Ukraine: 20 Minuten testet das neue EM-Final-Stadion
Aktualisiert

Ukraine20 Minuten testet das neue EM-Final-Stadion

Am 1. Juli wird in Kiew der EM-Titel vergeben. Ein Augenschein im neuen Olympiastadion. Fazit: Abgesehen von zwei Schönheitsfehlern ein toller Fussballtempel.

von
Marcel Allemann
Ukraine

20 Minuten nahm an einer Führung für internationale Journalisten durch das komplett umgebaute ukrainische Nationalstadion teil und durfte sich sogar die Spielerkabine ansehen, von der aus Gastgeber Ukraine am 11. Juni sein Auftaktspiel gegen Schweden in Angriff nehmen wird. Und konnte quasi im «Büro» von Superstar Andrej Schew­tschenko Platz nehmen.

Fazit: In diesem grosszügigen Kabinenbau fehlt es den Spielern an nichts und die Wege auf das Spielfeld wurden extrem kurz gehalten. Beeindruckend ist auch der VIP-Bereich. Von feudalen Sitzen aus kann man aus optimalem Blickwinkel dem Treiben auf dem Rasen zusehen und es sich davor sowie danach in den einladenden VIP-Lounges auf bequemen weissen Lederstühlen bequem machen und sich verköstigen lassen.

Zwei Schönheitsfehler

Es ist ein gigantischer Umbau, den das deutsche Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner orchestriert hat. 70 050 Zuschauern bietet das NSK Olimpijskyj Platz. Da sehr kompakt und zudem steil in die Höhe gebaut wurde, wird auch die Stimmung vorzüglich sein.

Allerdings gibt es im Komplex, in dem drei Vorrundenspiele, ein Viertelfinal und das grosse Endspiel stattfinden, auch zwei Schönheitsfehler. Wie im Zürcher Letzigrund wird wegen einer Tartanbahn die unmittelbare Nähe der Spieler zu den Fans fehlen. Und das ins Stadion integrierte Sheraton-Hotel wird bis zur EM nicht mehr fertig. Eine peinliche Fehlkalkulation! Auch im Zugangsbereich wird dieser Tage noch immer fleissig gebaut, bis im Juni dürften die Fans den Weg an die Spiele jedoch problemlos finden.

Neue Luxushotels kommen

Verändert hat sich wegen der Euro auch das Stadtbild der ukrainischen Hauptstadt. Es ist moderner und luxuriöser geworden. Ein Beispiel: Vor vier Wochen feierte das Fairmont Grand Hotel Kyiv seine Eröffnung – ein atemberaubender Bau am Dnjepr, der mit seinem Luxusangebot (Zimmermindestpreise von über 300 Euro) in diesem Segment neue Massstäbe setzt.

Trendwende wegen EM?

Die Ukraine ist zusammen mit Polen Gastgeber der EM 2012. Ob es sinnvoll war, diesen Grossanlass in ein von Armut, Schurken-Politik und Korruption geprägtes Land zu vergeben, bleibt fraglich. Doch vielleicht bringt diese EM der Ukraine neue Impulse und sorgt für eine Öffnung.

In der ukrainischen Bevölkerung ist eine positive Euro-Grundstimmung auszumachen. So kam der Durchschnittsbürger beispielsweise in den Genuss von neuen Met­rozügen. Investiert hat auch die Hotellerie und Gastronomie. Und diese wünscht sich von der EM vor allem Nachhaltigkeit. «Bisher gab es in den Medien ausschliesslich negative Berichte. Nun hoffen wir durch die EM auf eine Trendwende, denn Kiew ist eine wunderschöne Stadt mit sehr viel Potenzial», sagt der Österreicher Christoph G. Ganster, General Manager des frisch eröffneten Fairmont Grand Hotels Kyiv. Entscheidend dafür, ob Kiew ein neues Prag, St. Petersburg oder Budapest werden kann, ist, welches Bild die ausländischen Fans, Gäste und Journalisten während und nach der EM in ihre Heimat tragen.

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