200 000 gegen Gaza-Abzug

Aktualisiert

200 000 gegen Gaza-Abzug

Mindestens 200 000 Gegner des geplanten Abzugs aus dem Gazastreifen haben am Donnerstagabend in Tel Aviv demonstriert.

Benzi Liberman, Vorsitzender des Siedlerrates Jescha, rief die Teilnehmer auf dem Yitzhak-Rabin-Platz zum Widerstand gegen die Räumung der jüdischen Siedlungen auf. «Wir werden da sein, ab Montag, am Grenzübergang Kissufim», sagte er mit Hinweis auf den Grenzübergang zwischen dem Gazastreifen und Israel. Liberman schätzte die Zahl der Demonstranten im Gegensatz zur Polizei auf 250 000.

Familien mit Kindern, Rabbiner und Künstler bekundeten auf Plakaten und mit orangefarbenen Ballons, T-Shirts und Bändern Solidarität mit den Siedlern.

Ratschläge

Auf einem grossen Bildschirm wurden Ratschläge für den Widerstand gegen den Abzug gegeben, der am kommenden Mittwoch beginnen soll. Wer sich an den Blockaden beteiligen wolle, solle sich mit gutem Schuhwerk, Getränken und Kleidung ausrüsten.

«Fahrt zu tausenden in die südisraelischen Städte, auf allen Strassen, legt euch auf den Boden», hiess es. «Wir werden am Boden kleben, bis Ariel Scharon Wahlen organisiert, deren Ergebnis wir respektieren werden.»

Aus Sicherheitskreisen verlautete, bisher seien rund 2500 junge Israelis in das Gebiet eingesickert und könnten dort den Kern des Widerstands gegen die Räumung bilden.

Die israelische Armee riegelte am Donnerstag den Gazastreifen ab: Nur noch Bewohner, Sicherheitskräfte und Lebensmittellieferanten sowie Umzugsunternehmen, mit denen Siedler das Autonomiegebiet verlassen, durften die Grenze passieren. So sollen Blockaden verhindert werden.

Am kommenden Mittwoch beginnt die Räumung der 21 jüdischen Siedlungen im Gazastreifen. Für September ist der Abzug aus vier Siedlungen im Westjordanland geplant.

Keine weiteren Zugeständnisse

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon machte derweil im israelischen Fernsehen klar, dass er nach dem Abzug aus dem Gazastreifen keine weiteren Zugeständnisse in zentralen Punkten des Nahost-Friedensprozesses machen will.

Die Siedlungen im Westjordanland sollten bleiben und weiter auf dem Landweg mit Israel verbunden sein, sagte Scharon im israelischen Fernsehen. Über den Status des geteilten Jerusalem werden er weiterhin nicht verhandeln.

Israel hatte die Stadt 1967 besetzt und zur Hauptstadt erklärt und später das mehrheitlich arabische Ost-Jerusalem annektiert. Die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem zur Hauptstadt eines eigenen Staates machen.

Auch eine Rückkehr der 1948 aus dem damaligen Palästina geflüchteten Palästinenser stehe nicht zur Debatte, sagte Scharon. Dies habe er auch US-Präsident George W. Bush und europäischen Spitzenpolitikern klar gemacht.

Scharfe Reaktion

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wies die Äusserungen Scharons scharf zurück: «Wir akzeptieren nicht, was Scharon gesagt hat», sagte Abbas in Gaza. «Niemand hat das Recht, bestimmte Themen aus den Verhandlungen zu streichen.»

Abbas pochte auf die bereits beschlossenen UNO-Resolutionen und auf den Nahost-Friedensplan (Roadmap). Die vom so genannten Nahost- Quartett aus USA, UNO, EU und Russland vorgelegte Roadmap sieht die Schaffung eines palästinensischen Staates auf dem Gebiet des Gazastreifens und des Westjordanlands vor. (sda)

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