Aktualisiert 06.02.2008 23:56

2:1 - Schweiz unterliegt England knapp

Die Schweizer Fussballer unterlagen im ersten EM-Test des Jahres England im ausverkauften Wembley 1:2. Vier Minuten nach Derdiyoks Ausgleich schoss Wright-Phillips das entscheidende Tor.

Zumindest in der Abwehr dank des überragenden Keepers Diego Benaglio enttäuschten die Schweizer trotz der dritten Niederlage in Serie nicht. Nach der Goaliewahl gewann der 24-Jährige auch die Sympathien der Schweizer Anhänger. Im Angriff hingegen fehlte der wegen Absenzen dezimierten SFV-Equipe das Format, um mit einem Gegner mithalten zu können, der auch nach verpasster EM-Teilnahme nach wie vor zu den europäischen Schwergewichten zählt.

Diego Benaglios Paraden im Wembley

Vielleicht fünf gute Szenen hatten sich die Engländer in den ersten 45 Minuten erarbeitet. Die höheren Ansprüche des Publikums erfüllten sie damit allerdings bei der Premiere von Coach Fabio Capello längst nicht. Nach einer knappen halben Stunde beschwerten sich die Supporter bereits mit lauten Pfiffen. Diego Benaglio durfte die Unmutsbekundungen der Engländer als Kompliment für seine überzeugende Leistung auffassen.

Ihn traf an der 13. Niederlage gegen England nicht die geringste Schuld. Das 1:0 von Jermaine Jenas (40.) war ebenso unhaltbar wie das 2:1 von Shaun Wright-Phillips, der vier Minuten nach dem Ausgleich von Debütant Eren Derdiyok einen perfekten Querpass von Captain Steven Gerrard nur noch ins leere Tor zu schieben brauchte. Ein deutlicheres Resultat liess aber vor allem Benaglio nicht zu. Die neue Nummer 1 der Schweizer entschärfte diverse gefährliche Schüsse.

Von einem Remis träumte Kuhns Auswahl im viertletzten Test vor dem EM-Kick-off gegen die Tschechen im Juni nur kurz. Das überraschende 1:1 hielten sie knapp 240 Sekunden, ehe die «Three Lions» ihnen mit einer Tempoverschärfung jenen Tarif erklärten, an den sie sich im Sommer auch im eigenen Land von der ersten Sekunde an gewöhnen müssen.

Kaum Offensivszenen

Die Schweizer begegneten den Premier-League-Millionären vor allem in der eigenen Platzhälfte. In jener Zone war ihnen wenig vorzuwerfen. Dort begingen sie zwar auch Fehler, aber wenige so genannte «unforced errors». Offensiv hingegen existierten die Schweizer langezeit praktisch nicht; nur Tranquillo Barnetta orientierte sich vor der Pause auch mal in Richtung des englischen Goalies. Von seinen beiden Fernschüssen liess sich aber selbst der unsichere David James nicht irritieren.

Andere Mitglieder der «Kreativ-Abteilung» produzierten im Londoner Fussball-Kulttempel nur höchst mediokre Kost. Daniel Gygax beispielsweise überzeugte abermals nicht, Hakan Yakin nahm zu wenig Einfluss. Gar spurlos verabschiedete sich zur Pause Blaise Nkufo. Der Stürmer von Twente Enschede bleibt im Kreis der Nationalmannschaft ein Rätsel. In Holland gehört er Woche für Woche zu den Skorern, im SFV-Dress ist Nkufo schlicht kein Faktor und nicht annähernd ein Ersatz für Topskorer Alex Frei, der an allen Ecken- und Strafraumenden fehlte.

Ohne Anlaufzeit gepunktet hat dagegen Eren Derdiyok, der in der 46. Minute für den «unsichtbaren» Nkufo eintrat. Der forsche 19- Jährige aus Basel überraschte im Wembley alle. Ohne eine Sekunde zu zögern, drosch der Rookie-Stürmer eine Vorlage Barnettas zum 1:1 am machtlosen James vorbei. Zwölf Minuten benötigte er beim ersten Auftritt für die Schweiz, um in den engeren Kreis der EM-Kandidaten zu rücken.

Rooneys Speed

Wie verwandelt traten die Engländer im ersten Spiel seit der Demütigung gegen die Kroaten am Ende der missratenen EM-Kampagne zwar nicht auf. Aber der Favorit war von Beginn weg nicht gewillt, wieder zur Zielscheibe der Zyniker zu werden. In regelmässigen Abständen beschäftigte Capellos Equipe den EM-Gastgeber. Immer wieder war Joe Cole involviert. Der Chelsea-Professional beschäftigte die Schweizer im rechten Couloir während den ersten 45 Minuten fast ausnahmslos.

