Aktualisiert 15.07.2015 20:02

Erste Hilfe

18-Jähriger birgt Fahrer aus Autowrack

Am Dienstag kollidierte ein Auto nahe den Beatushöhlen mit einem Bus. Ein Lehrling leistete geistesgegenwärtig Erste Hilfe.

von
Nadine Ellis
Sanitäter verarzten den verunfallten Autofahrer. Zuvor war er vom 18-jährigen Lehrling aus dem Autowrack geborgen worden.

Sanitäter verarzten den verunfallten Autofahrer. Zuvor war er vom 18-jährigen Lehrling aus dem Autowrack geborgen worden.

Am Dienstagmorgen um 7.30 Uhr geriet ein Autofahrer auf der Strecke zwischen Thun und Interlaken kurz nach der Bushaltestelle Beatushöhle auf die Gegenfahrbahn und prallte in einen entgegenkommenden Bus. «Ich war mit meinem Motorrad unterwegs zur Arbeit, als ich einen anderen Töfffahrer sah. Dieser signalisierte, dass hier ein Unfall geschehen war», sagt der 18-jährige Lernfahrer Timo S.*

Gemeinsam Erste Hilfe geleistet

Der Personenwagen war frontal in den Linienbus geprallt. Vor Ort befanden sich nebst Timo S. ein weiterer Töfffahrer, eine Autofahrerin und der Buschauffeur, der per Handy die Rettungskräfte informierte. «Erst da bemerkte ich den verletzten Autofahrer, dessen Gesicht voller Blut war», berichtet S. Die Tür zum verunfallten Wagen liess sich nur wenige Zentimeter öffnen. Um Erste Hilfe leisten zu können, hätten sie sich aufgeteilt: Der Töfffahrer regelte den Verkehr und die Frau kommunizierte mit dem Verletzten, während der junge Lehrfahrer einen Kollegen des Verunfallten benachrichtigte. Immer wieder habe der Fahrer über Schmerzen im Gesicht geklagt.

«Er wusste nicht mehr, was passiert war»

Als der Fahrer, der unter Schock gestanden sei, begonnen habe, die Augen zu verdrehen, habe er die Fahrertüre aufgerissen. «Das Adrenalin hat mir in dieser Situation Kraft verliehen», sagt S. Er habe den Verunfallten aus dem Auto gezogen und mit Hilfe der Frau auf dem Boden in Schocklagerung gebracht. «Ab diesem Moment wusste der Verunfallte nicht mehr, was passiert war», erzählt S. Kurz darauf seien die Rettungssanitäter angekommen, hätten den Verunfallten auf eine Trage gelegt und abtransportiert.

Zwar ist es schon einige Jahre her, dass der Service-Lehrling seinen Nothelfer-Kurs absolviert hat. Dennoch war ihm das Ampelsystem immer noch sehr präsent. «Ich hätte im Kurs auch mit meinem Kollegen auf der hintersten Bank sitzen und einfach nichts tun können. Aber so bin ich nicht», erklärt Timo S. gegenüber 20 Minuten. Er sei «Teil der Strasse» – wenn etwas passiere, wolle er handeln können. Nach der Arbeit war S. noch im Spital und versicherte sich, dass es dem Verunfallten besser gehe. Dieser sei verhältnismässig glimpflich davongekommen, habe aber immer noch nicht gewusst, was passiert sei.

Unfallursache wird noch abgeklärt

Die Kapo Bern konnte auf Anfrage von 20 Minuten noch keine Angaben zur Unfallursache machen – die Abklärungen seien noch am Laufen. Nach der Ankunft von Ambulanz und Polizei konnte der Bus mit Verspätung weiterfahren. Von den Passagieren wurde niemand verletzt. Die Strasse war während 45 Minuten komplett gesperrt und anschliessend bis 9 Uhr wechselseitig nur einspurig befahrbar.

* Name der Redaktion bekannt

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