20 Minuten auf Serbisch – «20 Minuten schlägt eine Brücke zwischen Serbien und der Schweiz»

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20 Minuten auf Serbisch«20 Minuten schlägt eine Brücke zwischen Serbien und der Schweiz»

Der serbische Botschafter ist überzeugt, dass der Ukraine-Konflikt friedlich beigelegt werden kann und hofft, dass Djokovic die Nummer eins bleibt. Ein Gespräch über Impfskepsis, Vorurteile und Schnaps.

von
Daniel Graf
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Der serbische Botschafter Goran Bradić ist überzeugt, dass eine serbische Ausgabe der 20-Minuten-App die Beziehungen zwischen Serbinnen und Serben in der Schweiz und Verwandten im Heimatland stärken wird. 

Der serbische Botschafter Goran Bradić ist überzeugt, dass eine serbische Ausgabe der 20-Minuten-App die Beziehungen zwischen Serbinnen und Serben in der Schweiz und Verwandten im Heimatland stärken wird. 

20min/Matthias Spicher
Nach Englisch … 

Nach Englisch … 

20min/Taddeo Cerletti
… und Albanisch ist die App seit Donnerstag auch auf Serbisch und Kroatisch erhältlich. 

… und Albanisch ist die App seit Donnerstag auch auf Serbisch und Kroatisch erhältlich. 

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Die Inhalte der 20-Minuten-App sind ab heute auch in serbischer und kroatischer Sprache erhältlich.

  • Der serbische Botschafter in der Schweiz, Goran Bradić, begrüsst diesen Schritt und spricht von einer «Brücke zwischen den zwei Ländern». 

  • Im Interview spricht er über die Spannungen zwischen der Nato und Russland, Impfquoten, Novak Djokovic und eines der grössten Musikfestivals Europas.

In Serbien ist nur knapp die Hälfte der Menschen gegen Covid geimpft. Gibt es in Serbien eine grosse Impfskepsis?

Goran Bradic*: Serbien war der erste europäische Staat, der vier Impfstoffe zur Verfügung hatte. Zu Beginn war die Impfbereitschaft sehr hoch. Sobald sich die Lage entspannt hatte, hat sie aber schnell abgenommen. Wir sind nicht vollständig zufrieden, arbeiten aber weiter daran. Serbien ist es ausserdem gelungen, 400’000 ausländische Staatsbürgerinnen und -bürger zu impfen über 800’000 Impfdosen zu spenden.

Zuletzt gab es viel Rummel wegen Novak Djokovic. Jetzt muss er um die Nummer eins auf der Weltrangliste zittern. Was denken Sie darüber?

Alle Fans von Novak Djokovic wünschen sich, dass er möglichst lange Nummer eins der Welt bleibt. Für die kommenden Turniere hoffen wir, dass bestmögliche Lösungen gefunden werden können. Das wäre das Beste für ihn und die ganze Sportwelt.

Zwischen Russland und der Nato gibt es derzeit wegen der Ukraine grosse Spannungen. Wie erleben Sie das aus serbischer Sicht?

Serbien ist ein neutraler Staat und gehört keinem Militärbündnis an. Wir pflegen sowohl zu Russland als auch zur Ukraine sehr gute Beziehungen. Ich bin überzeugt, dass der Konflikt durch politische Verhandlungen und diplomatische Mittel beigelegt werden muss.

Fürchten Sie, dass die Welt auf einen Krieg zusteuert?

Wir glauben, dass Vernunft, Diplomatie und Bereitschaft zur Deeskalation da sind. Wenn alle Seiten daran arbeiten, wird es keinen Krieg geben. Serbien hat leider zahlreiche Kriege erlebt und gelernt, dass diese Verwüstung über Länder bringen. Die verlorenen Menschenleben können nie ersetzt werden. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass es immer besser ist, zehn Monate zu verhandeln, als auch nur zehn Minuten Krieg zu führen.

20 Minuten gibt es jetzt auch auf Serbisch. Was erhoffen Sie sich davon?

Ich bin überzeugt, dass dies die Beziehung zwischen den Menschen in Serbien und ihren Verwandten in der Schweiz weiter stärken wird. Unseren Schätzungen zufolge leben 150’000 Menschen mit serbischen Wurzeln hier. Die serbische Diaspora ist eine starke Brücke zwischen den beiden Ländern, die sehr gute bilaterale Beziehungen haben. Jetzt sind Serbinnen und Serben nicht mehr darauf angewiesen, dass die serbischen Medien News-Artikel übersetzen, wenn sie über das Leben in der Schweiz auf dem Laufenden bleiben wollen.

Viele Schweizer waren noch nie in Serbien. Wie unterscheidet sich Belgrad von Zürich?

Beide Städte sind wunderschön, aber sehr unterschiedlich. Belgrad hat sich rasant entwickelt und ist viel grösser. Serben würden die Architektur von Zürich als malerisch, märchenhaft beschreiben. Belgrad ist viel moderner und die Atmosphäre ist lebendiger.

Was müssen Schweizer in den Serbien-Ferien unbedingt gesehen haben?

Für mich als gebürtigen Belgrader hat die Stadt natürlich eine besondere Bedeutung. Wir haben aber auch Regionen mit wunderschönen Klöstern und Weingärten zu bieten. Im Sommer findet mit dem Exit in Novi Sad, der Kulturhauptstadt Europas 2022, jedes Jahr eines der grössten Musikfestivals Europas statt. Auch die alte schmalspurige Eisenbahnstrecke Mokra gora und die Teufelsstadt Kursumlija sind Sehenswürdigkeiten.

Für welche Exportprodukte ist Serbien bekannt?

Etwa für Himbeeren, Ajvar und verschiedene Schnapssorten. Mittlerweile übersteigen die Verkaufswerte im Bereich IT-Dienstleistungen und Software-Exporte die landwirtschaftlichen Güter aber. Auch Gold, Palladium, Kupfer, Aluminium, Möbel, Türen, Fenster und Leuchtmittel werden von Serbien in die Schweiz exportiert.

Welches ist Ihr Lieblingsschnaps?

Ich mag Aprikosen- und Zwetschgenschnaps.

Welches Vorurteil gegenüber Serbinnen und Serben nervt Sie?

Verallgemeinerungen gegenüber Bevölkerungen oder Nationen sollten prinzipiell vermieden werden. Als ich mich zu den Vorfällen rund um Novak Djokovic äusserte, waren die Kommentare sehr gehässig. Man merkt, dass Serbinnen und Serben auch heute noch für alle schlimmen Dinge, die auf dem Balkan passiert sind, verantwortlich gemacht werden.

Haben Serben auch Vorurteile über Schweizer?

Einige nehmen Schweizerinnen und Schweizer als kühl und distanziert wahr. Sonst sind die Verbindungen positiv: Die Schweiz steht für Perfektion, Pünktlichkeit und Präzision.

Goran Bradić ist seit 2019 serbischer Botschafter in der Schweiz. Zuvor war er sechs Jahre stellvertretender Missionschef in der österreichischen Botschaft. 

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