Aktualisiert 11.02.2016 16:42

Professor patzte

185 HSG-Studis müssen Prüfung wiederholen

Weil ein Teil der Prüfung samt Lösungen im Internet zugänglich war, müssen nun zahlreiche Jus-Studenten erneut zur Prüfung. Diese prüfen nun Schritte dagegen.

von
taw

«Das ist ungerecht. Jetzt werden wir für einen Fehler der Universität bestraft», so ein 21-jähriger Student im dritten Semester zu 20 Minuten. Grund für seinen Unmut ist die Mitteilung, die heute an 185 Studenten ging und sie zur Wiederholungsprüfung lädt. «Ich konnte es anfangs gar nicht glauben und dachte, das sei ein Witz», sagt der Student.

Anfang Februar fand auf Bachelor-Stufe eine Privatrechtsprüfung statt. Gemäss dem Studenten handelte es sich dabei um eine «Open-Book»-Prüfung, bei der Hilfsmittel wie Bücher und andere Unterlagen benutzt werden dürfen. Beim zweiten Teil der Prüfung, in der es um Familien- und Erbrecht ging, waren die Fragen eins zu eins von einer Prüfung aus dem Jahr 2011 übernommen worden. Verantwortlich dafür war Professor Thomas Geiser. Musterlösungen gab es im Internet ebenfalls. «Da es eine ‹Open-Book›-Prüfung war, hatten logischerweise die meisten die alte Prüfung dabei und konnten die Lösungen übernehmen», so der Student.

«In der Folge haben sich die Prüfungsverantwortlichen zusammen mit dem Dean der Law School und dem Prorektor Lehre entschieden, diese Prüfung zu wiederholen», heisst es in einer Mitteilung an die Studenten. Die Wiederholungsprüfung ist auf den 3. März angesetzt. «Dies, um eine Gleichbehandlung der geprüften Studierenden gewährleisten zu können, aber auch, um dem hohen Qualitätsanspruch der Universität St.Gallen gerecht zu werden», teilt die Uni mit. Man bedauere den Vorfall und den Mehraufwand für alle Beteiligten und werde prüfen, wie solche Vorfälle durch «weitere Optimierung von Prozessen» künftig verhindert werden können.

Studenten wollen sich wehren

Die Studenten machen nun ihrem Unmut auf Facebook Luft. «Kann man da irgendetwas einwenden oder muss man sich den Professoren geschlagen geben?», heisst es etwa. Zudem findet die Prüfung nun mitten im Semester statt. «Das ist extrem mühsam und viele Studenten haben ihre Unterlagen bestimmt schon weggeworfen», so ein Student. Laut ihm wird derzeit auch geprüft, ob man einen Anwalt einschalten wolle, um dagegen vorzugehen.

Auch die Studentenschaft der HSG hat sich bereits zu Wort gemeldet und den Prüflingen ihre Unterstützung zugesichert. «Wir sind daran, die Angelegenheit schnellstmöglich zu prüfen», heisst es auf Facebook.

Schon wieder

Es ist nicht das erste Mal, dass bei einer HSG-Prüfung alte Fragen auftauchen. Bereits Ende Januar hatte ein ähnlicher Fall für Aufsehen gesorgt. Allerdings mussten die Studenten in diesem Fall nicht zur Wiederholungsprüfung antreten.

Fehler gefunden?Jetzt melden.