Aktualisiert 05.02.2013 12:30

Einschätzung

2,5 Milliarden Bonus für 2,5 Milliarden Verlust

Für einen hohen Milliardenverlust geben sich die Manager der UBS einen hohen Milliarden-Bonus. Verpackt wird der Vorgang in salbungsvolle Worte.

von
Lukas Hässig

Gute Leistung wird entlöhnt, schlechte bestraft. So lautet das Mantra der Topshots der Schweizer Banken. So sieht es unser Kapitalismus vor. So will die Wirtschaftselite des kleinen liberalen Landes auch in Zukunft das Zusammenspiel zwischen Verantwortlichen und Lohnempfängern gelebt haben.

Doch die Realität ist eine andere. Eine, die um 180 Grad quer in der Landschaft steht. Soeben hat die UBS einen weiteren Rekordverlust veröffentlicht. Mit Libor, Adoboli und Investmentbank summierten sich die Verluste fürs Jahr 2012 auf 2,5 Milliarden Franken.

Wie entlöhnen die UBS-Oberen diese Leistung? Bestrafen sie sich in Form von 0 Franken Bonus? Weit gefehlt. Die UBS-Chefs unter dem deutschen Präsidenten Axel Weber und dem Tessiner CEO Sergio Ermotti gewähren sich und ihrer Führungscrew einen Bonus von total 2,5 Milliarden Franken. Den gleichen Betrag, den sie in den Sand gesetzt haben, verteilen die beiden obersten UBS-Chefs.

Salbungsvolle Worte von der UBS-Kanzel

Als ob Ermotti und Weber wüssten, dass die Gleichung «Super-Bonus für Mega-Verlust» dem Normalsterblichen in der Schweiz kaum einleuchten dürfte, verpacken die UBS-Chefs ihre Bonus-Botschaft in salbungsvolle Worte. «Für 2012 hat UBS ihr Vergütungssystem stark überarbeitet, um die Interessen der Mitarbeitenden und Aktionäre besser in Einklang zu bringen», schreibt die Bank dazu in einer Mitteilung von heute früh. Und fährt fort: «Die Veränderungen setzen den Fokus der Mitarbeitenden von UBS auf die mittel- und längerfristige Performance und bieten ihnen die Möglichkeit, am längerfristigen Erfolg des Unternehmens zu partizipieren.»

Was nach gerechter Lastenverteilung zwischen den Aktionären als Eigentümern und den Managern als den obersten Verantwortlichen klingt, ist tatsächlich eine einseitige Begünstigung Letzterer. Diese werden bei Laune gehalten – egal, ob die Bank Milliarden gewinnt oder verliert.

Das zeigt sich an einer einfachen Rechnung. Der UBS-Aktienkurs hat sich seit Ausbruch der Krise im Herbst 2007 auf einen Fünftel reduziert. 80 Prozent des einstigen Wertes der Firma haben sich in Luft aufgelöst. Umgekehrt kamen die Manager der Bank auch in den Krisenjahren auf ihre Rechnung. Fürs Geschäftsjahr 2010, als die UBS im Eigenhandel nochmals aufs Gas trat, gabs 4,2 Milliarden, im Adoboli-Crashjahr 2011 waren es 2,6 Milliarden, nun folgen 2,5 Milliarden, obwohl die UBS mit ihrem Libor-Betrug imagemässig neue Tiefen auslotet.

Die beste aller Bonus-Welten

Die neue UBS-Führung, die hehre Werte und eine Abkehr vom Casino-Banking verspricht, muss die Frage beantworten, wie Milliarden-Boni für Milliarden-Verluste zu begründen sind. Sie tut dies mit Verweis auf ein neu kreiertes Bonusvehikel. Es handelt sich um «Bonus-Obligationen», die im Krisenfall wertlos verfallen. Damit würden die Interessen zwischen Aktionären und Managern auf ideale Art und Weise gepoolt; die Topleute der Bank hätten ein grosses Interesse daran, die UBS auf Kurs zu halten, damit ihre eigenen Bonus-Obligationen nichts verfallen würden.

Auch hier ist die Realität viel trivialer. Die UBS-Manager haben in den letzten Jahren grosse Anteile ihrer gesperrten Boni bereits verloren oder könnten dies noch erleben. Das hängt mit den bisherigen Bonus-Formen zusammen. Diese erfolgten als Optionen auf UBS-Aktien. Weil der UBS-Kurs weit weg von den anvisierten Zielen liegt, verfallen die Optionen wertlos. Den Begünstigten bleiben nur die Steuern, die auf den zugeteilten Boni bereits fällig wurden.

Mit den neuen Bonus-Obligationen kann das nicht passieren. Statt unsichere Kursen gelten nun weitgehend sichere und attraktive Zinssätze – und dies bei überschaubarem Risiko. Dass die Bonus-Obligationen in den nächsten 5 Jahren wertlos verfallen, ist unwahrscheinlich. Dies wäre faktisch nur der Fall, wenn die UBS ein weiteres Mal vom Staat gerettet werden müsste.

UBS-Rettung: Rechnung für Steuerzahler noch offen

Bund und Nationalbank stellten im Oktober 2008 zur Rettung der UBS 68 Milliarden Franken bereit. Bis jetzt ist davon nichts beim Steuerzahler hängen geblieben. Der Bund beendete sein Engagement von 6 Milliarden Franken bei der UBS im August 2009 und kassierte unter dem Strich 1,2 Milliarden Franken.

Noch offen ist die Schlussrechnung bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die ursprünglich ein Darlehen von 54 Milliarden Dollar (umgerechnet zu damaligen Kursen 62 Milliarden Franken) zur Auslagerung der UBS-Giftpapiere zugesichert hatte. In den SNB-Stabilisierungsfonds wurden schliesslich Schrottpapiere in der Höhe von 38,7 Milliarden Dollar überführt.

«Wir sind da für die Ewigkeit», sagte der damalige SNB-Präsident Jean-Pierre Roth bei der UBS-Rettung zu den Befürchtungen, dass die Nationalbank und damit letztlich auch die Steuerzahler auf einem hohen Verlust sitzen bleiben. Tatsächlich hat der Stabilisierungsfonds mit Ausnahme des ersten Jahres stets einen Gewinn abgeworfen. Das Gesamtrisiko für die Nationalbank betrug Ende September 2012 noch 6,2 Milliarden Franken. Das Darlehen der Nationalbank verringerte sich auf 5,4 Milliarden Franken. Einen vorzeitigen Rückkauf des Stabilisierungsfonds durch die UBS hat die Nationalbank bisher abgelehnt. (bb)

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