200 Meter pro Jahr: Schweizer Gletscher verschwinden
Aktualisiert

200 Meter pro Jahr: Schweizer Gletscher verschwinden

Im vergangenen Jahr schrumpften 84 der 91 beobachteten Alpengletscher. Der Triftgletscher ging gleich um 216 Meter zurück.

An zweiter Stelle folgte der Grosse Aletschgletscher im Wallis mit 66 Metern Schwund, wie die Glaziologische Kommission der Akademie der Naturwissenschaften am Mittwoch in einem Communiqué schreibt. Der weitverbreitete Gletscherrückzug setzt den Trend der vergangenen Jahre fort.

Der Maximalwert beim Triftgletscher ist durch den See entstanden, welcher die Gletscherzunge umgibt. Dieser See verstärkt das Abschmelzen massgeblich, wie die Kommission schreibt. Veränderungen an der Gletscherzunge erfolgen im Allgemeinen mit zeitlicher Verzögerung auf die verursachenden Einflüsse.

Massenmessung zeigt Wettereinfluss schnell

Zusätzlich zu den Längenmessungen bestimmten die Fachleute im Herbst 2005 auch den Massenhaushalt zwischen Schneezuwachs und Eisabtrag der drei Gletscher Basòdino TI, Gries VS und Silvretta GR.

Dabei zeigte sich, dass alle drei erheblich an Masse verloren hatten. Das Resultat ist vor allem auf die geringen Niederschläge des Winters 2004/05 zurückzuführen. Der Massenhaushalt wiederspiegelt im Gegensatz zur Zungenlänge die klimatischen Verhältnisse des jeweils vergangenen Jahrs unverzögert.

Am stärksten verlor der Griesgletscher im Nufenengebiet an Masse. Er verlor 1,7 Meter an mittlerer Eisdicke. Dieser Gletscher weist eine mittlere Dicke von 80 Metern auf. Die geringste Einbusse verzeichnete mit knapp 70 Zentimetern der Silvrettagletscher im Prättigau. Diese regionalen Unterschiede wurden in den vergangenen Jahren wiederholt beobachtet.

Der Massenhaushalt wird nur an diesen drei Gletschern gemessen, weil die Berechnungen aufwändig sind, wie Andreas Bauder von der Kommission erklärte. Die Schweiz verfügt über rund 1800 grössere und kleinere Gletscher. Die 91 beobachteten Gletscher repräsentieren alle Grossen und die meisten Mittleren von ihnen.

Die jährlichen Messungen führt die Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der ETH Zürich mit kantonalen Stellen, Bundesämtern und Privaten durch. Unterstützung erhält sie dabei von der Glaziologischen Kommission.

(sda)

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