Aktualisiert 25.05.2010 11:04

Argentinien

200 Jahre und ein Opernhaus

Argentinien feiert am Dienstag seine Unabhängigkeit von Spanien. Höhepunkt des Staatsgeburtstags ist die Wiedereröffnung des weltberühmten Opernhauses Teatro Colón in Buenos Aires.

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Argentinien gedenkt am 25. Mai der Revolution von 1816, die dem südamerikanischen Land die Unabhängigkeit von Spanien gebracht hatte. Die offiziellen Feiern begannen bereits am Samstag mit Militärparaden. Trotz schlechten Wetters säumten täglich tausende Menschen die mit Fahnen geschmückte Avenida 9 de Julio in Buenos Aires – die grösste Strasse der argentinischen Hauptstadt.

Vorhang auf für restauriertes Teatro Colón in Buenos Aires

Pünktlich zum 200. Jahrestag des Beginns der Unabhängigkeit Argentiniens wurde das Opernhaus Teatro Colón, das Flaggschiff der reichen Kulturszene der Millionenmetropole Buenos Aires wieder auf Hochglanz gebracht.

Dabei haben die Verantwortlichen es an nichts fehlen lassen – weder an Geld noch an Querelen noch an Verzögerungen: Umgerechnet etwa 114 Millionen Franken, mehrere Architekten und eine vier Mal so lange Bauzeit wie vorgesehen.

Symbol der Stabilität

Das 1908 fertig gestellte Haus zeugt von dem Reichtum des Landes zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der sich auf Rindfleisch- und Getreideexporte sowie das Können seiner aus Italien und vielen anderen europäischen Nationen eingewanderten Bürger gründete.

Der etwa 1950 einsetzende, mal schleichende, mal rasende Niedergang des Landes stürzte nicht nur Millionen Menschen in die Armut, er setzte auch dem Opernhaus arg zu. Der neue kulturelle Glanz ist deshalb zugleich Ausdruck der Hoffnungen des Bürgertums, dass sich nach Jahrzehnten der Achterbahnfahrt wieder Stabilität einstellt.

Absage der Präsidentin

Doch durch die lange Schliessung hat der Ruf des Hauses gelitten. «Die Mystik ist verloren gegangen», bedauerte Generaldirektor Pedro Pablo García Caffi im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Nicht nur die Bausubstanz und das prachtvolle Interieur mussten aufpoliert werden, auch die Organisation benötigte eine Reform. Jahrelang sei das Colón von «den Gewerkschaften und von der Politik als Abladeplatz für Mitarbeiter» missbraucht worden.

Auch politisches Hickhack überschattete die Wiedereröffnung: Die peronistische Präsidentin Cristina Kirchner sagte ihre Teilnahme kurzfristig ab, weil sie dem konservativen oppositionellen Bürgermeister Mauricio Macri nicht über den Weg laufen wollte.

Who is Who – einst und heute

Das Teatro Colón wurde von den Architekten Francisco Tamburini, Víctor Meano und Jules Dormal entworfen und zwischen 1889 und 1908 erbaut. Es hat eine überbaute Fläche von 37 884 Quadratmetern auf sieben Stockwerken und verfügt über 2500 Sitz- und 1000 Stehplätze.

Die Liste der Künstler, die in dem auch städtebaulich imposanten Bau aufgetreten sind, liest sich wie das Who is Who der Ballet- und Musikwelt der vergangenen 100 Jahre: Igor Strawinsky, Richard Strauss, Arthur Honegger, Enrico Caruso, Arturo Toscanini, Arthur Rubinstein, Mstislav Rostropovich und Rudolf Nurejew.

Auch das aktuelle Programm ist mit berühmten Namen gespickt: der Cellist Yo-Yo Ma, Daniel Barenboim, der aus Argentinien stammende Generalmusikdirektor der Staatsoper unter den Linden in Berlin, der ungarische Pianist Andras Schiff sind nur einige der internationalen Künstler, die im Teatro Colón erwartet werden.

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