Dass Cole am Ursprung des ersten Vorteils stand, war angesichts seiner starken Darbietung gewiss nicht unerwartet. Der kaum zu stoppende Flügelsprinter düpierte mit Stephan Lichtsteiner, der sich bis zu jener Szene keinen Fehler geleistet, einen der besten Schweizer leichtfüssig und passte zentimetergenau zu Jermaine Jenas. Das erste Länderspietor Jenas' vermochte selbst der zuvor makellose Keeper Benaglio nicht mehr abzuwenden.

Einer bewegte sich aber noch über dem Level von Joe Cole: Wayne Rooney. Der 22-jährige ManU-Star führte die Schweizer phasenweise im Alleingang an ihre Grenzen. Der technisch und läuferisch gleichermassen brillante Stürmer bedrängte Benaglio aus allen Lagen. Seinen unerhörten Speed hatten die Engländer beim bitteren EM-Out gegen die Kroaten im November extrem vermisst.

Fussball, Testspiel

England - Schweiz 2:1 (1:0)

Wembley, London. - 86 857 Zuschauer. - SR Brych (De).

Tore: 40. Jenas 1:0. 58. Derdiyok 1:1. 62. Wright-Phillips 2:1.

England: James; Brown, Ferdinand, Upson, Ashley Cole (74. Bridge); Jenas (57. Wright-Phillips), Barry (74. Hargreaves), Gerrard; Bentley, Joe Cole (57. Crouch); Rooney (86. Ashley Young).

Schweiz: Benaglio; Lichtsteiner (46. Behrami), Eggimann, Senderos (55. Grichting), Spycher; Fernandes (84. Huggel), Inler; Gygax (46. Vonlanthen), Yakin (64. Margairaz), Barnetta; Nkufo (46. Derdiyok).

Bemerkungen: Schweiz ohne Philipp Degen, Djourou, Dzemaili, Frei, Magnin und Streller (alle verletzt). Nicht eingesetzt: . - Länderspieldebüt von Derdiyok.

LIVE-TICKER

90.+3. Schlusspfiff im Wembley. England gewinnt knapp aber gemessen an den Spielanteilen und Chancen verdient mit 2:1. Höhepunkt auf Schweizer Seite war der Treffer des Debütanten Derdiyok.

90. 3 Minuten Nachspielzeit angezeigt. Am Schluss gehts nochmal hoch zu und her im englischen Strafraum, aber der Ausgleich bleibt den Schweizern verwehrt.

87. Noch bleiben den Schweizer ein paar Minuten, vielleicht doch noch den Ausgleich zu erzielen.

84. Jetzt kommt auch noch Beni Huggel zum Einsatz, für ihn geht der solide Fernandes vom Feld.

78. Die 90'000 im Rund haben mittlerweile Gefallen am Spiel gefunden, jeder Pass wird frenetisch bejubelt.

68. Die Engländer nach dem erneuten Führungstor wie aufgepumpt, lancieren Angriff um Angriff, die Schweizer Abwehr steht unter enormem Druck.

64. Wechsel bei der Schweiz, Yakin verlässt das Feld für Margairaz.

62. Shawn Wright-Phillips schiebt zum 2:1 ein. Das ging alles sehr schnell, ein verlorenes Kopfballduell in der Mitte, der Querpass von links aussen zur Mitte und schon stehts 2:1.

60. Stunde gespielt, der Ausgleich der Schweizer hat die Partie jetzt so richtig lanciert und da ist es auch shcon passiert. 2:1 für England!

58. Tor für die Schweiz! Der frisch eingewechselte Derdiyok trifft bei seinem Debüt zum 1:1.

55. Wechsel bei der Schweiz, Senderos weicht für Grichting.

54. Nächste Bewährungsprobe für Benaglio, Jenas zieht ab und zwingt Diego zu einer tollen Parade, England macht jetzt aber gewaltig Druck.

53. Rooney scheint die Pause gut getan zu haben, kommt zweimal innert Kürze zu Top-Chancen, noch aber zielt er zu ungenau.

46. Die 2. Halbzeit beginnt. Reihenweise Wechsel bei den Schweizern, Derdyok kommt für den blassen Nkufo, Behrami für Lichtsteiner, Vonlanthen für den erneut wirkungslosen Gygax.

45. Pause im Wembley. So richtig zufrieden können die Schweizer nach dem Gegentor nicht in die Pause gehen, auch wenn sie ordentlich gespielt haben. Die Defensive stand bis zum Gegentor sicher, das Mittelfeld konnte sogar Pluspunkte gegenüber den Engländern buchen, nur Nkufo hing vorne völlig in der Luft.

