Reitschule : 17 Personen bei Razzia festgenommen
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Reitschule 17 Personen bei Razzia festgenommen

Bei einer Razzia in der Reitschule wurden 17 Personen vorübergehend festgenommen. Die Reitschule wirft der Kapo Unverhältnismässigkeit vor.

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sda/lex
Zum zweiten Mal drang die Polizei ins Innere der Reitschule ein. (Symbolbild)

Zum zweiten Mal drang die Polizei ins Innere der Reitschule ein. (Symbolbild)

Bei einer Aktion gegen den Drogenhandel rund um das alternative Kulturzentrum Reitschule in Bern hat die Kantonspolizei am Donnerstagabend 17 Personen vorübergehend festgenommen - auch im Innern der Reitschule. Unter den Angehaltenen befinden sich auch Reitschüler. Neun von ihnen werden nun wegen des Verdachts auf Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz den Strafverfolgungsbehörden angezeigt. Sieben Personen legt die Polizei Verstösse gegen das Ausländergesetz zur Last.

Marihuana und Kokain

Einige Personen flüchteten, als die Polizei sie kontrollieren wollten - unter anderem ins Innere der Reitschule. «Ferner versuchten Drittpersonen, die Aktion respektive die Arbeit der Polizei aktiv zu stören», schreibt die Polizei in ihrer Mitteilung.

Deshalb nahm sie unter anderem einen Koch des Reitschul-Restaurants vorübergehend fest, wie Polizeisprecherin Simona Benovici auf Anfrage bekanntgab. Im Rahmen des Einsatzes stellte die Polizei mehrere hundert Franken, kleinere Mengen Marihuana sowie Kokain sicher. Auch bei der Kleinen Schanze und beim Bahnhof hielt die Polizei mehrere Personen zur Kontrolle an. Insgesamt acht Personen wurden am Donnerstagabend in Polizeihaft genommen.

«Unverhältnismässig» für Reitschule

Schon in der Nacht auf Freitag publizierte die Mediengruppe der Reitschule ein Communiqué zur Aktion vom Donnerstagabend und auch zu einer Aktion am Dienstag dieser Woche.

Sie spricht von einem unverhältnismässigen Einsatz. Ein Mitarbeiter der Küche im Restaurant der Reitschule sei zu Boden gedrückt und verhaftet worden, nachdem der Polizei der Zugang zur Küche verwehrt worden sei. Polizisten hätten Gäste des Restaurants tätlich angegangen und bedroht.

Sowohl am Dienstag wie auch am Donnerstag habe ein Polizist seine Waffe gezückt. Am Dienstag habe dieser Mann mit der Waffe eine Gruppe junger Leute auf Kopfhöhe bedroht.

Als Leute von der Reitschule am Dienstag und Donnerstag ein Kontakttelefon zur Kantonspolizei benutzt hätten, seien die Reitschüler von der Polizei abgewimmelt worden.

Verhältnismässig für die Polizei

Polizeisprecherin Benovici sagt dazu, ein Küchenmitarbeiter habe sich den Polizisten bewusst in den Weg gestellt, nachdem mutmassliche Drogenhändler in die Küche des Restaurants geflüchtet seien. Er habe die Aufforderung der klar als Polizisten erkennbaren Einsatzkräfte, den Weg frei zu machen, missachtet.

Deshalb sei der Koch vorübergehend festgenommen worden. Bei der Mehrzahl der Angehaltenen handle es sich aber um Personen, denen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zur Last gelegt würden. Benovici bestätigt auch, dass sowohl bei einem Einsatz gegen Drogenhandel am Dienstag auf dem Vorplatz der Reitschule als auch am Donnerstag in der Küche des Reitschul-Restaurants eine Dienstwaffe gezogen wurde. In beiden Fällen habe ein Polizist die Waffe zum Selbstschutz gezückt. Am Dienstag habe eine Gruppe von Personen die Einsatzkräfte massiv bedroht - verbal und indem die Leute Flaschen wurfbereit in der Hand gehalten hätten. Am Donnerstag habe sich ein Flüchtiger in der Küche des Restaurants in der Nähe von Messern befunden.

Der Einsatz vom Donnerstag sei nach jetzigem Kenntnisstand verhältnismässig verlaufen. Wenn Verdächtige flüchteten, versuche die Polizei, diese anzuhalten. Übermässige Gewalt sei aber nicht angewandt worden. Das Kontakttelefon zwischen Reitschule und Polizei sei da, um sicherheitsrelevante Massnahmen abzusprechen. In diesem Fall, einer Aktion gegen den Drogenhandel, sei der Kontakt zwischen Reitschule und Polizei aber weder nötig noch angezeigt gewesen.

Polizei erneut im Innern der Reitschule

Immer wieder haben Politiker gefordert, dass die Polizei auch Aktionen in der Reitschule durchführen müsse - diese dürfe kein rechtsfreier Raum sein. Am Donnerstagabend hat nun die Polizei bereits zum zweiten Mal im Innern der Reitschule mutmassliche Drogenhändler gefasst. Schon bei der Razzia vom vergangenen Dezember war das der Fall gewesen.

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