«Entscheidung über Leben und Tod» – 197 Staaten wollen mit Kohleausstieg den Klimawandel bremsen
Publiziert

«Entscheidung über Leben und Tod»197 Staaten wollen mit Kohleausstieg den Klimawandel bremsen

Die Verhandlungen an der Klimakonferenz mussten in die Verlängerung, bis eine Einigung erzielt werden konnte. Der gemeinsame Beschluss stellt Klimaaktivistinnen und -Aktivisten jedoch nur teilweise zufrieden.

1 / 6
Fast 200 Staaten haben an der Weltklimakonferenz COP26 teilgenommen. Am frühen Samstagabend unterzeichneten sie die Abschlusserklärung.

Fast 200 Staaten haben an der Weltklimakonferenz COP26 teilgenommen. Am frühen Samstagabend unterzeichneten sie die Abschlusserklärung.

Christoph Soeder/dpa
Dieser waren lange Verhandlungsrunden zuvor gegangen. Der amerikanische Klimabeauftragte John Kerry sprach von einer «Entscheidung über Leben und Tod».

Dieser waren lange Verhandlungsrunden zuvor gegangen. Der amerikanische Klimabeauftragte John Kerry sprach von einer «Entscheidung über Leben und Tod».

Getty Images
Streitthema war unter anderem der Kohleabbau weltweit.

Streitthema war unter anderem der Kohleabbau weltweit.

imago images/Jochen Eckel

Darum gehts

  • Die Weltklimakonferenz COP26 im schottischen Glasgow ist am Samstagabend zu Ende gegangen.

  • Knapp 200 Staaten einigten sich in einer Abschlusserklärung über gemeinsame Ziele, um den Klimawandel zu bekämpfen.

  • Sie haben sich unter anderem zum Ziel gesetzt in den kommenden Jahren aus dem Kohleabbau auszusteigen.

Die UN-Klimakonferenz in Glasgow hat die Staaten der Welt erstmals dazu aufgefordert, den Ausstieg aus der Kohle einzuleiten. Die am Samstag gebilligte Erklärung von rund 200 Staaten fordert zudem, «ineffiziente» Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Die Formulierung wurde allerdings in letzter Minute auf Druck von China und Indien abgeschwächt. EU-Kommissar Frans Timmermans äusserte seine grosse Enttäuschung darüber, würdigte die Forderung zum Kohleausstieg aber dennoch als «historisch». Der amerikanische Klimabeauftragte John Kerry hatte von einer «Entscheidung über Leben und Tod» gesprochen.

Staatengemeinschaft einigt sich auf gemeinsamen Hilfstopf

Zudem verpflichteten sich die Länder gemeinsam dem Ziel, die Erderwärmung bei 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu stoppen. Dazu sollen sie bis Ende 2022 ihre bislang unzureichenden Klimaschutzpläne nachschärfen. Dies bleibt aber freiwillig, es gibt keine Pflicht.

Bisher reichen die bei den UN eingereichten Pläne bei weitem nicht aus, das 2015 in Paris vereinbarte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. In der Erklärung wird festgehalten, dass dafür der Ausstoss klimaschädlicher Treibhausgase weltweit noch in diesem Jahrzehnt um 45 Prozent sinken muss.

Zugesagt werden auch mehr Finanzhilfen für arme Staaten, damit diese sich an die vielerorts fatalen Folgen der Klimakrise anpassen könen. Zig Millionen Menschen sind schon jetzt mit häufigeren und längeren Dürren und Hitzewellen konfrontiert oder kämpfen mit heftigeren Stürmen und Überschwemmungen. Konkret sollen diese Finanzhilfen bis 2025 verdoppelt werden, also von aktuell etwa 20 auf rund 40 Milliarden US-Dollar.

Erstmals wird die jahrelange Forderung armer Staaten aufgegriffen, einen Geldtopf für Hilfen bei Schäden und Verlusten einzurichten. Gemeint sind etwa Zerstörungen oder erzwungene Umsiedlungen nach Dürren, Sturmfluten oder Wirbelstürmen. Die Staaten werden aufgefordert, dafür Geld einzuzahlen. Konkrete Summen dafür werden aber nicht genannt. Es soll nur «technische Unterstützung» nach Schadensereignissen bereitstehen, aber nicht der komplette Schaden beglichen werden.

Indien setzte sich für Verschiebung von Klimazielen ein

Die Vertreter Indiens hatten beim Klimagipfel auf ein Recht auf die Nutzung fossiler Energien gepocht. Länder mit einer historisch geringen Verantwortung für den Klimawandel hätten das «Recht auf ihren fairen Anteil am globalen Kohle-Budget» und seien «berechtigt zur verantwortungsvollen Nutzung fossiler Energien», sagte der indische Umweltminister Bhupender Yadav am Samstag vor den Delegierten der Klimakonferenz COP26 in Glasgow.

Der Klimawandel sei «durch untragbaren Lifestyle und verschwenderische Konsumgewohnheiten» verursacht worden. Indien stehe nicht hinter der Initiative der COP26, die nationalen Pläne zur Emissionsminderung im Vergleich zum Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 zu beschleunigen. «Es gibt einen gut definierten Kreislauf zur Vorlage der nationalen Klimaschutzziele (NDCs). Es gibt keinen Bedarf, davon abzuweichen», sagte er.

Kritik von Klimaaktivistinnen und –Aktivisten

Klimaschützer hatten den Industriestaaten in den vergangenen Tagen vorgeworfen, die armen Länder allein zu lassen. «Der letzte Entwurf der Abschlusserklärung ist ein klarer Verrat der reichen Nationen – der USA, der EU und Grossbritanniens», kritisierte Tasneem Essop, Chef des Klimabündnisses Climate Action Network, am Samstag in Glasgow. Sie weigerten sich, für von ihnen verursachte Schäden und Verluste zu zahlen. Damit liessen sie jegliche Solidarität und Verantwortungsgefühl vermissen.

Die Naturschutzorganisation WWF zog eine positivere Bilanz. Die Gespräche hätten die Welt «im Blick auf politisches Handeln in eine bessere Position gebracht als jemals zuvor». Dank anhaltenden Drucks sei nun das Ziel politisch verankert, die Erderwärmung bei 1,5 Grad stoppen zu wollen – und nicht nur bei «deutlich unter zwei Grad». Mittlerweile ist wissenschaftlicher Konsens,

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

(AFP/DPA/pme)

Deine Meinung

12 Kommentare