40. Tor für England! Jenas drückt den Ball zum 1:0 über die Linie. Für einmal kommt Joe Cole an Lichtsteiner vorbei, dessen Zuspiel Jenas aus 5m an Benaglio vorbei über die Linie spediert. Viele Schweizer Abwehrbeine können den Pass in die Mitte nicht verhindern, Jenas hat keine Mühe, die Führung zu erzielen.

39. Kapitaler Lapsus von Senderos, dadurch kommt Rooney zum Schuss, der aber erneut an Benaglio scheitert. Die Fans sind nun aufgewacht, die Schweizer ein bisschen aufgeschreckt durch den Fehler des Captains.

38. Aktivposten Joe Cole prüft mit einem Flachschuss Diego Benaglio, der auch diesmal sicher hält und gleich den Gegenangriff lanciert.

36. Die Elf von Köbi Kuhn steht nach wie vor kompakt, wirkt ein wenig frischer als die Engländer.

32. Das Spiel nimmt langsam Fahrt auf, England mit dem nächsten Freistoss.

32. Benaglio auf dem Posten, krallt sich die Hereingabe von Jenas noch vor dem lauernden Joe Cole.

30. Die Engländer mit zuvielen Ballverlusten, die Schweizer kommen dadurch leicht zu Ballbesitz. Auch das kämpferische Element ist bei den Engländern kaum auszumachen.

27. Diesmal nimmt Lichtsteiner Joe Cole mit, der ihn nur mit einem Foul stoppen kann, Freistoss Yakin. Die Flanke kommt gut rein, Senderos leitet per Kopf weiter, Eggimann verpasst nur knapp den weiteren Pfosten.

21. Spycher holt einen Eckball raus, die Engländer spielen in der Defensive ein wenig fahrig, der Corner bringt aber nichts ein.

20. Barnetta bekommt den Ball auf Höhe des 16ers vom Gegner zugespielt und fackelt nicht lange, sein Schuss geht aber knapp links neben dem Kasten von James vorbei.

18. Lichtsteiner mit einem gelungenen Tackling gegen den agilen Joe Cole.

18. Das Schweizer Mittelfeld behauptet den Ball gut in den eigenen Reihen, der letzte Pass aber fehlt noch oder kommt nicht an.

13. Das Tempo in den Anfangsminuten nicht gerade hoch, Joe Cole gibt mal Gas auf links, wird aber von Lichtsteiner ausgebremst. Ansonsten müssen sich die Teams erst mal finden.

10. Die ersten zehn Minuten sind vorbei, plötzlich steht Rooney alleine vor Benaglio, der den Schuss gut abwehrt, Gefahr gebannt.

7. Die Schweizer starten gut in die Partie, lassen sich von der Kulisse und dem scheins übermächtigen Gegner nicht einschüchtern. Barnetta prüft ein erstes Mal England-Keeper James, aber der Schuss war zu harmlos.

4. Senderos muss sich schon früh pflegen lassen, hat sich bei einem Abwehrversuch leicht wehgetan, die Schweizer momentan nur mit 9 Feldspielern. Aber schon ist der Abwehrpatron wieder im Spiel zurück.

3. Erste gute Aktion von Benaglio, der weit aus seinem Kasten kommt und souverän klärt.

1. Anpfiff, das Spiel beginnt, die Schweiz mit weissen Shirts hat Anstoss.

- Das Spiel beginnt in Kürze, die Schweiz spielt im 4-4-1-1 mit Yakin und Nkufo im Sturm. Barnetta und Gygax bilden die Flügelzangen, Inler und Fernandes machen in der Mitte die Räume eng.

20minuten.ch berichtet ab 21.00 Uhr live von der Partie England - Schweiz.

Stimmen zum Spiel:

Diego Benaglio: «Es war ein schönes und spezielles Spiel. Natürlich hätte ich lieber ein positives Resultat gehabt. Aber hier im Wembley zu spielen, ist ein besonderes Erlebnis. Über meine eigene Leistung spreche ich nicht gern, die sollen andere beurteilen. Wir haben gegen einen guten Gegner verloren, England ist nicht irgendwer. Ich glaube, man hat bei uns sehr viel Positives sehen können.»

Köbi Kuhn: «Mit unserer Leistung bin ich sehr zufrieden, ich hätte mir natürlich ein besseres Resultat gewünscht. Ich darf aber der ganzen Mannschaft ein Kompliment machen.» (Angesprochen auf Benaglio und Derdiyok): «Ich wusste ja, dass Diego Benaglio ein guter Goalie ist. Eren Derdiyok hat bei uns auch in der U21 schon einiges gezeigt. Ich bin sehr zufrieden mit ihm, das Tor ist natürlich phantastisch, es wäre schön gewesen, wenn es das Tor zumindest zum Unentschieden gewesen wäre. ... Die Spieler, die heute auf dem Platz waren, haben gezeigt, dass es noch einen guten Wettbewerb für die 23 Plätze für die EM geben kann.»

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