Auf Philippinen verschleppt: 2 Jahre gefangen - was droht Schweizer Geisel?

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Auf Philippinen verschleppt2 Jahre gefangen - was droht Schweizer Geisel?

Eine Extremistengruppe auf den Philippinen droht mit der Ermordung zweier deutscher Geiseln. Auch ein Schweizer befindet sich in ihrer Gewalt. Muss er um sein Leben fürchten?

von
vro

Die islamistische Terrorgruppe Abu Sayyaf auf den Philippinen steht der El Kaida nahe. Vergangenen Mittwoch drohten die Extremisten damit, zwei deutsche Geiseln zu ermorden, falls die Bundesrepublik die amerikanischen Militäraktionen gegen die Islamisten im Irak und in Syrien weiterhin unterstütze. Zudem forderten sie ein Lösegeld von 5,6 Millionen Dollar.

Das Auswärtige Amt in Deutschland ist derzeit um die Freilassung der beiden Geiseln bemüht. Zwar zweifelt der philippinische Militärgeheimdienst daran, dass Abu Sayyaf die Drohung tatsächlich wahrmachen wird. Er geht eher davon aus, dass es ihnen mehr ums Geld geht. «Ausgehend von unseren Erfahrungen mit der Gruppe sind das einfache Kriminelle, die nur daran interessiert sind, Geld zu bekommen. Sie werden letztlich auf eine niedrigere ‹Gebühr für Kost und Logis› eingehen», sagt ein Sprecher zur Agentur Reuters. Trotzdem hat Deutschland eigens für den Fall einen Krisenstab eingerichtet.

EDA arbeitet «intensiv» an Freilassung des Schweizers

In der Gewalt von Abu Sayyaf soll sich seit Februar 2012 auch ein Schweizer Tierpräparator befinden. Der Ostschweizer Lorenzo V.* wurde damals zusammen mit einem niederländischen Kollegen und einem Führer verschleppt, als die Gruppe seltene Nashornvögel fotografieren wollte. Nun stellt sich die Frage, wie lange die Extremisten V. noch in ihren Händen behalten wollen und ob ihm möglicherweise das gleiche Schicksal drohen könnte wie den beiden deutschen Geiseln.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) arbeite «intensiv daran, die Freilassung der Geisel bei guter Gesundheit zu erreichen», heisst es auf Anfrage von 20 Minuten. Das Krisenmanagement-Zentrum des EDA arbeite zusammen mit dem Bundesamt für Polizei und dem Nachrichtendienst des Bundes an Massnahmen.

V. reiste trotz Warnungen

Man sei sich bewusst, dass die lange Dauer dieser Entführung für den Betroffenen und seine Angehörigen eine sehr grosse Belastung darstelle. Über V.s Gesundheitszustand werden jedoch keine Angaben gemacht. Auch zum Stand möglicher Verhandlungen äussert sich das EDA nicht.

Trotzdem weise man darauf hin, dass das EDA noch immer von jeglichen Reisen in den Sulu-Archipel im Südwesten der Philippinen abrät. Diese Warnung galt bereits, als V. entführt wurde. Der Tierpräparator sei jedoch nicht das erste Mal in heikle Gebiete gereist, erklärte ein Bekannter nach dessen Entführung.

*Name der Redaktion bekannt

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