Inferno im Nachtclub: 20'000 fordern Rücktritt der rumänischen Regierung
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Inferno im Nachtclub20'000 fordern Rücktritt der rumänischen Regierung

Die Wut über das verheerende Feuer in einem Bukarester Nachtclub entlädt sich in erneuten Protesten gegen die Regierung. Gleichzeitig wird ein Held des Unglücks beerdigt.

von
chk

Nach der Brandkatastrophe in einer Bukarester Diskothek mit mindestens 32 Toten haben am Dienstag mehr als 20'000 Menschen gegen die Regierung demonstriert. Sie forderten mit einem Marsch durch die rumänische Hauptstadt den Rücktritt von Ministerpräsident Victor Ponta, Innenminister Gabriel Oprea und dem Bürgermeister des Bezirks, in dem der vom Feuer betroffene Nachtclub lag.

Die Demonstranten verlangten zudem, dass die Behörden die für das Unglück Verantwortlichen bestrafen. Einige der Demonstranten trugen Nationalflaggen mit Löchern – ein Symbol für den Sturz von Diktator Nicolae Ceausescu vor mehr als 25 Jahren. Ein Teilnehmer, Viorel Anastasoaie, sprach von einer «Geste der Solidarität» mit den Opfern der Brandkatastrophe – zugleich sei die Demonstration aber auch ein Protest gegen das «System, das eine Tragödie dieser Art» ermöglicht habe.

Blogger rannte nochmals ins Inferno

Zeitgleich nahmen Hunderte Menschen an dem Begräbnis eines getöteten Retters teil. Der 36 Jahre alte Fotograf und Blogger Claudiu Petre hatte am Freitag bei dem Feuer in dem Kellerclub Colectiv die Freundin eines weiteren Fotografen gerettet. Dann rannte er einmal mehr in das Inferno zurück. Das war das letzte Mal, dass Petre lebend gesehen wurde.

Kollegen und Freunde erzählten auf der Andacht von ihren letzten Momenten mit dem Mann, Präsident Klaus Johannis zeichnete ihn posthum für seinen «Mut, Selbstlosigkeit und Einsatz» aus. Auch der Patriarch der Rumänisch-Orthodoxen Kirche, Daniel Ciobotea, kam überraschend zu dem Gedenkgottesdienst, betrat die Kirche jedoch durch den Hintereingang, weil viele Trauernde Kritik am Umgang seiner Kirche mit der Katastrophe geübt hatten.

«Jemand muss Verantwortung übernehmen»

Zeugen hatten berichtet, Funken der Feuerwerksshow der auftretenden Band hätten Styropor entflammt und den Brand sowie eine Massenpanik ausgelöst. Der Club hatte nur einen Notausgang. Die drei Eigentümer der Diskothek werden der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung verdächtigt und sind von der Staatsanwaltschaft befragt worden. Es liegen noch rund 130 Menschen in Krankenhäusern, rund 90 von ihnen mit schweren oder sogar lebensgefährlichen Verletzungen.

Der Ärger über die Regierung braut sich schon seit längerem zusammen. Viele halten diese für korrupt. Die Brandkatastrophe vom Freitag steigerte die Unzufriedenheit. Einige Teilnehmer gerieten kurz mit der Polizei aneinander.

Präsident Johannis schrieb am späten Dienstagabend auf Facebook, die Demonstranten hätten recht, dass «jemand die politische Verantwortung übernehmen muss». Der nächste Schritt liege bei den Politikern, schrieb er. (chk/dapd/afp)

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