Aktualisiert 22.12.2003 07:13

2,3 Milliarden Franken mehr Lohn

Die Lohnsumme in der Schweiz steigt 2004 um rund 2,3 Milliarden Franken. In den Lohntüten wird aber nach Abzug der Teuerung und den höheren Pensionskassenbeiträgen nur wenig Geld mehr bleiben.

Die Unterschiede zwischen den Branchen sind gross. «Die diesjährigen Lohnverhandlungen waren wegen der Wirtschaftskrise ruhig», sagte Serge Gaillard vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP. Er rechne für das kommende Jahr mit einer Erhöhung der Löhne um durchschnittlich ein Prozent. Dies bedeute einen Anstieg der Lohnsumme um rund 2,3 Milliarden Franken. Nach Abzug der vom Bundesamt für Statistik (BFS) prognostizierten Teuerung von 0,6 Prozent im Jahr 2004, dürfte den Lohnempfängern noch rund 0,4 Prozent mehr Lohn zur Verfügung stehen.

Die durch die Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge eingesparten 0,25 Prozent für die Arbeitnehmer dürften laut Gaillard von den erhöhten Beiträge für die Pensionskassen weggefressen werden. Auch die höheren Krankenkassenprämien werden sich in den Haushaltsbudgets niederschlagen.

Als Wermutstropfen bezeichnete auch Peter Hasler, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, die steigenden Versicherungskosten. Er schätzte das Wachstum der Reallöhne auf rund 0,5 Prozent. Die steigenden Löhne wiesen erfreulicherweise auf einen gewissen Optimismus bei den Arbeitgebern hin. «Wer schwarz sieht, gibt keine Lohnerhöhungen», sagte Hasler.

Grosse Unterschiede zwischen den Branchen

Zwischen den Branchen seien aber grosse Unterschiede auszumachen, sagte Gaillard. Über ein grosses Lohngeschenk dürfen sich die Angestellten in der Telekommunikations- und Chemiebranche freuen. So erhöht die Swisscom die Lohnsumme im kommenden Jahr um 2,2 Prozent, die generelle Lohnerhöhung beträgt 1,6 Prozent. Der Pharmamulti Roche zahlt rund zwei Prozent mehr Lohn, Novartis 1,5 bis zwei Prozent, wie Gaillard sagte. Aber auch die Detailhandelsriesen Migros und Coop zahlten dank der relativ stabilen Wirtschaftlage rund 1,5 Prozent mehr Lohn.

Bei den SBB und der Post werde ein Einmalbetrag und eine allgemeine Lohnanpassung unter einem Prozent erfolgen. Wegen den zu den Frühpensionierungen getroffenen Vereinbarungen, sei in der Baubranche nur der Teuerungsausgleich, also rund 20 Franken im Monat bezahlt worden. Schwierig ist die Übersicht laut Gaillard im Gewerbe, hier seien zum Teil nur die Mindestlöhne um 50 bis 150 Franken erhöht worden. Gar zu einer Nullrunde kommt es in einigen Betrieben im Transportbereich, wie VHTL-Generalsekretär Robert Schwarzer sagte.

Mit einer Lohnerhöhung von 0,8 Prozent eher gut stehen die Bundesangestellten da. Differenziert sieht es bei den Kantonen aus. Im Kanton Aargau wird es wohl praktisch zu einer Nullrunde kommen. Vorgeschlagen ist eine Erhöhung des Lohnbudgets um 0,25 Prozent, die Löhne sollen leistungsabhängig erhöht werden. Relativ klein wird auch die Erhöhung im Kanton Luzern ausfallen, der seinen Angestellten rund 0,2 Prozent mehr Lohn zahlt. Ungewiss sieht es im üblicherweise grosszügigen Kanton Zug aus; ein Antrag auf eine Erhöhung um 0,5 Prozent wurde vom Kantonsrat abgelehnt. Im Kanton Bern beträgt das Lohnsummenwachstum wiederum ein Prozent. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.