters neben Steffi Graf am meisten bewundert. «Vor allem haben mich ihr Service und ihre Rückhand beeindruckt. Im Alter von elf, zwölf Jahren habe ich mit dem gleichen Racketmodell wie Venus gespielt», erinnert sich die Tschechin, die in Nürnberg geboren wurde, vor dem Umzug nach Prag die ersten sechs Jahre dort gelebt hat und deshalb neben tschechisch und englisch auch deutsch spricht. Bei Williams' Aufschlag scheint Vaidisova besonders gut hingeschaut zu haben. Heute nennt sie den Service ihre stärkste Waffe.

Tipps von Onkel Daniel

Zu Vaidisovas Bewunderern zählt Mats Wilander. «Sie bringt alles mit, um den Titel zu holen. Trotz ihrer Grösse bewegt sie sich auf Sand ausgezeichnet», sagt der Schwede, der in den Achtzigerjahren drei seiner sieben Grand-Slam-Titel in Roland Garros gewonnen hatte. Noch mehr ins Schwärmen gerät Nick Bollettieri, in dessen Akademie der Rohdiamant Vaidisova geschliffen wurde. «Sie war eine meiner Lieblingsschülerinnen. Ich habe bisher nur wenige Talente unter meinen Fittichen gehabt, die mich derart begeistert haben.»

Vaidisova verbrachte sechs Jahre in der berühmten Tennisschule in Sarasota im US-Staat Florida bis zum Einstieg bei den Profis Anfang März 2004. Auf der Tour wird sie nun von ihrem Stiefvater Alex Kodat betreut. Tipps erhält sie ausserdem ab und zu von ihrem Onkel Daniel Vacek, der vor drei Jahren vom Spitzentennis zurückgetreten ist. Der Bruder ihrer Mutter zählte in den Neunzigerjahren zu den besten Doppelspielern der Welt und gewann an der Seite des Russen Jewgeni Kafelnikow zweimal das French Open (1996, 1997) und einmal das US Open (1997).

Für Vaidisova ging es seit der Premiere bei den «Grossen» stetig steil bergauf. Bereits im dritten Turnier, im August 2004 in Vancouver, durfte sie den Siegercheck entgegen nehmen - mit 15 Jahren, drei Monaten und 23 Tagen als sechstjüngste Spielerin der Geschichte. Mittlerweile hat sie sechs Titel eingeheimst, drei davon in Folge im Herbst in Seoul, Tokio und Bangkok. In der Weltrangliste liegt sie unmittelbar hinter Martina Hingis auf Position 16. Qualifiziert sie sich heute (Donnerstag) in Roland Garros für den Final, wäre sie am kommenden Montag vor der Schweizerin klassiert.

Einen ersten kleinen Rückschlag erfuhr der Vormarsch in diesem Frühjahr. Wegen einer Schulterverletzung musste Vaidisova auf die Teilnahme in Indian Wells und Key Biscayne verzichten und bekundete danach Mühe, den Tritt wieder zu finden. In keinem der ersten drei Turniere nach der Pause gewann sie mehr als eine Partie. Doch auch die zwischenzeitliche Baisse steckte sie im Stile einer Routinière weg: «Ich wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis ich wieder so spiele, wie ich es kann.» Vaidisovas Form kehrte just vor dem French Open zurück; in Strassburg holte sie vor ihrer Anreise an die Porte d'Auteuil ihren ersten Turniersieg auf Sand.

Hartplätze bevorzugt

Über ihren Lauf im zweiten Major-Event des Jahres zeigte sich Vaidisova «selber überrascht, zumal Sand nicht meine bevorzugte Unterlage ist. Ich fühle mich auf Hartplätzen wohler.» Spürt sie nun bereits zusätzlichen Druck? «Überhaupt nicht. Nervös war ich einzig unmittelbar vor den Matchbällen gegen Amélie (Mauresmo) und Venus (Williams).» Auch an den Titel hat sie bislang noch keinen Gedanken verschwendet.

«Meine ganze Aufmerksamkeit gilt dem Halbfinal gegen Swetlana Kusnezowa», sagte Vaidisova. Chancen rechne sie sich aber durchaus aus. «Swetlana ist ja auch nicht die geborene Sandplatzspielerin.» Dass ihr mit der US-Open-Championne 2004 die dritte Grand-Slam- Siegerin hintereinander gegenüberstehen wird, beeindruckt sie nicht sonderlich - oder spätestens seit ihren Dreisatzsiegen gegen Amélie Mauresmo und Venus Williams nicht mehr.

(si)

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