Drei Festnahmen: 1800 Tausender aus Druckerei gestohlen
Aktualisiert

Drei Festnahmen1800 Tausender aus Druckerei gestohlen

Aus der Druckerei von Orell Füssli sind Tausendernoten im Wert von 1,8 Mio. Franken gestohlen worden. Zwei mutmassliche Täter wurden in London verhaftet, einer in Zürich.

von
lüs

Kriminelle Machenschaften in der Sicherheitsdruckerei von Orell Füssli: Aus der Produktion wurden 1800 Tausendernoten gestohlen.

Bereits vor knapp einem Jahr, am 5. Oktober 2012, hatte die Serious Organised Crime Agency die Schweizer Behörden informiert, dass in einer Wechselstube in London verdächtige Schweizer Tausendernoten aufgetaucht sind. Die Bundesanwaltschaft ermittelt seither und hat die Schweizer Nationalbank und Orell Füssli informiert. Mit Rücksicht auf die Ermittlungen habe man die Öffentlichkeit in Absprache mit der Bundesanwaltschaft bisher nicht über den Fall informiert, teilte Orell Füssli am Dienstagmorgen mit.

Bei den sichergestellten Tausendernoten sei die Seriennummer von Unbekannten nachträglich angebracht worden, teilte die BA am Dienstag mit. Bei einigen dieser Noten fehle zudem die Lochzahl oder sie sei manipuliert worden. Die Lochzahl ist eines von insgesamt 16 Sicherheitsmerkmalen auf Schweizer Banknoten, das aus sehr feinen Löchern besteht.

Zwei Männer in London, einer in Zürich verhaftet

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft versuchten am 4. Oktober 2012 zwei Männer in einer Londoner Wechselstube, falsche Schweizer Tausendernoten in Englische Pfund zu wechseln. Insgesamt wurden bei den Männern 37 ungültige 1000-Franken-Noten sichergestellt. Sie seien vor Ort verhaftet worden, heisst es in der Stellungnahme der Bundesanwaltschaft. Einer der beiden Verhafteten musste in London bereits für sieben Monate ins Gefängnis.

Einer der Männer, die in London verhaftet worden sind, wohnt in der Schweiz. Er wurde in Grossbritannien bereits zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Am 2. April 2013 gab es auch in Zürich eine Verhaftung. Ein Bekannter des in London verhafteten Mannes mit Wohnsitz in der Schweiz. Er wurde am 14. Juni bereits wieder aus der Untersuchungshaft entlassen. Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft gegen die beschuldigten Personen und allfällige weitere in den Fall Involvierte laufen weiter. Weitere Angaben will die Bundesanwaltschaft aus «ermittlungstaktischen» Gründen nicht machen.

Sicherheitsdispositiv überprüft

Nachprüfungen ergaben, dass unfertige Noten aus der laufenden Produktion bei Orell Füssli gestohlen worden waren. Man habe das Sicherheitsdispositiv daraufhin minutiös überprüft und die Sicherheitsvorkehrungen mit organisatorischen und personellen Massnahmen verstärkt. Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft laufen noch.

Noten haben keine Seriennummern

Die Noten sind laut der Nationalbank daran zu erkennen, dass sie keine Seriennummern aufweisen oder dass diese nachträglich aufgedruckt worden sind. Zudem könnte auch die Lochzahl (Microperforation) fehlen oder aber manipuliert worden sein. Die ungültigen Noten sind auf den ersten Blick nur schwer als solche zu erkennen.

Inhaber verdächtiger Noten können sich mit der Bitte um Überprüfung der Noten an eine Bank wenden oder verdächtige 1000-Franken-Noten direkt beim Kommissariat Falschgeld (Bundesamt für Polizei, Fedpol, in Bern), bei der SNB (in Bern oder Zürich) oder bei einem Polizeiposten für eine Prüfung einreichen. Inhaber betroffener Noten werden zum Nominalwert entschädigt. Orell Füssli übernimmt diesen Schaden, die entsprechenden Entschädigungszahlungen erfolgen via die SNB.

Für die entstandenen Schäden haftet Orell Füssli. Die Zürcher Handels- und Industriegruppe hatte Anfang September bereits angekündigt, dass sie wegen Mängel beim Sicherheitsdruck eine Belastung des Jahresergebnisses um 8 Mio. Fr. erwarte. Der Schaden aus dem Diebstahl sei in diese Gewinnwarnung bereits berücksichtigt, hiess es im Communiqué. (lüs/sda)

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