23.06.2020 12:57

Darknet-Marktplatz

2,4 Tonnen Gras, 75 Kilo Kokain und 460’000 Ecstasy-Pillen verkauft

Drei Männer aus Deutschland sollen einen riesigen Drogen-Umschlagplatz im Darknet betrieben haben. Das machte sie zu Millionären. Über die Plattform wurden mehrere Tonnen Rauschmittel verkauft. Nun stehen sie vor Gericht.

von
Tobias Bolzern
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Behörden aus den USA, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Europol haben im Mai 2019 den Wall Street Market offline genommen. Laut den Behörden handelte es sich um den zweitgrössten Umschlagplatz für Drogen im Darknet. Die drei mutmasslichen Betreiber werden jetzt angeklagt.

Behörden aus den USA, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Europol haben im Mai 2019 den Wall Street Market offline genommen. Laut den Behörden handelte es sich um den zweitgrössten Umschlagplatz für Drogen im Darknet. Die drei mutmasslichen Betreiber werden jetzt angeklagt.

Europol
Die Server der Darknet-Plattform sollen in dieser 13’000 Qudratmeter grossen Bunkeranlage im deutschen Traben-Trarbach im Bundesland Rheinland-Pfalz untergebracht gewesen sein.

Die Server der Darknet-Plattform sollen in dieser 13’000 Qudratmeter grossen Bunkeranlage im deutschen Traben-Trarbach im Bundesland Rheinland-Pfalz untergebracht gewesen sein.

KEYSTONE/Pressestelle Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz
Der ehemalige Natobunker war mit Stacheldraht, Kameras und …

Der ehemalige Natobunker war mit Stacheldraht, Kameras und …

KEYSTONE

Darum gehts

  • Über 36 Millionen Euro Umsatz machte der Wall Street Market mit Drogen.
  • Drei deutsche Männer sollen den Marktplatz im Darknet betrieben haben.
  • Sie strichen eine Provision für jede illegale Transaktion auf der Site ein.
  • Nach langen Ermittlungen wurde das Trio 2019 verhaftet.
  • Jetzt wurden die drei Männer angeklagt.

Gefälschte Dokumente, geklaute Daten, Schadsoftware und Drogen aller Art: Das war über den Wall Street Market nicht nur verfügbar, sondern wurde auch Hunderttausendfach verkauft. Die Plattform war laut den Strafverfolgungsbehörden der zweitgrösste Umschlagplatz für Drogen im Darknet. Bis zur Schliessung waren über eine Million Nutzer und mehr als 5000 Händler aktiv.

Im Mai 2019 gelang es den Ermittlern, die Site offline zu nehmen. An der Aktion beteiligt waren Behörden aus den USA, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und die europäische Polizeibehörde Europol. Zeitgleich wurden in Deutschland drei Männer verhaftet. Die Deutschen sollen die Plattform aufgebaut und betrieben und an den illegalen Geschäften verdient haben.

Insgesamt sollen über den Wall Street Market zwischen März 2016 und April 2019 Drogen im Wert von mehr als 36 Millionen Euro gehandelt worden sein. Laut der Anklage geht es konkret um 2,4 Tonnen Cannabis und Hasch, 75 Kilo Kokain, 11 Kilo Heroin, 642 Kilo Amphetamin (Speed), 460’000 Ecstasy-Tabletten, 156 Kilo MDMA, 52 Kilo Meth und 240’000 Portionen LSD. Die Männer hatten sich pro Transaktion eine Provision in Höhe von 2 bis 6 Prozent ausbezahlt. Das machte sie zu Millionären.

Darknet

Über 99 Prozent der Daten im Internet sind nicht über Suchmaschinen auffindbar. Man spricht vom Deep Web. Darin versteckt sich auch das Darknet. Das sind Netzwerke, die bewusst unsichtbar sein wollen. Um darauf zuzugreifen, benötigt man spezielle Software wie den TOR-Browser. Der Datenverkehr verläuft dabei verschlüsselt und über unzählige, zufällig ausgewählte private Rechner. Überwacher können so nur schwer Informationen über die Kommunikation sammeln. Die Arbeit an der TOR-Software begann 2002 an der Universität Cambridge. In der Anfangszeit wurde TOR von US-amerikanischen Behörden wie Darpa unterstützt. Seit 2006 kümmert sich die Non-Profit-Organisation The Tor Project um die Aufrechterhaltung von TOR. Finanziert wird das Projekt von der US-Regierung und privaten Spenden.

Bei der Durchsuchung von Wohnungen wurden damals Bargeldbeträge in Höhe von über 550’000 Euro sowie Kryptowährung in sechsstelliger Höhe, teure Autos und zig Computer und Datenträger sowie eine Waffe sichergestellt, wie das Bundeskriminalamt mitteilte. Bei den Verhafteten handelt es sich um einen 23-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen, einen 30-Jährigen aus Baden-Württemberg und einen 33-Jährigen aus Hessen.

Gegen die drei Tatverdächtigen wurde jetzt Anklage wegen Verdacht des bandenmässigen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge erhoben. Da sie mit der Staatsanwaltschaft kooperierten, sind sie wieder auf freiem Fuss. Wann der Prozess vor dem Frankfurter Landgerichte starten soll, ist bisher nicht klar.

Illegaler Cyberbunker

Die Server des Wall Street Market standen in den Räumen einer alten Bunkeranlage im deutschen Traben-Trarbach. Über 650 Beamte, darunter die Spezialeinheit GSG9, stürmten den «Cyberbunker» letzten Oktober. Zig Mobiltelefone, Datenträger und eine grössere Summe an Bargeld wurden sichergestellt. Bei der Aktion haben die Behörden Hunderte Server beschlagnahmt. Sechs Verdächtige wurden festgenommen. Ermittelt wird gegen 13 Männer und Frauen. Sie sind zwischen 20 und 59 Jahre alt. Die Betreiber des Rechenzentrums sollen Cyberkriminellen im Darknet ihre Dienste angeboten haben. Über die Server sollen unter anderem Hunderttausende Deals mit Drogen, gestohlenen Daten und Kinderpornografie abgelaufen sein.

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4 Kommentare
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Adam Riese

24.06.2020, 15:14

2-7% von 36 mio gibt kein Millionenverdienst...

Kilian

24.06.2020, 11:02

Bei diesen Mengen wäre es vielleicht mal an der Zeit an eine Öffnung und Liberalisierung zu denken, statt tausende Menschen zu kriminalisieren und Polizeiressourcen zu verschwenden weil sich jemand berauschen will... denn komischerweise ist von Kinderpornografie in der Anklage keine Rede, die man dann mit den neu-verfügbaren Mitteln intensiver bekämpfen könnte. Aber ich bin halt auch kein zwielichter Politiker oder Richter

Josef

24.06.2020, 05:04

"650 Beamte stürmten den Bunker", aber in Stuttgart, Hamburg und Köln war die Polizei völlig überfordert. Hier scheint ein eher kleiner Fall gepusht zu werden. Die Leute sollen nach Stuttgart wieder das Gefühl der Sicherheit bekommen.