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Urteilsverkündung20 Jahre für Mord an Zeugin in IV-Betrugsfall

Das Berner Obergericht hat am Donnerstag den heute 57-jährigen D. in zweiter Instanz wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren verurteilt. Er soll 2013 eine Zeugin in einem IV-Betrugsfall ermordet haben.

von
stm
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Die tote Frau war am Morgen des 1. Oktober 2013 in einem Mehrfamilienhaus in Thunstetten aufgefunden worden.

Die tote Frau war am Morgen des 1. Oktober 2013 in einem Mehrfamilienhaus in Thunstetten aufgefunden worden.

Markus Heinzer, newspictures
Schnell wurde klar: Die 38-Jährige wurde Opfer eines Tötungsdelikts.

Schnell wurde klar: Die 38-Jährige wurde Opfer eines Tötungsdelikts.

Markus Heinzer, newspictures
Die Schweizerin wurde am Johanniterweg erstochen aufgefunden.

Die Schweizerin wurde am Johanniterweg erstochen aufgefunden.

Markus Heinzer, newspictures

Das Obergericht bestätigte damit das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom April 2016 vollumfänglich. Der Verteidiger hatte die Schuldfähigkeit von D.* grundsätzlich infrage gestellt und deshalb für einen Freispruch plädiert. Sein Antrag auf ein psychiatrisches Obergutachten war jedoch bereits zu Prozessbeginn abgelehnt worden.

Vor Obergericht wurde hingegen nochmals die Verfasserin des forensisch-psychiatrischen Erstgutachtens befragt. Sie bekräftigte, dass der Mann an keiner psychischen Erkrankung leide, weshalb ihn nun auch die zweite Instanz als zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig erklärte.

Richter zeigt Beweisstücke

Der Verurteilte nahm das Verdikt ohne sichtliche Regung entgegen. Er hatte sich schon während des ganzen Prozesses verwirrt und apathisch gezeigt. Vor Obergericht musste er aber nicht – wie im Jahr zuvor – im Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben werden. Der Mann hat stets bestritten, für die Bluttat verantwortlich zu sein.

Die Indizien wogen aber schwer. Der vorsitzende Oberrichter Hanspeter Kiener sprach am Donnerstag von einer «wahrhaft erdrückenden Beweislage». Die beiden wichtigsten Beweisstücke zeigte Kiener am Donnerstag nochmals vor: das am Tatort gefundene Messer, an denen die DNA des Mannes gefunden wurde, und seine Schuhe, an denen Blutspuren des Opfers nachgewiesen wurden.

An Wohnungstür angegriffen

Kiener lobte die Ermittlungsarbeit der Staatsanwaltschaft. Selten werde ein Gericht mit so vielen objektiven Beweisen konfrontiert. Der Serbe war verhaftet worden, nachdem ein Spürhund die Ermittler vom Tatort bis zur Wohnung des mutmasslichen Mörders geführt hatte. Dort stellten sie auch die Schuhe sicher.

Das Opfer hätte in einem Betrugsverfahren wegen missbräuchlich bezogener IV-Gelder gegen den Mann aussagen sollen. Dazu kam es aber nicht. Am 1. Oktober 2013 wurde die 38-jährige Frau an ihrer Wohnungstür in Thunstetten angegriffen und laut Kiener «regelrecht abgeschlachtet».

Wer siebenmal mit einem Messer voll auf eine Person einsteche, «weiss, was passieren kann». Wie bereits die Vorinstanz sah auch das Obergericht als Motiv Wut und Rache.

Opfer hatte ihn ertappt

Die Praxisassistentin hatte im Jahre 2010 zufällig beobachtet, wie der angeblich invalide Patient problemlos allein einkaufen ging. Diese Beobachtung, die die Frau ihrem Chef in der Hausarztpraxis meldete, führten zu einer Überprüfung durch die Behörden.

Observationen von IV-Detektiven bestätigten den Schwindel, worauf die Rente widerrufen und ein Strafverfahren eingeleitet wurde. Dem Mann war nach einem Arbeitsunfall seit 2003 eine volle Rente und später zusätzlich eine Hilflosenentschädigung zugesprochen worden.

Das Obergericht bestätigte auch die Verurteilung wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Der Mann sitzt seit seiner Verhaftung 2013 in Sicherheitshaft und wurde Anfang 2017 in die Strafanstalt Thorberg verlegt.

*Name der Redaktion bekannt (stm/sda)

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