Komplizin von Jeffrey Epstein: 20 Jahre Haft für Ghislaine Maxwell wegen sexuellen Verbrechens

Aktualisiert

Komplizin von Jeffrey Epstein20 Jahre Haft für Ghislaine Maxwell wegen sexuellen Verbrechens

Die Britin Ghislaine Maxwell ist wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch minderjähriger Mädchen zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Das zuständige Gericht in New York gab das Strafmass in dem Fall am Dienstag bekannt.

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Maxwell galt als enge Vertraute des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein.

Maxwell galt als enge Vertraute des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein.

IMAGO/ZUMA Wire
Nun muss sie für 20 Jahre ins Gefängnis.

Nun muss sie für 20 Jahre ins Gefängnis.

imago images/ZUMA Press
Maxwell war zeitweise auch die Partnerin von Jeffrey Epstein.

Maxwell war zeitweise auch die Partnerin von Jeffrey Epstein.

AFP

Darum gehts

  • Ghislaine Maxwell (60), ehemalige Freundin des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, ist zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

  • Sie war bereits zuvor wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch verurteilt worden.

  • Ihre Anwälte hatten eine Strafe von maximal fünf Jahren gefordert, die Anklage verlangte 30 bis 55 Jahre Gefängnis.

Ein Gericht in New York hat die Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell nach einem weltweit beachteten Prozess wegen Sexualverbrechen zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Die 60-Jährige müsse unter anderem wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zu Missbrauchszwecken für 20 Jahre ins Gefängnis, teilte Richterin Alison Nathan am Dienstag mit. Epsteins Verbrechen seien «entsetzlich» und «abscheulich».

Der Schmerz der Opfer tue ihr leid, sagte Maxwell, in ein graues Oberteil gekleidet, dem Gericht. Dass sie Jeffrey Epstein getroffen habe, bereue sie mehr als alles andere. Die Verteidigung der 60-Jährigen hatte zuletzt für eine deutlich mildere Haftstrafe von weniger als zehn Jahren plädiert, die Staatsanwaltschaft hatte 30 bis 55 Jahre Haft gefordert. Maxwell war bereits im Dezember von einer New Yorker Jury schuldig gesprochen worden. Sie galt als rechte Hand des bis in höchste US-Kreise vernetzten Geschäftsmanns Epstein und spielte eine zentrale Rolle beim Aufbau eines Rings zum sexuellen Missbrauch von Mädchen. Maxwell hatte angekündigt, in Berufung zu gehen.

Die Gerichtsverhandlung hatte weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt, weil sie für viele nach dem Tod Epsteins als Stellvertreterprozess gesehen wurde. Epstein hatte sich offiziellen Angaben zufolge im Sommer 2019 in seiner Gefängniszelle umgebracht. Das Interesse an dem Prozess war dementsprechend riesig. Auch am Dienstag, zur Verkündung des Strafmasses, hatten sich neben vielen Schaulustigen wieder Dutzende Journalisten aus der ganzen Welt stundenlang vor dem Gericht in Downtown Manhattan gedrängt, um in den Saal eingelassen zu werden.

In den vergangenen Tagen hatte es Unklarheit darüber gegeben, ob Maxwells Strafe tatsächlich verkündet würde, weil sie im Gefängnis wegen Selbstmordgefahr unter Beobachtung stand. Ihre Anwälte bestritten, dass die Angeklagte suizidal sei.

Maxwell baute «Kultur des Schweigens» auf

Jahrzehntelang soll der Missbrauch zahlreicher Minderjähriger auf Epsteins Anwesen in New York, Florida, Santa Fe und auf den Virgin Islands stattgefunden haben. Der Fall schlug in den USA auch deshalb hohe Wellen, weil der Unternehmer mit Prominenten wie den Ex-Präsidenten Bill Clinton und Donald Trump, dem Tech-Milliardär Bill Gates und dem britischen Prinzen Andrew bekannt war. Eine frühere Anklage gegen Epstein mündete zunächst in einem für den Unternehmer sehr vorteilhaften Deal, der ihm zum Symbol einer gesellschaftlichen Elite machte, die selbst mit Verbrechen durchkommt. Seine Beziehungen zu Prominenten und sein Tod führten zu zahlreichen Gerüchten und Verschwörungstheorien.

Maxwells Aufgabe beim systematischen Missbrauch durch Epstein war es der Anklage zufolge, das Vertrauen von Mädchen zu gewinnen und sie ihrem ehemaligen Partner – oft für sogenannte Massagen – zuzuführen. Einige Male sei Maxwell bei Übergriffen sogar anwesend gewesen. Auch habe sie eine «Kultur des Schweigens» aufgebaut, um die Taten geheim zu halten. Sie habe dies getan, um ihr eigenes Luxusleben bei Epstein aufrecht zu erhalten. Ihre Verurteilung basierte ähnlich wie bei Ex-Filmmogul Harvey Weinstein hauptsächlich auf Zeugenaussagen.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, Maxwell habe zwischen 1994 und 2004 eine entscheidende Rolle bei den Missbrauchstaten gespielt. Ihre Verbrechen seien ungeheuerlich. Sie habe bei ihren Opfern dauerhafte emotionale und psychologische Narben hinterlassen, schrieb die Anklage. Sie zeige keine Reue und schiebe die Schuld auf andere. Auch mehrere Epstein-Opfer hatten in dem Prozess beschrieben, wie sie missbraucht worden seien, und dass sie das Geschehene nie vergessen würden.

Auch Prinz Andrew zahlte für Vergleich viel Geld

Maxwell ist die Tochter des legendären britischen Verlegers Robert Maxwell (1923-1991). Sie war Anfang der 1990er-Jahre nach New York gekommen. Dort traf sie Epstein auf einer der zahlreichen Promi-Partys und war zeitweise mit ihm liiert. Epsteins Umfeld beschrieb ihre Rolle in seinem Leben als eine Mischung aus Angestellter und bester Freundin.

Eine Folge von Epsteins Verbrechen war heftiger Wirbel im britischen Königshaus: Prinz Andrew konnte einen Zivilprozess in den USA wegen Missbrauchsvorwürfen mit einem wohl millionenschweren Vergleich zwar stoppen – doch der Schaden auch für die Royals ist immens. Andrews militärische Rangabzeichen wurden ihm aberkannt. Auf die Anrede «Königliche Hoheit» muss er ebenfalls verzichten. Die Rückkehr in den engeren Kreis der Royals gilt als so gut wie unmöglich. 

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio und bei den UPK Basel.

(DPA)

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