Appenzell Ausserrhoden: «Ich finde es falsch, aber verständlich»
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Appenzell Ausserrhoden«Ich finde es falsch, aber verständlich»

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden mussten am Samstag gleich mehrere Menschenansammlungen durch die Polizei aufgelöst werden. Bussen wurden keine verteilt.

von
Leo Butie
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In Schönengrund AR bei der Mehrzweckhalle versammelten sich am Samstag rund 100 Personen. 

In Schönengrund AR bei der Mehrzweckhalle versammelten sich am Samstag rund 100 Personen.

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Auch in Herisau AR musste die Polizei Menschenansammlungen auflösen. 

Auch in Herisau AR musste die Polizei Menschenansammlungen auflösen.

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Darum gehts

  • Am Samstag mussten gleich mehrere Menschenansammlungen im Kanton Appenzell Ausserrhoden aufgelöst werden.

  • Die Polizei war in Schönengrund AR und Herisau AR im Einsatz.

  • Es wurden keine Bussen ausgesprochen.

Am Samstag kurz nach Mittag erhielt die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden die Meldung, dass sich in Schönengrund AR ein Fasnachtsumzug formieren soll. Unverzüglich rückte die Polizei mit mehreren Patrouillen aus und konnten etwa 200 Personen auf den Strassen sowie rund 100 Personen auf dem Areal des Mehrzweckgebäudes antreffen. Nachdem die Polizei vor Ort war, löste sich gemäss einer Mitteilung der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden die Menschenansammlung auf dem Areal innerhalb kürzester Zeit auf.

Die Personen auf den Strassen, die offensichtlich auf den Beginn des Umzuges warteten, wurden über die geltenden Bestimmungen in Bezug auf die Covid-Verordnung aufmerksam gemacht. Die Gruppierungen lösten sich in der Folge auf und es mussten laut Polizei keine Bussen ausgesprochen werden.

Mehrere Anwohner berichten von verkleideten Personen. «Ich fuhr an der Strasse daran vorbei und sah einige verkleidete Menschen mit Handwagen», sagt ein Anwohner zu 20 Minuten. Die Polizei sei aber sehr schnell vor Ort gewesen und habe das Treiben aufgelöst. Ein Anwohner erzählt, er habe einige Fasnachtsböller gehört und nachmittags auch Musik. «Ich lief daran vorbei und hoffte, dass ich nicht gebüsst werde», erzählt eine weitere Anwohnerin. Sie selbst sei mit dem Treiben nicht einverstanden gewesen. «Aber jeder muss es schliesslich selbst wissen.»

Erstaunen bei den offiziellen Verantwortlichen

Organisiert wird der Schönengröndler Umzug am Fasnachtssamstag jeweils vom Fasnachtskomitee Schönengrund (FAKO). Dieses Jahr wurde er im Vorfeld wegen Corona eigentlich abgesagt. Anina Müller, Präsidentin der FAKO Schönengrund, war erstaunt, als sie Fasnächtler mit Handwagen im Dorf sah. Für sie persönlich wäre das keine Option gewesen. «Ich bin eine Fasnächtlerin mit Leidenschaft, aber trotzdem sollte man sich dieses Jahr an die Regeln halten», findet Müller. Sie erklärt sich den Auflauf mit dem Festhalten an der Tradition. «Ich finde es falsch, dass man einen Umzug machen wollte, aber es ist verständlich», so Müller.

Der Entscheid, den diesjährigen Umzug abzusagen, sei nur logisch gewesen. «Wir hatten keine andere Wahl», so Müller. Letztes Jahr sei es viel schwieriger gewesen. «Es war sehr frustrierend, nach allen Vorbereitungen den Umzug absagen zu müssen.»

Man hoffe nun, dass sehr bald wieder Normalität einkehre und man den nächstjährigen Umzug durchführen könne. Das hofft auch Samuel Friedel, Präsident der Guggenmusik Bläächi-Lömpe aus Schönengrund. Er sei zu Hause gewesen, als sich der Umzug formierte. Seine Gruppe habe ebenfalls nichts mit dem unerlaubten Umzug zu tun. «Es ist klar verboten», betont der Präsident. Doch er habe auch ein gewisses Verständnis, dass sich die Menschen nach Normalität sehnen. «Die Situation ist momentan überhaupt nicht lustig für uns. Ich würde natürlich viel lieber fasnächteln, als zu Hause zu sitzen», sagt Friedel konsterniert.

Auch in Herisau wurde interveniert

Im Verlaufe des Nachmittages musste die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden erneut mit mehreren Patrouillen auf einem Sportplatz in Herisau intervenieren. Rund um den Platz hielten sich etwa 150 Personen in verschiedenen Gruppengössen auf. Durch die Polizei wurden die Anwesenden auf die Covid-Verordnung, insbesondere auf die 5-Personen-Regelung, aufmerksam gemacht. Da die Leute einsichtig waren und den Ort verlassen haben, mussten keine Bussen ausgestellt werden.

Letzten Samstag zog ein Fasnachtsumzug durch Appenzell AI, wie das «St. Galler Tagblatt» berichtete. Der Umzug wurde durch die Polizei aufgelöst und es mussten fünf Bussen verteilt werden.

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