Stern im Telefonbuch: 20'000 Beschwerden wegen Werbeanrufen
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Stern im Telefonbuch20'000 Beschwerden wegen Werbeanrufen

Wer sich im Telefonbuch mit einem Stern kennzeichnen lässt, sollte eigentlich keine Werbeanrufe mehr erhalten. Dagegen gibt es Tausende Verstösse.

von
num
Die Zahl der Beschwerden gegen illegale Telefonwerbung ist massiv gestiegen.

Die Zahl der Beschwerden gegen illegale Telefonwerbung ist massiv gestiegen.

Der Telefonterror geht Schweizern gehörig auf die Nerven. Beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) sind in den vergangenen 15 Monaten eine Rekordzahl an Beschwerden über Werbeanrufe trotz Sterneintrag im Telefonbuch eingegangen. Waren es 2013 noch 4228 Beschwerden, sind 2014 rund 13'500 Beschwerden eingegangen, wie die «Berner Zeitung» berichtet.

Über die Gründe kann das Seco nur spekulieren. Man habe den massiven Zuwachs an Beschwerden festgestellt. Sprecher Fabian Maienfisch sagt: «Das lässt darauf schliessen, dass das Geschäftsmodell ‹Werbeanrufe› vermehrt eingesetzt und der Sterneintrag offenbar nicht in genügendem Masse respektiert wird.»

Anrufern kaum beizukommen

Prisca Birrer-Heimo, Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), vermutet einen weiteren Grund: «Einerseits ist es für Konsumenten einfacher, eine Beschwerde zu verfassen, da auf der SKS- und der Seco-Website Formulare aufgeschaltet sind. Und andererseits ist es mit der gestiegenen Anzahl Anrufe zu erklären, was zunehmend nervt.»

Der Kampf gegen die nervigen Anrufe ist schwierig. Das Hauptproblem liegt laut Seco bei Anrufen aus dem Ausland unter Verwendung einer Schweizer Rufnummer. «Diese Schweizer Rufnummer kann legal ins Ausland vergeben worden sein oder sie ist gespooft worden.» Spoofing bedeutet, dass der Anrufer nicht seine eigene, sondern eine andere – Schweizer – Nummer anzeigt. So nimmt der Empfänger eher den Hörer ab, als wenn das Display eine ausländische Nummer anzeigt.

Warten auf Lösung der Telekom-Anbieter

Die Verantwortlichen zu belangen ist schwierig. Seco-Sprecher Maienfisch: «In beiden Fällen kann in der Regel der Anrufer nicht identifiziert werden oder dann aber nur im Rahmen internationaler Rechtshilfe, was für die Ermittlungsbehörden einen unverhältnismässigen Aufwand darstellen würde.»

Der SKS hat die drei grossen Telekom-Anbietern Swisscom, Cablecom und Sunrise bereits aufgefordert, diese technische Möglichkeit des Spoofings zu unterbinden.

SP-Nationalrätin Birrer-Heimo verlangt noch mehr: «Ausserdem sollen sie generell stärker gegen das illegale Telefonmarketing vorgehen. Bis Ende April erwarten wir in dieser Sache eine Stellungnahme.» Und bei der anstehenden Revision des Fernmeldegesetzes müsse dem Missstand mit den Werbeanrufen der Riegel geschoben werden.

Gütesiegel für Krankenkassen

Das Problem an der Wurzel packen will der Internet-Vergleichsdienst Comparis. Oft versuchen Callcenter an Daten zu kommen, um Kunden eine neue Krankenkasse anzudrehen – ohne in deren Auftrag zu handeln. Comparis plant nun, Krankenkassen dazu zu verpflichten, keine Daten potenzieller Kunden zu kaufen, die auf illegale Art und Weise beschafft worden sind.

Sprecher Felix Schneuwly: «Wenn sich eine Krankenkasse dazu verpflichtet, geben wir ihr ein Gütesiegel, das bei unserem Vergleichsdienst gut ersichtlich ist.» Einige – vor allem kleinere und mittlere Kassen – haben laut Schneuwly Interesse gezeigt. Ende Sommer könnten die ersten Kassen mit diesem Siegel ausgestattet sein.

17 Verurteilungen

Seit 2012 wurden 17 identifizierte und in der Schweiz ansässige Call Center und Unternehmen wegen Anrufen auf Stern-Nummern per Brief abgemahnt. In 41 Fällen wurden Strafklagen gegen bekannte oder nicht bekannte Call Center und Firmen gemacht; in 17 Fällen kam es zu Verurteilungen. In 16 Fällen kam es dagegen zu Nichtanhandnahme-, Einstellungs- oder Sistierungsverfügungen durch eine kantonale Staatsanwaltschaft. In zwei Fällen gab es Zivilklagen gegen identifizierte Anbieter. (sda)

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