Prozess am Dienstag: 20 Jahre für Kaufleuten-Killer gefordert
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Prozess am Dienstag20 Jahre für Kaufleuten-Killer gefordert

Shivan M. (22) tötete vor dem Club Kaufleuten einen jungen Mann mit elf Messerstichen, dessen Bruder verletzte er schwer. Am Dienstag findet der Prozess statt.

von
num

Die Clique um Vigan M.* (23) feierte im Juli 2012 dessen Geburtstag im Kaufleuten. Es sollte seine letzte Party werden: Die Nacht endete in einem sinnlosen Blutbad. Vigan M. starb auf dem Trottoir, sein Bruder überlebte knapp. Der Täter: Shivan M.*, der die beiden Brüder laut Anklage aus «Geltungssucht und Eitelkeit» niederstach.

Am Dienstag steht der Iraker vor dem Bezirksgericht in Zürich. Der Staatsanwalt fordert für ihn 20 Jahre Haft - wegen Mordes, versuchter vorsätzlicher Tötung, Fahren in fahrunfähigem Zustand und Widerhandlung gegen das Waffengesetz.

Wie konnte es zu diesem Gewaltexzess kommen? Shivan M., der wie sein späteres Opfer im Kaufleuten feierte, trank laut der Anklageschrift reichlich Alkohol an diesem Abend. Seine Stimmung kippte, als er seine Freundin nicht mehr finden konnte. Eifersucht packte ihn, wütend und aggressiv pöbelte er wahllos Leute an.

Shivan drohte, Vigan aufzuschlitzen

Vor der Türe herrschte er eine Kollegin an und befahl ihr, seine Freundin, diese «Schlampe», zu suchen. Schon zu diesem Zeitpunkt sprach er davon, seine Freundin «aufzuschlitzen», wenn diese nicht rasch herkomme. Schlichtungsversuche von anderen Partygästen begegnete er mit Aggressivität.

Schliesslich griff das Brüderpaar Visar und Vigan M. ein. Es kam zu einer Schlägerei, in deren Folge Shivan M. mit einem blauen Auge zu Boden ging. Der rasende Shivan drohte nach Auflösung der Schlägerei, dass er Vigan M. nun aufschlitzen und töten werde. Die Brüder blieben vor dem Kaufleuten und sprachen über das Geschehene. Shivan M. fuhr derweil mit einem Kollegen im Auto zum Bahnhof Tiefenbrunnen.

Noch unterwegs rief Shivan M. per Handy einen Kollegen an, der ihm ein Butterfly-Messer brachte. Zu dritt fuhren sie dann zurück zum Kaufleuten. Im Auto schwört der Täter auf den Koran, dass er Vigan nun töten werde. Er macht seine Ankündigung wahr: Als er vor dem Kaufleuten die Brüder entdeckt, sticht er unvermittelt wieder und wieder auf den Oberkörper von Vigan ein.

Er prahlte mit seiner Tat

Die wuchtigen Stiche verletzten die Brustschlagader und die Leber von Vigan - er starb noch auf dem Trottoir. Visar, vom Angriff überrascht, stiess Shivan weg. Dieser stach noch dreimal auf ihn ein, der eine Stich in den Bauch führte zu einer lebensgefährlichen Verletzung. Shivan M. flüchtete mit Hilfe seiner beiden Kollegen, die sich deshalb ebenfalls vor Gericht verantworten müssen.

Im Auto prahlte er mit seiner Tat, sagte, dass er «dem jetzt ins Herz gestochen» habe. Er verlangte von seinen Kollegen Geld für die Flucht und setzte sich in seinem Auto zu Verwandten nach Norwegen ab. Dort verhaftete ihn die Polizei zwei Wochen später und lieferte ihn in der Folge aus. Seither sitzt er im Gefängnis in Meilen.

Mit Shivan M. stehen zwei seiner Kollegen vor Gericht: Jener, der ihm das Butterfly-Messer gegeben hatte, wird der Gehilfenschaft zu Mord beschuldigt, der andere, der Chauffeurdienste geleistet hatte, muss sich wegen Begünstigung verantworten. Die beiden weisen jegliche Schuld von sich.

* Namen der Redaktion bekannt.

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