Syrien: 19 Tote bei Massaker in Homs
Aktualisiert

Syrien19 Tote bei Massaker in Homs

Die syrische Regierung geht weiter mit aller Härte gegen die Demonstranten vor. In der Stadt Homs sind mehrere Viertel mit Artillerie beschossen worden, wie Augenzeugen berichten.

Drei Stadtviertel von Homs seien von Panzern und mit Raketen beschossen worden. Ein Augenzeuge sagte telefonisch, das gesamte Gebiet werde belagert und bombardiert. In Homs sowie in anderen Ortschaften kamen nach Angaben eines Menschenrechtsaktivisten am Mittwoch 19 Zivilisten ums Leben.

Unter den Opfern sei ein achtjähriger Junge, sagte der Chef der Nationalen Organisation für Menschenrechte, Ammar Kurabi. 13 Menschen, unter ihnen der Junge, seien im Dorf El Harra bei Daraa getötet worden, fünf im Viertel Baba Amr der Industriestadt Homs. Ein weiteres Todesopfer habe es in Dschassem bei Daraa gegeben.

Homs und Daraa sind die Zentren der syrischen Protestbewegung, die trotz eines harten Vorgehens der Sicherheitskräfte seit Wochen gegen die Regierung auf die Strasse geht. Im arabischen TV-Sender Al- Arabija und in den Internet-Foren der Opposition hiess es, zum Teil seien die Soldaten bei ihrem Angriff auf Gegenwehr gestossen.

Regierung: Kampf gegen Terrorgruppen

In Homs seien im Bezirk Baba Amro, in dem es in den vergangenen Wochen mehrfach Anti-Regime-Demonstrationen gegeben hatte, auch die Telefonleitungen und der Strom gekappt worden. Selbst Ambulanzfahrzeuge durften nicht in das Gebiet fahren.

Ärzte und Helfer richteten provisorische Lazarette in Hinterhöfen ein, berichteten Aktivisten. Hunderte von Menschen sollen in den letzten Tagen in Homs und anderen syrischen Städten festgenommen worden sein.

Die Streitkräfte erklärten nach Angaben des staatlichen Fernsehens, in Homs würden «bewaffnete Terrorgruppen» verfolgt. Zehn Flüchtige seien festgenommen und zahlreiche Waffen beschlagnahmt worden. Bei dem Einsatz wurden nach Militärangaben zwei Soldaten getötet.

Repression und Reformen

Assad kündigte parallel zum brutalen Vorgehen gegen die Regierungsgegner Reformen an. Die Zeitung «Al-Watan» zitierte den Staatschef mit einer Aufforderung an die Bevölkerung, mit der Regierung zusammenzuarbeiten, um den Reformprozess voranzubringen. Kritiker betrachten die angekündigten Massnahmen allerdings als lediglich symbolisch, um die Demonstranten zu beruhigen.

Zugleich versprach Assad eine rasche Lösung für alle, die während der Proteste festgenommen wurden. Nach Angaben der syrischen Menschenrechtsgruppe NOHR sind derzeit etwa 9000 Festgenommene in Gewahrsam. Seit Beginn der Proteste im März wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mindestens 800 Menschen getötet.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die syrische Regierung am Mittwoch erneut auf, ein internationales Hilfsteam in die belagerte Stadt Daraa im Süden des Landes zu lassen, um die humanitäre Lage zu beurteilen. Das Team habe trotz einer Zusicherung Assads bislang keine Genehmigung erhalten.

EU erhöht den Druck

Die EU bereitet nun auch Sanktionen gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad persönlich vor. In Deutschland und mehreren anderen europäischen Ländern wurden dazu am Mittwoch die syrischen Botschafter einbestellt, sagte ein Sprecher des Aussenministerium in Berlin.

Am Dienstag hatte die EU ein Einreiseverbot gegen 13 ranghohe Syrer verhängt, darunter auch Assads Bruder Maher, der eine führende Rolle im Sicherheitsapparat spielt. Ausserdem wurden auch deren europäische Konten gesperrt.

Der Präsident selbst wurde bislang von den Sanktionen ausgenommen. Wegen des zaghaften Vorgehens gegen Damaskus wurde EU- Chefdiplomatin Catherine Ashton am Mittwoch im EU-Parlament heftig kritisiert.

Die Schweiz hat bislang keine Sanktionen gegen das Regime in Damaskus ergriffen. Der Bundesrat habe an seiner Sitzung vom Mittwoch über die Lage in dem Land diskutiert, dabei jedoch keinen Entscheid zu Strafmassnahmen gefällt, sagte Bundesratssprecher André Simonazzi.

Panzer in Homs:

Die folgenden Videoaufnahmen sollen ein von den Regierungstruppen zerstörtes Haus in Deraa zeigen:

(sda/dapd)

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