Hass auf Muslime - 20-Jähriger löscht drei Generationen einer «kanadischen Modellfamilie» aus
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Hass auf Muslime20-Jähriger löscht drei Generationen einer «kanadischen Modellfamilie» aus

Nathaniel Veltman (20) hat in London, Kanada, geplant und vorsätzlich vier Mitglieder einer muslimischen Familie getötet. Nur der kleine Sohn überlebte den Angriff. Hassverbrechen haben in Covid-Zeiten zugenommen.

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Schock und Trauer in London, Ontario. Die muslimische Gemeinschaft ist schon lange in der Stadt verankert und macht etwa zehn Prozent der 405’000 Bewohner aus. 

Schock und Trauer in London, Ontario. Die muslimische Gemeinschaft ist schon lange in der Stadt verankert und macht etwa zehn Prozent der 405’000 Bewohner aus.

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Drei Generationen einer Familie wurden durch den 20-Jährigen auf einen Schlag ausgelöscht: Grossmutter, Vater, Mutter, Schwester, nur der neunjährige Sohn überlebte:

Drei Generationen einer Familie wurden durch den 20-Jährigen auf einen Schlag ausgelöscht: Grossmutter, Vater, Mutter, Schwester, nur der neunjährige Sohn überlebte:

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Die Familie wartete bei einer Kreuzung auf grünes Licht, als der schwarze Pick-up sie auf dem Trottoir erfasste. 

Die Familie wartete bei einer Kreuzung auf grünes Licht, als der schwarze Pick-up sie auf dem Trottoir erfasste.

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Darum gehts

  • In London im kanadischen Ontario ist der Schock nach einem Vierfachmord gross.

  • Ein 20-Jähriger löschte mit seinem Wagen fast eine gesamte muslimische Familie aus.

  • Er habe aus Hass gegen Muslime gehandelt, so die Polizei.

«Wir haben Beweise dafür, dass das ein geplanter, vorsätzlicher Akt war», sagt Paul Waight von der Polizei in London, Kanada. «Das Motiv war Hass. Die Opfer gerieten wegen ihres muslimischen Glaubens ins Visier des Täters.» Londons Bürgermeister sprach von einem «Akt des Massenmordes», der sich «gegen Muslime, gegen Londoner, richtete und der in einem tiefen, unaussprechlichen Hass wurzelt. Das Ausmass dieses Hasses lässt einen fragen, wer wir als Stadt und als Londoner sind.»

Am Sonntagabend war in London in der kanadischen Provinz Ontario ein Auto in eine fünfköpfige Gruppe gerast – und hatte drei Generationen einer Familie ausgelöscht: Die Grossmutter (74), den Familienvater und dessen Frau (46 und 44) sowie deren Tochter (15) starben an Ort und Stelle. Der neunjährige Sohn überlebte den Angriff schwer verletzt. Ein Onkel fliegt nun aus dem Ausland ein, um sich um den Jungen zu kümmern.

Der Fahrer, Nathaniel Veltman (20), wurde nach einer kurzen Verfolgungsjagd von der Polizei auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums verhaftet. «Er trug so etwas wie eine Schutzweste», so Waight. «Derzeit wissen wir noch nicht, ob er Mitglied einer Hass-Gruppierung ist.»

«Eine kanadische Modellfamilie»

Der mutmassliche Täter wurde wegen vierfachen Mordes und einfachen versuchten Mordes angeklagt. Die Ermittler prüfen auch, ob sie Anklage wegen Terrorismus erheben soll. Es gebe keine bekannte Verbindung zwischen Veltman und der Opferfamilie, hiess es.

Die Familie, die vor über zehn Jahren von Pakistan nach Kanada gekommen war, war auf ihrem abendlichen Spaziergang, auf den Vater Salman grossen Wert legte, wie kanadische Medien berichten. Sie wartete bei einer Kreuzung auf grünes Licht, als der schwarze Pick-up sie auf dem Trottoir erfasste.

«Sie waren eine kanadische Modell-Familie mit muslimischen Wurzeln», hiess es aus der Nachbarschaft. «Die Mutter war dabei, ihren Uniabschluss zu machen. Der Vater arbeitete sehr hart. Und die Kinder waren gute Schüler.»

Zunahme von Hassverbrechen - auch wegen Covid

Behörden weltweit warnen vor einer Zunahme von Hassverbrechen – wobei kanadische Sicherheitsbehörden im April einen Bericht herausgegeben hatten, wonach «die Covid-Pandemie Fremdenhass und Regierungsressentiments verstärkt hat.»

Gerade rassistischer Extremismus sei eine wachsende Bedrohung: «Seit 2014 haben Kanadier, ganz oder teilweise motiviert durch extremistische, rassistische Ansichten, 21 Menschen getötet und 40 weitere auf kanadischem Boden verwundet – mehr als durch religiös oder politisch geprägten Extremismus», heisst es in dem Bericht weiter.

Premierminister Justin Trudeau kondolierte den Angehörigen der Opfer und drückte den Muslimen in Kanada seinen Beistand aus. «Islamophobie hat in keiner unserer Gemeinschaften einen Platz. Dieser Hass ist heimtückisch und verachtenswert – und muss aufhören.»

Der Angeklagte Veltman soll am Donnerstag zu einer Anhörung vor Gericht erscheinen.

(gux)

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