Aktualisiert 05.04.2019 05:23

Zürich

200 Personen wollen in diese 10'000-Franken-WG

Die Stadt Zürich sucht für ein Haus in Wipkingen mindestens zehn Bewohner. Obwohl die Alte Trotte fast 10'000 Franken pro Monat kostet, wollen viele einziehen.

von
som
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So soll die Küche der sanierten Alten Trotte aussehen.

So soll die Küche der sanierten Alten Trotte aussehen.

Visualisierung/Felder Architektur
Den Gemeinschaftsraum sollen mindestens zehn Personen nutzen.

Den Gemeinschaftsraum sollen mindestens zehn Personen nutzen.

Visualisierung/Felder Architektur
Dies kann gemäss Anzeige ein Mehrgenerationenhaushalt sein, eine Senioren-WG oder bunt zusammengewürfelte Einzelpersonen. Die Wohngemeinschaft muss einen Verein gründen.

Dies kann gemäss Anzeige ein Mehrgenerationenhaushalt sein, eine Senioren-WG oder bunt zusammengewürfelte Einzelpersonen. Die Wohngemeinschaft muss einen Verein gründen.

Visualisierung/Felder Architektur

Ein denkmalgeschütztes Gebäude mit 13 Räumen: Derzeit wird die Alte Trotte an der Nordstrasse 331 in Wipkingen aufwendig saniert. Ab Oktober soll der Bau aus dem 16. Jahrhundert bezugsbereit sein, die Besitzerin, die Stadt Zürich, sucht derzeit laut dem «Tages-Anzeiger» eine WG mit mindestens zehn Mietern. Dies kann gemäss Anzeige ein Mehrgenerationenhaushalt sein, eine Senioren-WG oder bunt zusammengewürfelte Einzelpersonen. Die Wohngemeinschaft muss einen Verein gründen.

Wie in der Anzeige steht, darf diese Wohngemeinschaft sich dann auch ein Bijou für fast 10'000 Franken Monatsmiete teilen. So gibt es neben den zwölf Schlafzimmern einen «lichtdurchfluteten» Gemeinschaftsraum. Die offene Küche mit einer grossen Arbeitsfläche eigne sich bestens für gemeinsames Kochen. Insgesamt gibt es fünf Bäder und eine zusätzliche Gästetoilette. Weiter steht den Bewohnern Umschwung zur Verfügung, der zum Gärtnern oder für einen Kinderspielplatz genutzt werden kann.

200 Personen haben sich schon angemeldet

Wie es bei Liegenschaften Stadt Zürich auf Anfrage heisst, ist das Interesse am Bauernhaus riesig. «Das Telefon klingelt ununterbrochen», sagt Sprecher Kuno Gurtner. Schon in den ersten 30 Stunden seit der Aufschaltung des Inserats hätten sich 44 Gruppen für die beiden Besichtigungen angemeldet, das sind 200 Personen. «Dazu gehören klassische WGs, aber auch Familien, die sich zusammentun wollen.» Kriterien für den Zuschlag gibt es laut Gurtner noch nicht: «Wir sind sehr offen.»

Die Stadt bietet in ihren Gebäuden sonst kaum explizit Wohnraum für WGs an. Schon vor der Sanierung lebte in der Alten Trotte das Kollektiv 331 mit elf Personen. Seit dem Auszug 2015 hat die Gross-WG in diversen anderen Gebäuden zur Zwischennutzung gelebt, momentan in Albisrieden.

«Wir haben so viele schöne Erinnerungen»

Wie 331-Bewohner Michael Weyrich (33) sagt, arbeiten sie derzeit am Bewerbungsdossier für die Alte Trotte: «Dass wir uns ganz normal wie andere bewerben müssen, stört uns nicht.» Nur beim Mietpreis mussten sie leer schlucken: «Es wird so wohl schwieriger, unsere sozialen Projekte zu verwirklichen.»

Trotzdem würden sie sehr gern wieder im historischen Bau leben, sagt Weyrich: «Wir haben dort so viele schöne Erinnerungen und hätten gern eine feste Bleibe.» Weyrich, der seit zehn Jahren im Kollektiv 331 wohnt, kann sich nichts Besseres als eine Gross-WG vorstellen: «Man hat immer Leute, um Ideen zu verwirklichen. Wenn man allein lebt, riskiert man wohl eher, dass man kompliziert wird.»

«Es ist immer jemand da»

In jüngster Zeit boten in Zürich vor allem Genossenschaften wie die Kalkbreite oder Mehr als Wohnen Raum für Gross-WGs an. So stehen in der Kalkbreite neben normalen Wohnungen auch einige Wohnungen für Gross-WGs zur Verfügung. Laut Sprecherin Valérie Clapasson teilen sich nicht nur Studierende Küche und Bad, sondern auch Familien, Senioren oder ganz durchmischte Gruppen: «Der Vorteil ist, dass so Wohnen in der Stadt günstig ist und man im Sinne der Nachhaltigkeit relativ wenig Wohnraum pro Person braucht.» Auch sei immer jemand da: «So geniessen es etwa Familien, dass sie sich untereinander in Erziehungs- und Betreuungsfragen austauschen können.»

Aber wie bei anderen WGs gelte auch in der Kalkbreite: «Es muss passen, damit es gut funktioniert.» Die WGs entscheiden laut Clapasson selbst, wie sie ihr Zusammenleben regeln. Auch ihre Bewohner wählen sie autonom aus. Insgesamt gebe es relativ wenig Wechsel.

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