Aktualisiert 01.11.2013 14:55

Antikes Voodoo1700 Jahre alter Bannfluch entdeckt

In den Ruinen einer römischen Villa in Jerusalem ist eine Bleitafel mit einer okkulten Inschrift entdeckt worden. Darin belegt eine Frau ihren Widersacher mit einem Bann.

von
dhr

Was immer der Grund dafür gewesen sein mag: Die Frau namens Kyrilla hatte Streit mit einem Mann, der Iennys hiess. Das lässt sich einer 1700 Jahre alten Fluchtafel entnehmen, die Archäologen bei Ausgrabungen in Jersualem gefunden haben.

Das Täfelchen aus Blei mit der Verfluchung wurde in den Ruinen einer römischen Villa am Fuss des Tempelbergs entdeckt, wie die Tageszeitung «Haaretz» am Donnerstag berichtete. Mit der Bannschrift erflehte Kyrilla den Beistand von sechs Göttern aus drei Kulturkreisen, um ihren Widersacher Iennys gefügig zu machen.

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Die Grabungsleiter übergaben das zu einem Amulett gefaltete Fundstück an die Konservatorin Lena Kuperschmidt von der israelischen Altertumsbehörde. Als diese die Miniaturtafel entfaltete, entdeckte sie die Gravur in Altgriechisch. Robert Daniel vom Institut für Altertumskunde der Universität Köln analysierte den Text.

Gleich sechs Götter angerufen

Er fand heraus, dass auf dem Täfelchen Kyrilla ihren Gegenspieler Iennys mit einem Bann belegt. Um sicher zu gehen, ruft sie gleich sechs höhere Mächte zu Hilfe, darunter den römischen Gott Pluto und den griechischen Gott Hermes. Der Text zielt darauf, jeglichen Widerstand von Iennys gegenüber Kyrilla zu brechen.

Die Übersetzung des Fluchtextes lautet sinngemäss:

Komm zu mir, der du in der Erde wohnst, Unterwelt-Dämon, der herrscht und bindet, Abrasax. Komm, Hekate, Königin in dreierlei Gestalt, Ereschkigal. Komm zu mir, König Pluto, bei deinem grossen Namen Yesemmigadon. Kommt zu mir, Hermes und Pluto und Königin Persephone aus der Unterwelt. Ich schlage und schlage hernieder und nagle die Zunge, die Augen, den Zorn, die Wut, den Groll, die Verzögerung und den Widerstand von Iennys, den der Mutterleib hervorgebracht hat, sodass er in keiner Weise mehr Hindernis sei, sodass er nicht spricht oder handelt gegen Kyrilla, die der Mutterleib hervorgebracht hat, sondern, dass vielmehr Iennys, den der Mutterleib hervorgebracht hat, ihr unterworfen sei. Herrin Phersephoneia, erfülle diesen vollkommenen Zauber.

Altertümlicher Rechtsstreit

Die Altertumsforscher sagten «Haaretz», dass die beiden offenbar einen Rechtsstreit ausfochten. Das Amulett sei wahrscheinlich von einem Magier erstellt worden. In einer Art Voodoo-Zeremonie habe Kyrilla dann vermutlich ein Bild von Iennys mit einem Hammer und Nägeln traktiert, wie es der Text beschreibt.

Schliesslich habe sie die Bannschrift in den Besitztümern des Verfluchten platzieren müssen. Iennys habe also vermutlich im vierten Jahrhundert die römische Villa bewohnt.

Konservatorin Kuperschmidt berichtete, dass in der Römerstadt Caesarea an der israelischen Mittelmeerküste schon mehrfach Amulette mit Flüchen gefunden wurden. Diese beträfen manchmal auch Rennpferde und wünschten diesen Blindheit oder Beinbrüche. In der Römerzeit wurden in Caesarea viele Pferderennen veranstaltet. (dhr/sda)

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