Mysteriöser Fall: 20 Monate bedingt für Audi-Brandstifter

Aktualisiert

Mysteriöser Fall20 Monate bedingt für Audi-Brandstifter

Ein junger Schweizer wurde beschuldigt, mehrere Audis in einer Garage angezündet zu haben. Nun wurde er verurteilt.

von
bro
So sahen die Audis nach dem Anschlag aus.

So sahen die Audis nach dem Anschlag aus.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, am 11. Oktober 2011 mit zwei Steinen das Schaufenster des ASAG-Showrooms bei der St.-Alban-Anlage zertrümmert zu haben sowie mit einer Brennpaste drei Audis in Brand gesetzt zu haben (20 Minuten berichtete). Die zivilrechtliche Forderung der ASAG beläuft sich auf über 618'000 Franken, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.

Gleich zwei Zeugen sagten jedoch am Montag vor Gericht aus, zum fraglichen Zeitpunkt mit dem Beschuldigten in Athen in den Ferien gewesen zu sein. Von diesem Urlaub existieren Fotos des Angeklagten - ein 27-jähriger Schweizer - sowie Boardingpässe. Sowohl der Angeklagte sowie die beiden geladenen Zeugen schilderten vor Gericht die gemeinsamen Ferien ohne grosse Widersprüche und wussten nur in kleinen Details die Fragen der Staatsanwältin nicht zu beantworten; so etwa, wie der Flughafen von Athen heisse.

Angehöriger der linksautonomen Szene

Das Gericht folgte in seinem Urteil der Staatsanwaltschaft und geht davon aus, dass alle drei der linksautonomen Szene angehören und die Zeugen den Angeklagten schützen wollen. Allerdings sind DNA-Spuren, die in hoher Konzentration an den Steinen gefunden wurden, laut Verteidigung nicht über jeden Zweifel erhaben: Der Beschuldigte leidet nachweislich an Schuppenflechte. Diese Hautkrankheit führt dazu, dass er ständig grosse Mengen an DNA-Material hinterlässt. Laut Verteidigung wäre es also denkbar, dass der gefundene genetische Fingerabdruck des Angeklagten auf dem Stein in keinem Verhältnis zur Tat steht.

Das Gericht teilte diese Einschätzung jedoch nicht, sondern ist der Überzeugung, dass der Täter für den Brand-Anschlag aus den Ferien zurück- und wieder hingereist ist. Auf dieser Basis wurde der Angeklagte zu einer 20-monatigen Freiheitsstrafe bedingt verurteilt. Die Probezeit beträgt fünf Jahre. Zusätzlich gibts finanzielle Konsequenzen: Der Verurteilte muss insgesamt über 200'000 Franken zu grossen Teilen an die Versicherung der ASAG leisten.

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