Niederlande: 20 Jahre nach der Tat – Opfer sucht mit Deepfake-Video seinen eigenen Mörder

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Niederlande20 Jahre nach der Tat – Opfer sucht mit Deepfake-Video seinen eigenen Mörder

Die niederländische Polizei verwendet erstmals die Deepfake-Technologie, um einen Mordfall aus dem Jahre 2003 aufzuklären. Die Ermittler hoffen, mit dem Video Hinweise aus der Bevölkerung zu erhalten.

Im Video ruft der Deepfake von Sedar Soares die Bevölkerung dazu auf, sich mit allfälligen Hinweisen an die Polizei zu melden.

20Min/mk

Darum gehts

  • Die niederländische Polizei nutzt für ihre Ermittlungen erstmals ein Deepfake-Video.

  • Als Deepfakes werden Bilder und Videos von Personen bezeichnet, die mithilfe künstlicher Intelligenz produziert werden.

  • Mit der «Wiederauferstehung» des 2003 ermordeten Sedar Soares hofft die Polizei, Hinweise aus der Bevölkerung zu erhalten.

Fast 20 Jahre nach dem gewaltsamen Tod eines niederländischen Jungen sucht das Opfer nun dank moderner Technik scheinbar selbst seinen Mörder. Die Polizei setzte erstmals die sogenannte Deepfake-Technik ein, um ein Verbrechen aufzuklären. Dank dieser Technik erschien der 2003 in Rotterdam getötete Sedar Soares am Sonntagabend in einem Video-Aufruf der Polizei im TV.

Deepfake als Ermittlungswerkzeug

Nach Angaben der Polizei wurde diese Technik erstmals für einen Zeugenaufruf eingesetzt. «Es ist eine Weltpremiere», sagte der Polizeiexperte Daan Annegarn. Deepfakes nennt man Videos, Bilder oder auch Audio-Dateien, die mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) produziert wurden. Stimme, Gesicht und Bewegungen einer Person erscheinen echt, sind es aber nicht.

Die Polizei produzierte das Video auf der Grundlage eines Fotos des getöteten Jungen. Man sieht den 13-jährigen Sedar auf einem Fussballplatz im Trainingsanzug. Er geht durch ein Ehrenspalier von Familie, Freunden, Lehrern und Trainern. «Er wollte Profifussballer werden», sagt seine Schwester Janet in dem Film. «Der Traum ist weg. Denn Sedar lebt nicht mehr.» Um endlich die Wahrheit zu erfahren, sei er «speziell für diesen Film zum Leben erweckt worden». Und dann scheint der Junge gemeinsam mit seiner Schwester an die Zuschauerinnen und Zuschauer zu appellieren: «Weisst du mehr? Dann sprich jetzt.»

Opfer geriet in Schiesserei

Sedar war im Winter 2003 in Rotterdam erschossen worden. Jahrelang war die Polizei davon überzeugt, dass er von einem wütenden Autofahrer erschossen wurde, weil er mit seinen Freunden Schneebälle auf Autos geworfen hatte. Doch nun gehen Ermittler davon aus, dass er zufällig Opfer wurde, als ein Betrugsversuch von Kriminellen schieflief. Bei der anschliessenden Schiesserei traf eine Kugel Soares.

Das Video sei gemeinsam mit der Familie entwickelt worden, sagte der Polizeiexperte. «Wir sind davon überzeugt, dass es auch im kriminellen Umfeld Menschen berühren kann. Dass Zeuginnen und Zeugen und vielleicht der Täter sich melden werden.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

(DPA/bho)

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