Aktualisiert

Ernstfall geprobt200 Einsatzkräfte in Frenkendorfer Tunnel

Die Baselbieter Rettungskräfte proben den Ernstfall. Ein fingierter Unfall im A22-Tunnel in Frenkendorf fordert zwei Tote und dutzende Verletzte.

von
Matthias Kempf
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Im A22-Tunnel in Frenkendorf hat ein Lastwagen mit Holzstämmen einen Unfall verursacht. Das Ganze ist eine Übung für die Baselbieter Notfallorganisationen.

Im A22-Tunnel in Frenkendorf hat ein Lastwagen mit Holzstämmen einen Unfall verursacht. Das Ganze ist eine Übung für die Baselbieter Notfallorganisationen.

mak
Es zeigt sich ein schreckliches Bild. 30-40 Verletzte, 2 Tote und 15-20 Traumatisierte müssen die 200 Einsatzkräfte retten und versorgen.

Es zeigt sich ein schreckliches Bild. 30-40 Verletzte, 2 Tote und 15-20 Traumatisierte müssen die 200 Einsatzkräfte retten und versorgen.

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Der ganze Tunnel ist im Chaos. Insgesamt sind über 350 Personen in die Übung involviert.

Der ganze Tunnel ist im Chaos. Insgesamt sind über 350 Personen in die Übung involviert.

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Es ist ein heilloses Durcheinander im A22-Tunnel in Frenkendorf. Ein Lastwagen, mit Baumstämmen beladen, ist ins Schleudern geraten und verursacht eine Massenkarambolage. Involviert sind rund ein Dutzend Autos, ein Kleinbus, ein Roller sowie der Lastwagen. Durch den Tunnel hallen Hilfeschreie. Es muss auf den ersten Blick mit vielen Verletzten und auch Toten gerechnet werden.

Zum Glück ist dieses Szenario nur Fiktion. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hat sich für den Kanton Baselland die Übung «Crash 15» einfallen lassen, um die Arbeit aller Notfallorganisationen zu erproben. 150 Figuranten spielen am Donnerstagabend ein schreckliches Szenario und schlüpfen in die Rolle von Verletzten, Toten, Traumatisierten, Gaffern oder Journalisten. «Nachdem die Übung angelaufen ist, haben wir keine Kontrolle mehr, dann müssen die 200 Einsatzkräfte nach eigenem Ermessen entscheiden», sagt Jens Schindelholz, der stellvertretende Einsatzleiter.

Die beiden Polizisten, die als Erste am Unfallort eintrafen, seien mit der Situation völlig überfordert gewesen, sagt Schindelholz. Zwölf Minuten dauert es, bis die ersten Einsatzkräfte vor Ort sind. Danach geht alles schnell. Polizisten halten die Gaffer und Journalisten fern, Feuerwehrleute schneiden die eingeklemmten Menschen aus den Fahrzeugen und die Sanität kümmert sich um sie. Währenddessen baut der Zivilschutz weitere Erste-Hilfe-Stationen auf.

Notoperationen im Tunnel

«Alle vier bis fünf Jahre führen wir eine solche Übung durch», sagt Dominik Fricker vom Informationsdienst des Krisenstabs Baselland. 50'000 Franken haben die Requisiten gekostet. Für ein optimales Einsatzszenario sollte die Unfallstelle möglichst realistisch aussehen. Dazu mussten einige Fahrzeuge speziell präpariert werden. Zum Beispiel jenes, das unter den Lastwagen geraten war. Zu Beginn war nur eine Tunnel-Röhre gesperrt. Jene von Liestal in Richtung Pratteln. «Es stand dem Einsatzkommando völlig frei, auch die zweite Röhre zu schliessen», so Fricker.

Diese Option wurde vom Einsatzkommando laut Schindelholz richtigerweise genutzt. Während die Verletzten aus den völlig deformierten Fahrzeugen geschnitten werden, bauen die Rettungskräfte in der zweiten Röhre nebenan Versorgungsstationen auf. Innerhalb von zehn Minuten steht ein Behandlungscontainer, in dem zwei Plätze für Notfalloperationen vorhanden sind. «Ganz kritische Fälle müssen gleich auf der Unfallstelle notoperiert werden», sagt Fricker.

4-Jähriger verunfallt

Inmitten eines Autos ruft eine zarte Kinderstimme nach Hilfe. Mit vier Jahren ist der kleine Junge der jüngste Schauspieler auf dem Platz. Er ist im Auto eingesperrt und muss befreit werden. «Dieser Junge war schon bei der letzten grossen Einsatzübung vor vier Jahren dabei», sagt Fricker. Damals habe seine Mutter als schwangere Frau mitgewirkt.

Nach drei Stunden ziehen die Verantwortlichen ein erstes Fazit. «In der Kommunikation zwischen den einzelnen Einsatzkräften besteht noch Potenzial», sagt Schindelholz. Im Grossen und Ganzen könne man von einer gelungenen Übung sprechen. Die einzelnen Details der Übung werden in den nächsten Wochen ausgewertet und im Sommer publiziert.

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