Aktualisiert 19.05.2014 13:34

Nein zum Gripen

200 Stellen bei Ruag betroffen

Das Nein zum Gripen wird auch den Rüstungskonzern Ruag treffen. Dem Unternehmen entgeht ein 2,5-Milliarden-Franken-Auftrag. Das hat auch Auswirkungen für die Arbeitnehmer.

Dem Rüstungskonzern entgeht durch das Gripen-Nein ein Grossauftrag.

Dem Rüstungskonzern entgeht durch das Gripen-Nein ein Grossauftrag.

Das Nein zum Gripen hat weitreichende Auswirkungen für den Rüstungs- und Industriekonzern Ruag. Die Geschäftsleitung rechnet, dass mittel- bis langfristig bis zu 200 Stellen betroffen sind, wie es in einer internen Mitteilung der Ruag vom Montag heisst, die der Nachrichtenagentur SDA vorliegt.

Dies unter der Voraussetzung, dass keine Gegenmassnahmen ergriffen werden. Es sei für die Ruag nun umso wichtiger, neue Aufträge zu gewinnen, sagte Konzern-Sprecherin Rita Baldegger gegenüber der SDA. Der Rüstungskonzern beschäftigt in der Schweiz rund 4600 Mitarbeiter.

Im Abstimmungskampf zurückgehalten

Die Ruag habe absichtlich nicht schon vor der Abstimmung auf einen möglichen Stellenabbau hingewiesen, sagte Baldegger. «Wir wollten den Abstimmungskampf nicht beeinflussen.»

Schweizer Firmen hätten bei einem Ja zum Gripen von Kompensationsgeschäften in der Höhe von insgesamt 2,5 Milliarden Franken profitiert. Nach dem Nein an der Urne sind die Schweden nicht mehr dazu verpflichtet. Der Branchenverband der Schweizer Maschinenindustrie rechnet mit entgangenen Aufträgen im Umfang von über zwei Milliarden Franken.

Auch Zulieferer betroffen

Das wird voraussichtlich auch die Ruag zu spüren bekommen. Dem Rüstungskonzern entgeht womöglich ein lukrativer Auftrag für ein Trägersystem, sogenannte Nutzlastaufhängungen.

Der Vertrag im Gesamtwert von 68 Millionen Franken wurde erst im März abgeschlossen. Nach dem Nein des Schweizer Stimmvolks «hat nur noch die Entwicklungs- und Prototyping-Phase im Umfang von 15,5 Millionen Franken Gültigkeit», heisst es im Schreiben der Ruag.

Die Serienproduktion von 60 Nutzlastaufhängungen für die Gripen der Jets der schwedischen Armee seien jedoch in Frage gestellt. Saab habe die Möglichkeit, die Serienproduktion im Umfang von 52,5 Millionen Franken auch ausserhalb der Schweiz ausführen zu lassen.

Entscheidet sich Saab gegen die Produktion in der Schweiz, hat das auch Auswirkungen auf weitere Unternehmen. Die Ruag hatte mehreren Zulieferern Aufträge in Aussicht gestellt, darunter zwei Firmen in der Westschweiz, eine aus der Deutschschweiz und eine aus dem Tessin.

Kurzfristig habe der Entscheid gegen den Gripen zudem auch Auswirkungen auf das Unterhalt-Geschäft von Ruag-Aviation, heisst es im internen Schreiben weiter. Dies weil die alten Tiger F-5 ausgemustert werden und damit die Unterhaltsarbeiten entfallen.

Auftrag von einer halben Milliarde Franken

Auch für den Flugzeughersteller Pilatus ist das Abstimmungsresultat ein Rückschlag. Auf Anfrage wollte sich bei der Firma zwar niemand zu möglichen Folgen äussern. Klar ist aber, dass die geplante Zusammenarbeit mit Saab nun auf wackligen Füssen steht.

Ende März hielten Saab und Pilatus in einer Absichtserklärung fest, dass sie bei den Kompensationsgeschäften zusammenspannen wollten. Sollte die Schweiz den Gripen bestellen, wollte Schweden im Gegenzug bei Pilatus rund 20 PC-21 für die Pilotenausbildung in der Armee kaufen. Dies sei ein «bedeutender Auftrag», schrieb Pilatus damals in einer Mitteilung.

Die beiden Firmen kündeten weiter an, dass sie im Bereich des Strukturbaus rund 100 zusätzliche Arbeitsplätze in der Schweiz schaffen wollten. Zudem sollte ebenfalls in der Schweiz ein Software-Entwicklungszentrum aufgebaut werden. All diese Massnahmen hätten gemäss Mitteilung von Pilatus in den nächsten Jahren ein Auftragsvolumen von rund einer halben Milliarde Franken generiert.

Selbst bei einer Annahme der Gripen-Vorlage wäre der PC-21-Auftrag noch nicht definitiv unter Dach und Fach gewesen, man wäre «dem Abschluss eines Vertrages aber einen Schritt näher», hielt Pilatus damals fest. Zur Frage, was nun aus der geplanten Zusammenarbeit werde, wollte sich die Pilatus Flugzeugwerke AG am Montag nicht äussern. (sda)

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