Ausschreitungen in Frankreich - 200’000 Franzosen wehren sich gegen Gesundheitspass und Impfpflicht
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Ausschreitungen in Frankreich200’000 Franzosen wehren sich gegen Gesundheitspass und Impfpflicht

In gut einer Woche sollen die Französinnen und Franzosen nur noch ins Restaurant dürfen, die geimpft, genesen oder negativ getestet sind. Die Mehrheit ist für diesen Schritt. Doch 204’000 Menschen protestierten am Samstag dagegen.

In Paris kam es am 31. Juli 2021 zu zahlreichen Demonstrationen. Die Menschen protestieren gegen den Corona-Pass und geraten mit der Polizei aneinander.

AP
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In Paris gerieten Polizisten und Demonstrierende wiederholt aneinander.

In Paris gerieten Polizisten und Demonstrierende wiederholt aneinander.

AFP
Die Demonstrierenden warfen mit Gegenständen auf die Polizei, diese wiederum setzte Tränengas ein.

Die Demonstrierenden warfen mit Gegenständen auf die Polizei, diese wiederum setzte Tränengas ein.

AFP
Landesweit demonstrierten über 200’000 Menschen gegen den Corona-Pass.

Landesweit demonstrierten über 200’000 Menschen gegen den Corona-Pass.

AFP

Darum gehts

  • Ab dem 9. August wird Menschen ohne Corona-Pass der Zutritt zu Restaurants und weiteren Lokalitäten verwehrt.

  • Für den Pass gilt die 3G-Regelung – geimpft, genesen, getestet mit negativem Ergebnis.

  • Mehrheitlich wird der Corona-Pass befürwortet, die Gegner jedoch sind unerbittlich.

In ganz Frankreich sind erneut Zehntausende gegen den von der Regierung geplanten Corona-Pass auf die Strasse gegangen. Landesweit waren es am Samstag etwa 204’000 Menschen. Die offenbar grösste Demonstration gab es vor dem «Moulin Rouge» im Norden von Paris. Einige Demonstrierende bewarfen die Polizei mit Gegenständen. Die Beamten reagierten mit Tränengas und schlugen gelegentlich auch mit Fäusten zu. Ein Demonstrant blutete am Kopf. Medien berichteten von drei verletzten Polizisten. An der Bastille setzte die Polizei einen Wasserwerfer ein.

Neuinfektionen wegen Delta angestiegen

Der grösste Teil der Demonstrationen blieb jedoch friedlich. Sie richteten sich gegen den bereits vom Parlament beschlossenen Corona-Pass, ohne den es ab 9. August keinen Zutritt mehr zu Restaurants und vielen anderen Räumlichkeiten gibt. Ausgestellt wird er für Geimpfte, von Corona Genesene und Menschen, die einen negativen Test vorweisen. Das Gesetz verlangt ausserdem, dass sich alle Angestellten im Gesundheitswesen bis Mitte September impfen lassen müssen. Die Regierung verweist auf die wegen der Delta-Variante stark gestiegene Zahl der täglichen Neuinfektionen, die am Freitag bei mehr als 24’000 lag – nach wenigen Tausend Anfang Juli.

52 Prozent der Bevölkerung geimpft

Umfragen zufolge unterstützt die Mehrheit der Französinnen und Franzosen den Corona-Pass; die Gegner sind jedoch umso unerbittlicher und demonstrierten bereits das dritte Wochenende in Folge. Am Samstag versammelten sie sich unter der Losung «Freiheit». Die 37-jährige Krankenschwester Hager Ameur warf der Regierung Erpressung vor. «Ich denke, dass man uns nicht sagen darf, was wir tun sollen», sagte sie der Nachrichtenagentur AP. Krankenhausangestellte seien schon während der ersten Corona-Welle ziemlich schlecht behandelt worden. «Und jetzt wird uns plötzlich gesagt, wenn wir uns nicht impfen lassen, ist es unsere Schuld, wenn sich Menschen anstecken. Ich finde das widerlich.» Sie selbst habe gekündigt.

Die Regierung gab indessen bekannt, dass der angekündigte Corona-Pass viele Ungeimpfte dazu gebracht habe, sich für eine Impfung anzumelden. In Frankreich sind mittlerweile mehr als 52 Prozent der Bevölkerung geimpft. Etwa 112’000 Menschen sind nach einer Corona-Infektion gestorben.

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(DPA/roa)

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