Aktualisiert 05.07.2012 20:39

Prozess-Auftakt20 Jahre Haft für Frauenprügler gefordert

Ein aus Tibet stammender Mann hat in Zürich drei Frauen brutal verprügelt - ein Opfer zu Tode. Jetzt steht der Gewalttäter vor Gericht und muss mit einer hohen Strafe oder sogar einer Verwahrung rechnen.

von
Attila Szenogrady

Der heute 53-jährige Mann wirkte auch am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zürich anständig und harmlos. Doch der Eindruck täuschte. Der aus dem Tibet stammende Beschuldigte hat in den letzten acht Jahren gleich drei Frauen aus nichtigsten Gründen ausserordentlich brutal verprügelt.

Eine Geschädigte verlor dabei das Leben. Der erste eingeklagte Vorfall ging auf den Oktober 2004 zurück. Damals schlug der massiv betrunkene Täter aus Eifersucht auf seine 35-jährige Freundin ein. So lange bis die Frau an inneren Blutungen verstarb.

Zweifacher Rückfall

Nach einer Haft von dreieinhalb Monaten kam der Gewalttäter bereits wieder frei. Er hatte die Behörden mit einer gewinnenden und freundlichen Art für sich eigenommen. Doch bereits im März 2006 kam es zum ersten Rückfall. Laut Anklage attackierte er in einer Zürcher Wohnung eine heute 41-jährige Kollegin.

Er sperrte sie in seine Wohnung ein und drückte ihr ein Kopfkissen auf das Gesicht, bis sie sich nicht mehr bewegte. Allerdings hatte die Geschädigte Glück im Unglück und konnte zum Schluss entkommen. Der Vorfall blieb bis zum Frühling 2010 unentdeckt.

Im Gegensatz zu einem dritten Verbrechen, dass sich Ende Juni 2007 ereignete. Damals ging der Beschuldigte auf eine weitere Partnerin los und verprügelte sie so stark, dass sie auf einem Auge erblindete.

Vom Geschworenengericht verwahrt

Ende 2007 musste sich der Beschuldigt zuerst vor dem Zürcher Geschworenengericht verantworten und wurde wegen vorsätzlicher Tötung und weiteren Delikten nicht nur zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilt, sondern auch für unbestimmte Zeit verwahrt. Der Beschuldigte hatte während des gesamten Prozess Filmrisse geltend gemachte und jegliche Verantwortung auf seinen Alkoholkonsum abgeschoben.

Das Kassationsgericht hob den Entscheid wieder auf. Unter anderem mit der Begründung, dass der Beschuldigte aufgrund von früheren Prügelattacken nicht habe mit tödlichen Folgen seiner Schläge rechnen müssen.

20 Jahre Freiheitsentzug gefordert

Aufgrund der Rückweisung muss sich seit Donnerstag das Bezirksgericht Zürich mit den massiven Vorwürfen befassen. Der seit dem Sommer 2007 inhaftierte Beschuldigte führte aus, dass er heute im Gefängnis unter gesundheitlichen Gebrechen leide. Unter anderem unter einem hohen Blutdruck.

Die Vorwürfe gab er weitgehend zu, machte aber weiterhin massive Erinnerungslücken geltend. Einzig beim zweiten Opfer vom März 2006 wies er die meisten Anklagepunkte zurück. So habe er sie weder eingesperrt noch mit einem Kopfkissen gequält. Er habe ihr bloss einen Abwehrschlag versetzt, gab er zu.

Die Staatsanwaltschaft kannte kein Pardon und verlangte wegen vorsätzlicher Tötung sowie zweifacher versuchter Tötung eine hohe Freiheitsstrafe von 20 Jahren.

Urteil Mitte Juli erwartet

Der Prozess soll in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Unter anderem stehen vor den Schranken noch mehrere psychiatrische Berichte auf dem Programm. Dabei steht zur Diskussion, ob der Rückfalltäter verwahrt werden soll oder nicht. Mit einem Urteil ist Mitte Juli zu rechnen.

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