Tesla reagiert – 1850 Franken mehr fürs E-Auto – Rohstoffmangel befeuert Preisexplosion
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Tesla reagiert1850 Franken mehr fürs E-Auto – Rohstoffmangel befeuert Preisexplosion

Die Preise für Rohstoffe sind so stark gestiegen, dass sogar Elon Musk jammert. Wer ein Auto kauft, bezahlt darum jetzt noch mehr. Die Rohstoffknappheit habe aber auch gute Seiten, sagt ein Experte.

von
Marcel Urech
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Die Preise für wichtige Rohstoffe in der Autoproduktion sind stark gestiegen. Das spürt auch Tesla.

Die Preise für wichtige Rohstoffe in der Autoproduktion sind stark gestiegen. Das spürt auch Tesla.

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Elon Musk hat sich darum auf Twitter beklagt.

Elon Musk hat sich darum auf Twitter beklagt.

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«Nickel ist unser grösstes Problem in der Produktion von Lithium-Ionen-Zellen», schrieb der CEO von Tesla.

«Nickel ist unser grösstes Problem in der Produktion von Lithium-Ionen-Zellen», schrieb der CEO von Tesla.

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Darum gehts

Als ob der steigende Spritpreis den Autofahrerinnen und Autofahrern nicht schon genug Kopfweh bereitet: Jetzt macht der Ukraine-Krieg auch noch Rohstoffe knapp – und das sorgt für noch längere Lieferfristen bei Neuwagen. Auch die Preise für Autos schnellen deswegen weiter in die Höhe.

Der Preis für Nickel ist zum Beispiel seit Jahresbeginn um fast 130 Prozent nach oben geschnellt und damit für rund ein Drittel der Kostensteigerung bei den Autobatterien (siehe Box) verantwortlich. Auch der Preis für Lithium ist seit Januar um rund 75 Prozent gestiegen. Und Palladium ist so teuer wie seit 35 Jahren nicht mehr.

So verteuert Neon die Autobatterien

«Nickel ist unser grösstes Problem in der Produktion von Lithium-Ionen-Zellen», bestätigt Tesla-Chef Elon Musk auf Twitter: «Deshalb stellen wir bei Autos mit Standardreichweite auf eine Eisenkathode um.» Knapp ist aber nicht nur Nickel. Auch die für Autos wichtigen Rohstoffe Palladium und Aluminium fehlen zunehmend.

Insgesamt dürfte die Inflation bei den Metallen dazu führen, dass der Durchschnittspreis eines Elektroautos dieses Jahr um etwa 1800 Euro steigt, wie Konstantin Oldenburger vom Finanzunternehmen CMC Markets sagt. Aktuell sind das rund 1857 Schweizer Franken.

Auch der Autohändler Amag spürt die Rohstoffknappheit. Sie mache es für die Hersteller schwierig, Lieferungen richtig zu terminieren. Dass die Preise nun noch weiter steigen, sei darum nicht auszuschliessen.

Wer ein neues Auto kauft, muss Geduld haben

Laut Beat Pfiffner, stellvertretender Leiter Research bei der Schwyzer Kantonalbank, liefert Russland zudem 40 Prozent des globalen Palladium-Angebots. Wird dieses Metall knapp, habe das etwa Auswirkungen auf die Herstellung von Katalysatoren für Fahrzeuge. «Die Preise für Autos könnten weiter steigen, zumal wegen des Krieges auch die Produktion von Kabelbäumen in der Ukraine unterbrochen ist», so Pfiffner.

Auch bei der Titan-Produktion sei Russland mit rund 30 Prozent Marktanteil bedeutsam – beim Rhodium seien es etwa 15 Prozent. Das Land sei zudem für fünf bis zehn Prozent der Produktion von Aluminium, Nickel und Kupfer verantwortlich. Höhere Alupreise würden beispielsweise auch zu teureren Getränkedosen führen.

Anja Schulze weist darauf hin, dass die Lieferfristen von Autos bereits wegen der Corona-Situation und der Chipkrise gestiegen seien. Komme nun auch noch eine Knappheit bei den Rohstoffen dazu, könnte die Wartezeit beim Autokauf noch weiter ansteigen, sagt die Direktorin des Zentrums für Automobilforschung an der Universität Zürich.

Not macht erfinderisch

Zumindest einen Vorteil hat die Rohstoffknappheit: «Wenn die Preise für Rohstoffe steigen, werden die Menschen erfinderisch», sagt Ferdinand Dudenhöffer vom Duisburger Center Automotive Research. Elon Musk könne etwa für die Produktion seiner Autobatterien auch Kobalt statt Nickel nutzen.

Die Turbulenzen auf den Rohstoffmärkten könnten so dazu führen, dass die Ingenieure und Ingenieurinnen neue Lösungen finden. Das könnte Fahrzeuge günstiger oder besser machen und davon profitieren am Ende auch die Konsumentinnen und Konsumenten, sagt Dudenhöffer. 

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