Demontage: 2:5 - Frankreich in anderer Gewichtsklasse
Aktualisiert

Demontage2:5 - Frankreich in anderer Gewichtsklasse

Die Schweizer Nati kassiert von den Franzosen heftige Prügel. Die 2:5-Niederlage bringt uns im Rennen um den Achtelfinal unter Zugzwang.

von
Sandro Compagno und Eva Tedesco
Salvador

Es hatte schon schlecht angefangen, richtig schlecht. Als Von Bergen einen Ball vor Frankreich-Stürmer Giroud per Kopf klären wollte, knallte ihm dieser seinen Schuh ins Gesicht. Der Abwehrpatron musste mit einem Cut unter dem linken Auge, einer Hirnerschütterung und starken Kopfschmerzen vom Platz und später ins Spital. Für ihn kam Senderos. Sieben Minuten waren gespielt, und Ottmar Hitzfeld hatte bereits eine von drei Wechselmöglichkeiten aufgebraucht.

Und es ging schlecht weiter: Rodriguez blieb an Valbuena hängen, Djourou klärte zur Ecke, Giroud sprang höher als Behrami und Lichtsteiner und traf per Kopf zum 0:1. Keine 66 Sekunden später stand es schon 0:2. Behrami hatte kurz nach Wiederanpfiff einen fürchterlichen Fehlpass auf Benzema gespielt, der für Matuidi auflegte. Dass dieser den Schweizer Goalie Benaglio in der nahen Ecke erwischte, ist eine Randnotiz, der Fehler ging klar von Behrami aus. Kurz vor der Pause entwischten Benzema und Valbuena - 0:3?Und dazwischen hielt Benaglio noch einen Elfmeter und traf Cabaye im Nachschuss die Latte (31.). Was für eine Halbzeit, was für eine Demontage!

Hitzfeld startet mit Mehmedi und Seferovic

Hitzfeld hatte seine Mannschaft auf zwei Positionen umgestellt. Für Stocker war erwartungsgemäss Mehmedi in die Startelf gerückt, als Sturmspitze kam Seferovic anstelle von Drmic zum Einsatz. Doch die Nati knüpfte fast nahtlos an die erste Hälfte des Ecuador-Spiels an - mit dem Unterschied, dass die Franzosen die Einladungen nur zu gerne annahmen.

So auch in der 66. Minute: Matuidi suchte Benzema. Dazwischen stand zwar Senderos, haute aber zwanglos neben den Ball; Benzema zeigte allein vor Benaglio, wie man es auch machen kann und schoss sein drittes WM-Tor zum 4:0 der Franzosen? Sissoko traf wenig später noch zum 5:0.

Fussball-Lektion statt Spitzenspiel

Damit liessen es die Franzosen gut sein: Dzemaili schoss per Freistoss den Ehrentreffer, Xhaka mit einer sehenswerten Direktabnahme das 2:5. Zwei Tore, die das triste Bild ein klein wenig aufhellen, aber in dieser Partie nur noch von statistischer Relevanz waren.

Frankreich - Schweiz war als Spitzenspiel der Gruppe E angekündigt. Am Ende erwies es sich als Fussball-Lektion. Die Franzosen zeigten, was an einem grossen Turnier zählt: keine Ballverluste im Mittelfeld, dafür gnadenlose Effizienz im Abschluss. Und sie hatten, man muss das so hart schreiben, die besseren Individualisten. Dass beim WM-Finalisten von 2006 mit Benzema und Giroud zwei internationale Spitzenkräfte in der vordersten Reihe tätig sind, das wusste man. Auch dass Matuidi ein wunderbarer Mittelfeldspieler ist. Aber dass die Schweizer die französische Abwehr, die allgemein als Schwachpunkt einer starken ?Equipe Tricolore" betrachtet wurde, derart selten beschäftigen konnten, kommt nach der mässigen Leistung gegen Ecuador einem kleinen Schock gleich.

Trotzdem, noch ist nichts entschieden

Alles in allem wirkte Frankreich - Schweiz wie ein Duell zwischen Witali Klitschko mit einem Kirmes-Boxer. Die Partie war längst entschieden, bis die Schweizer überhaupt einmal in Schlagdistanz kamen.

Die Schweizer erlebten in Salvador in blaues Wunder. Trotzdem ist in dieser Gruppe noch nichts entschieden. Mit einem Sieg am nächsten Mittwoch in Manaus gegen Honduras kann die Schweiz immer noch den Achtelfinal erreichen. Hatten wir das nicht schon mal...?

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