Fragen und Antworten: 20'000 Mieter müssen keine Kaution mehr zahlen
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Fragen und Antworten20'000 Mieter müssen keine Kaution mehr zahlen

Wer umzieht, muss damit rechnen, dass der neue Vermieter mehrere Tausend Franken als Kaution verlangt. Bei Wohnungen der Axa ist das anders.

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rkn
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Die Mietzins-Kaution kann beim Zügeln ein grosser Kostenfaktor sein. Axa Winterthur bietet eine Alternative.

Die Mietzins-Kaution kann beim Zügeln ein grosser Kostenfaktor sein. Axa Winterthur bietet eine Alternative.

Keystone/Christian Beutler
Wenn Schäden an der Mietwohnung entstehen oder die Miete nicht gezahlt wird, übernimmt die Axa vorerst die anfallenden Kosten. Dann fordert sie das Geld beim Mieter  zurück.

Wenn Schäden an der Mietwohnung entstehen oder die Miete nicht gezahlt wird, übernimmt die Axa vorerst die anfallenden Kosten. Dann fordert sie das Geld beim Mieter zurück.

Keystone/Ralf Hirschberger
Das grundsätzliche Konzept stellte Axa bereits Anfang Sommer vor. Wincasa hat es bereits umgesetzt. Bis Ende Jahr sollen das auch Livit und Mibag tun. Die neue Regelung gelte für rund 20'000 Wohnungen.

Das grundsätzliche Konzept stellte Axa bereits Anfang Sommer vor. Wincasa hat es bereits umgesetzt. Bis Ende Jahr sollen das auch Livit und Mibag tun. Die neue Regelung gelte für rund 20'000 Wohnungen.

Keystone/Steffen Schmidt

Die Axa will die Mietkaution abschaffen und damit Mieter anlocken. Neu-Mieter können sich kostenlos dem sogenannten Kollektivvertrag anschliessen und müssen keine Kaution mehr hinterlegen. Auch bestehende Mieter haben die Möglichkeit, sich gegen eine Bearbeitungsgebühr dem Kollektivvertrag anzuschliessen.

Das grundsätzliche Konzept stellte Axa bereits Anfang Sommer vor. Mittlerweile hat die Verwaltungsfirma Wincasa das neue Modell umgesetzt, wie die «Sonntagszeitung» berichtet. Bis Ende Jahr sollen das auch Livit und Mibag tun. Die neue Regelung gelte für rund 20'000 Wohnungen.

Wie funktioniert das Mietzins-Inkasso unter dem Kollektivvertrag?

Wenn Schäden an der Mietwohnung entstehen oder die Miete nicht gezahlt wird, übernimmt die Axa vorerst die anfallenden Kosten. Die Versicherungsgesellschaft betont jedoch, dass es sich beim Kollektivvertrag nicht um eine Schadensversicherung handelt. Für Schäden und die Bezahlung der Miete haftet weiterhin der Mieter selbst. Wenn die Axa Kosten deckt, fordert sie das Geld bei diesem zurück.

Ist das eine Reaktion auf die Leerbestände in der Schweiz?

Der Zusammenhang zwischen leerstehenden Wohnungen und der Mietkaution ist dürftig, wie Patrick Schnorf vom Immobilienbewerter Wüest Partner zu 20 Minuten sagt. Die Leerbestände seien die Konsequenz eines Angebotsproblems – Die Wohnungen wurden am falschen Ort gebaut. «Wer in Zürich arbeitet, wird kaum nach Olten ziehen, nur weil er dort keine Mietkaution hinterlegen muss», so Schnorf.

Steigen dafür die Mieten?

«Dass man keine Kaution stellen muss, dürfte keine grossen Auswirkungen auf die Mietpreise haben», sagt Immobilien-Experte Schnorf. Da der Mieter für Schäden oder unbezahlte Miete weiterhin haftet, muss das nicht mit höheren Mietpreisen kompensiert werden. Es werden lediglich Einstiegshürden entfernt, was laut Schnorf aus Mietersicht generell positiv zu bewerten sei.

Werden auch andere Hauseigentümer die Kaution abschaffen?

Bisher sieht es nicht danach aus. Nur die Axa hat solche Massnahmen getroffen. Bei Konkurrenten wie etwa der Migros-Pensionskasse (MPK) ist laut der «Sonntagszeitung» derzeit kein vergleichbarer Kollektivvertrag geplant. Grund dafür sei, dass das Mietzins-Inkasso immer schwieriger werde. Die Abschaffung der Kaution bezeichnet ein Sprecher der MPK gegenüber der «Sontagszeitung» jedoch als Wettbewerbsvorteil. Michael Töngi, Generalsekretär des Schweizerischen Mieterverbands hofft jedoch, dass andere Hauseigentümer nachziehen. Die Kautionspreise seien in der letzten Zeit immer mehr gestiegen – wird die Kaution abgeschafft, wäre das eine umso grössere Erleichterung, wie Töngi zu 20 Minuten sagt.

Zieht der Kollektivvertrag Mietnomaden an?

Für Mietnomaden, also Mieter, die etwa bewusst in eine zu teure Wohnung einziehen und dann nicht bezahlen, sei der Kollektivvertrag eine Erleichterung, so Schnorf. Allerdings glaubt er nicht, dass es wegen solchen Angeboten jetzt merklich mehr Mietbetrüger geben wird.

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