Kein Zusatznutzen - 2,3 Millionen Euro-Medikament von Novartis floppt
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Kein Zusatznutzen 2-Millionen-Euro-Arzneimittel von Novartis floppt

Zolgensma ist das teuerste Arzneimittel der Welt. Damit wird Spinale Muskelatrophie behandelt. Jetzt zeigen Daten der deutschen Gesundheitsbehörden auf, dass es nicht besser ist als bestehende Therapien.

von
Barbara Scherer
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Das teuerste Arzneimittel von Novartis steht unter Beschuss.

Das teuerste Arzneimittel von Novartis steht unter Beschuss.

Tamedia/ Urs Jaudas
Die Gentherapie Zolgensma kostet 2,3 Millionen Euro und hilft gegen die seltene Erbkrankheit Spinale Muskelatrophie, SMA.

Die Gentherapie Zolgensma kostet 2,3 Millionen Euro und hilft gegen die seltene Erbkrankheit Spinale Muskelatrophie, SMA.

Novartis
Jetzt zeigen Daten der deutschen Gesundheitsbehörden, dass das Arzneimittel nicht besser wirkt als bestehende Behandlungen.

Jetzt zeigen Daten der deutschen Gesundheitsbehörden, dass das Arzneimittel nicht besser wirkt als bestehende Behandlungen.

Tamedia/ Urs Jaudas

Darum gehts

  • Novartis’ Gentherapie für Spinale Muskelatrophie hält nicht, was sie verspricht.

  • Die Wirkung ist nicht besser als bei anderen Therapien.

  • Das zeigen Daten der deutschen Gesundheitsbehörden.

  • Jetzt gerät der hohe Preis des Arzneimittels unter Druck.

Eine Dosis für 2,3 Millionen Euro: Das verlangt Novartis für die Gentherapie Zolgensma. Das Arzneimittel hilft gegen die seltene Erbkrankheit Spinale Muskelatrophie (SMA) (siehe Box unten). Den hohen Preis rechtfertigt der Pharmariese damit, dass es nur eine Anwendung brauche.

Doch jetzt zweifeln die deutschen Gesundheitsbehörden offiziell am Wert der teuren Gentherapie: Daten zeigen, dass das Arzneimittel nicht besser als bestehende Behandlungen ist. Anders als Novartis behauptet, ist Zolgensma also kein Durchbruch, wie die «SonntagsZeitung» schreibt.

Das ist Spinale Muskelatrophie

Die Spinale Muskelatrophie (SMA) betrifft rund eines von 10'000 Neugeborenen. Sie ist genetisch bedingt und bewirkt einen fortlaufenden Verfall der Muskelkraft, was schliesslich zum Verlust der Atemmuskulatur führt – und das zum Tod. Seit September 2017 wäre dieser jedoch abwendbar. Seither ist das Arzneimittel der Zuger Firma Biogen auf dem Schweizer Markt zugelassen, das den Krankheitsverlauf stoppen kann.

Die Standardtherapie zurzeit ist die Rückenmarkspritze Spinraza von Biogen. Diese muss lebenslang alle drei Monate verabreicht werden. Eine Spritze kostet in der Schweiz rund 90’000 Franken. Dass Zolgensma hingegen nur einmal verabreicht werden muss, wird in Deutschland nicht als Zusatznutzen anerkannt.

Millionenpreis gerät unter Druck

Mit dem neuesten Urteil der deutschen Gesundheitsbehörden gerät nun der Millionenpreis der Gentherapie unter Druck. Denn der Preis eines Arzneimittels richtet sich in Deutschland massgeblich nach dem Zusatznutzen. Zurzeit kostet Zolgensma 2,3 Millionen Euro, in der Schweiz ist der Preis geheim.

Passt Deutschland die Kosten für die Therapie an, dürfte das auch Einfluss auf die Schweizer Preise haben. Bei den Abklärungen berücksichtige das Bundesamt für Sozialversicherungen alle verfügbaren Dokumente und Studien, teilt die Behörde gegenüber der «SonntagsZeitung» mit.

Bereits vor einem Jahr gab es erste Zweifel an Zolgensma. Denn in den USA gibt es Studien, bei denen die Gentherapie mit anderen Arzneimitteln kombiniert wird. Das schürt die Bedenken weiter, ob die Einmaltherapie wirklich ausreicht.

Novartis hat die Gentherapie durch die Übernahme des US-Unternehmens Avexis eingekauft. Das kostete den Pharmariesen 8,7 Milliarden Dollar. Bisher hat Novartis mit Zolgensma mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz erzielt. Am wichtigsten Pharmamarkt, den USA, stagnieren die Zahlen aber seit einigen Quartalen.

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