Bangladesch: 200 Überlebende nach Hauseinsturz geortet
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Bangladesch200 Überlebende nach Hauseinsturz geortet

Rettungskräfte haben über Nacht 54 Menschen aus dem eingestürzten Fabrikgebäude gerettet. Weitere 200 wurden entdeckt. Die Zahl der Toten stieg unterdessen auf 290.

von
kmo

Zwei Tage nach dem Einsturz eines maroden Fabrik- und Einkaufsgebäudes in Bangladesch haben Rettungskräfte 200 Überlebende in den Trümmern geortet. Bislang sei es aber noch nicht gelungen, sie zu befreien, sagte ein Regierungsvertreter am Freitag einem örtlichen Fernsehsender.

Über Nacht seien 54 Menschen lebend aus den Beton- und Schuttmassen gerettet worden. Der Einsturz eines achtstöckigen Gebäudes bei Dhaka hat sich zur schlimmsten Katastrophe in der bangladeschischen Textilindustrie entwickelt: Bis Freitag, zwei Tage nach dem Unglück, wurden 290 Tote aus den Trümmern im Vorort Savar geborgen, teilten die Behörden mit. Der Leiter der Bergungsaktion, Brigadegeneral Mohammed Siddiqul Shikder, sagte, von Donnerstagnachmittag bis Freitagmorgen seien 61 Überlebende gerettet worden.

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Hunderte Rettungskräfte suchten weiter in den Trümmern nach Überlebenden. Am Rande kam es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen wütenden Angehörigen und Polizisten. Es wurde erwartet, dass die Bergungsarbeiten auch noch am Samstag fortgesetzt werden mussten.

Insgesamt wurden seit dem Einsturz am Mittwoch 2200 Überlebende aus den Trümmern des Gebäudes gerettet, in dem sich mehrere Textilfabriken befanden. In den Fabriken waren nach Angaben der Gruppe der Textilhersteller mehr als 3100 Arbeiter angestellt. Es war jedoch nicht bekannt, wie viele Menschen zur Zeit des Unglücks bei der Arbeit waren.

Die Polizei hat mitgeteilt, sie habe wegen Rissen in den Mauern vor dem Einsturz die Räumung des Gebäudes angeordnet, Fabrikbesitzer hätten die Anordnung aber missachtet. In Savar protestierten derweil Tausende Textilarbeiter gegen mangelnde Sicherheitsstandards in ihren Fabriken.

Im November war nach einem Grossbrand in einer Textilfabrik mit 112 Toten Kritik an den mangelnden Sicherheitsstandards in Bangladeschs Textilindustrie laut geworden, die mit ihrer Produktion für internationale Marken jährlich einen Umsatz von 20 Milliarden Dollar (etwa 15 Milliarden Euro) macht.

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