G8-Gipfel: 20 Milliarden Dollar für arme Bauern
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G8-Gipfel20 Milliarden Dollar für arme Bauern

Im Kampf gegen den Hunger wollen die führenden Industriestaaten 20 Milliarden Dollar in die Landwirtschaft der ärmsten Ländern stecken und damit verstärkt Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Arme Bauern sollen es so schaffen, künftig grössere und bessere Ernten einzufahren. Diese Initiative beschlossen die Staats- und Regierungschefs am Freitag zum Abschluss des G-8-Gipfels im italienischen L'Aquila.

US-Präsident Barack Obama betonte, die reichen Länder hätten eine moralische Pflicht, Armut und Hunger weltweit zu bekämpfen. Die ursprünglich geplante Summe von 15 Milliarden Dollar erhöhten die Industriestaaten kurz vor Ende des Gipfels um 5 Milliarden Dollar, wie der Gastgeber, der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, erklärte.

Allerdings handelt es sich bei den 20 Milliarden Dollar nur zum Teil um neue Zusagen der Geberländer. Entwicklungshilfeorganisationen kritisierten zudem, die Summe reiche bei weitem nicht aus.

«Menschheit von Hunger und Armut befreien»

Der 20-Milliarden-Dollar-Plan bedeutet einen Kurswechsel der Industriestaaten: Statt direkt Lebensmittel zu liefern und damit lokalen Erzeugern zu schaden, soll künftig die Produktivität vor Ort erhöht werden. Direkte Lebensmittelhilfe soll weitgehend Notfällen vorbehalten sein. «Es ist ein totales, willkommenes und ermutigendes Umschalten», sagte der Generalsekretär des Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), Jacques Diouf der Nachrichtenagentur AP. «Man löst das Hungerproblem, indem man den Bauern, die in diesen armen Ländern geben, die nötigen Werkzeuge an die Hand gibt, damit sie Nahrungsmittel produzieren können.»

Vor allem der drastische Preisanstieg des vergangenen Jahres, der in einigen Ländern zu teils blutigen Aufständen führte, hatte das Thema Nahrungsmittelsicherheit auf die internationale Agenda gebracht. In der Abschlusserklärung des G-8-Gipfels heisst es nun: «Es gibt einen dringenden Bedarf für entschiedenes Handeln, um die Menschheit von Hunger und Armut zu befreien.» Ziel sei eine «wesentliche Stärkung» der Hilfe für Landwirtschaft und Nahrungsmittelsicherheit.

«Rechenspiele helfen Unterernährten nicht weiter»

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul lobte die Zusagen für die ländliche Entwicklung, sagte jedoch, die Zusagen müssten weiter gesteigert werden.

Die Hilfsorganisation Oxfam betonte jedoch, es sei unklar, wieviel von dem jetzt zugesagten Geld tatsächlich neues Geld sei, und was in bereits existierenden Budgets nur umgewidmet werde. «Blosse Rechenspiele der G8 helfen den unterernährten Menschen nicht weiter», kritisierte Oxfam-Agrarexpertin Marita Wiggerthale.

Die nun von den G-8 versprochenen Milliarden reichten bei weitem nicht aus: Angesichts des «dramatischen Ausmasses der Hungerkrise» seien mindestens 25 Milliarden US-Dollar pro Jahr zusätzlich nötig, sagte Wiggerthale, «denn die Zahl der weltweit hungernden Menschen ist allein im Jahr 2008 um 100 Millionen gestiegen».

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac rügte das Vorhaben, 20 Milliarden Dollar in die Entwicklung der Landwirtschaft zu stecken. «Was sich auf den ersten Blick gut anhört, die Förderung einer eigenständigen Landwirtschaft, entpuppt sich auf den zweiten Blick erneut als Förderung multinationaler Konzerne, denen Absatzmärkte für die Entwicklung der grünen Gentechnik gesichert werden», sagte Kerstin Sack, Mitglied im Attac-Koordinierungskreis. Statt einer eigenständigen, ökologischen Landwirtschaft im Interesse der Hungernden würden «neo-koloniale Abhängigkeiten» geschaffen und verstärkt. (dapd)

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