Kärnten: 18-Jährige verklagt Eltern wegen Fotos auf Facebook
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Kärnten18-Jährige verklagt Eltern wegen Fotos auf Facebook

Die Eltern einer heute 18-Jährigen stellten seit 2009 ständig Fotos ihrer Tochter ins Netz – ohne ihre Zustimmung. Jetzt müssen sie sich vor Gericht verantworten.

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20M

So halten es Schweizer Jugendliche und Eltern mit dem Veröffentlichen von Bildern auf den Sozialen Netzwerken. Das Video entstand im Mai 2016. (Video: Philipp Stirnemann / Camille Kündig)

Eine 18-jährige Schülerin aus Kärnten in Österreich hat ihre Eltern verklagt. Der Grund: Sie stellten seit bald sechs Jahren fast täglich Fotos von ihr auf einen eigenen Facebook-Account. «Sie haben mich nie gefragt, ob mir das recht sei», wird die junge Frau auf Ganzewoche.at zitiert.

«Sie kannten keine Scham und keine Grenze. Ob ich auf dem WC sass oder nackt im Kinderbettchen lag – jeder Schritt wurde fotografisch festgehalten und nachträglich öffentlich gemacht», sagt die 18-Jährige. Der Account der Eltern ist von 700 Freunden abonniert. Die Fotos habe sie erst gesehen, als sie sich mit 14 selbst bei Facebook angemeldet habe, sagt sie.

Vater: «Es ist ein Familienalbum»

«Ich war extrem verärgert und wütend und forderte sie auf, die rund 500 veröffentlichten Fotos zu löschen», erklärt sie. Doch die Eltern weigerten sich. Darum habe sie gewartet, bis sie volljährig gewesen sei – um Mutter und Vater zu verklagen. «Ich habe es satt, von meinen Eltern nicht ernst genommen zu werden», sagt die junge Frau.

Der Vater hat dafür offenbar nur wenig Verständnis. Denn: Die Fotos seiner Tochter zu löschen, kommt für ihn nicht in Frage, wie er bei Ganzewoche.at zu Protokoll gibt: «Ich sehe es als mein Recht an, diese Fotos zu veröffentlichen.»

Schliesslich sei das sein Kind, und es sei für seine Frau und ihn ein schönes Familienalbum. Voraussichtlich im November wird er sich für den Vorfall vor Gericht verantworten müssen. Laut dem Medienanwalt Daniel Bauer muss der Vater mit Konsequenzen rechnen. Nach dem Datenschutzrecht droht den Eltern eine Strafe von bis zu 10'000 Euro.

Bis ein Jahr hinter Gittern

Frankreich etwa hat bereits Gesetze zum Schutz der Privatsphäre erlassen. Zwar gibt es kein explizites Verbot, Kinderfotos über Facebook und Co. zu teilen, doch können Kinder ihre Eltern, sobald sie volljährig sind, für die Verletzung der Privatsphäre verklagen. Im Falle eines Prozesses drohen Bussen bis zu 50'000 Franken oder sogar ein Jahr hinter Gittern.

In der Schweiz gibt es ebenfalls kein Verbot, allerdings gilt das Recht am eigenen Bild für jeden – selbst für Babys.

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Bilder wie dieses lassen Mami- und Papi-Herzen höherschlagen. Deshalb landen diese auch gern mal unbedacht auf deren Social-Media-Accounts. In Frankreich dürften sich Eltern das Teilen solcher Bilder auf Facebook, Instagram und Co. aber genauer überlegen.

Bilder wie dieses lassen Mami- und Papi-Herzen höherschlagen. Deshalb landen diese auch gern mal unbedacht auf deren Social-Media-Accounts. In Frankreich dürften sich Eltern das Teilen solcher Bilder auf Facebook, Instagram und Co. aber genauer überlegen.

Flickr / kingfisherphoto.com
Nach französischem Recht ist das Hochladen zwar nicht verboten, Kinder können ihre Eltern sobald sie volljährig sind jedoch für die Verletzung ihrer Privatsphäre verklagen. Im Falle eines Prozess drohen Bussen bis zu 50'000 Franken oder sogar ein Jahr hinter Gittern. (Im Bild: Ein Kinderfoto von Instagram)

Nach französischem Recht ist das Hochladen zwar nicht verboten, Kinder können ihre Eltern sobald sie volljährig sind jedoch für die Verletzung ihrer Privatsphäre verklagen. Im Falle eines Prozess drohen Bussen bis zu 50'000 Franken oder sogar ein Jahr hinter Gittern. (Im Bild: Ein Kinderfoto von Instagram)

Instagram / kristenw727
In der Schweiz gilt das Recht am eigenen Bild für jeden - selbst für Babys, sagt Laurent Sédano, Experte für Medienkompetenz bei der Schweizer Jugendorganisation Pro Juventute, zu 20 Minuten. Die Eltern hätten lediglich die Vertretung am Recht. (Im Bild: Ein Kinderfoto von Instagram)

In der Schweiz gilt das Recht am eigenen Bild für jeden - selbst für Babys, sagt Laurent Sédano, Experte für Medienkompetenz bei der Schweizer Jugendorganisation Pro Juventute, zu 20 Minuten. Die Eltern hätten lediglich die Vertretung am Recht. (Im Bild: Ein Kinderfoto von Instagram)

Instagram / lesleynoeblunk

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