Aktualisiert 27.08.2012 11:36

Der Weg ist frei2013 wird Tom Lüthi Weltmeister - theoretisch

Platz zwei beim GP von Tschechien – und doch kein Kandidat für die Königsklasse. Enttäuschend und trotzdem gut für Tom Lüthi: So ist der Weg zum Moto2-Weltmeistertitel 2013 frei.

von
Klaus Zaugg, Brünn

Tom Lüthi (25) hat in der Moto2-WM in dieser Saison 154 Punkte herausgefahren, lag während 76 Rennrunden in Führung und hat bisher 15 Podestplätze errungen (2 Siege). Trotzdem hat er kein einziges konkretes Angebot aus der MotoGP-Klasse bekommen.

Bradley Smith (21) hat diese Saison erst 77 Punkte geholt, nur eine einzige Runde geführt und in der Moto2-WM bloss drei Podestplätze (kein Sieg) geholt. Trotzdem hat er soeben einen MotoGP-Vertrag bekommen. Er wird 2013 eine Werks-Yamaha fahren.

«Nach wie vor ist die MotoGP-Klasse mein Ziel», sagt Tom Lüthi gegenüber 20 Minuten Online. «Es gibt mir schon ein wenig einen Stich, wenn ich jetzt sehe, dass Bradley Smith einen MotoGP-Vertrag bekommt.» Beklagen will er sich nicht. «Solange ich in der Moto2-WM vorne mitfahren kann, stimmt es für mich trotzdem.»

Immer stand Lüthi ein Fahrer vor der Sonne

Bradley Smith wird in der MotoGP-WM 2013 ein chancenloser Hinterherfahrer sein. Aber er ist Engländer und der britische Markt ist wichtig. Money talks, bullshit walks. Und doch hat die Situation durchaus eine erfreuliche Seite: Immer mehr zeichnet sich ab, dass Tom Lüthi nach 2005 (125 ccm) ein weiteres Mal Weltmeister werden kann. Die Geduld wird sich auszahlen, die Moto2-Saison kommt, in der für ihn alles zusammenpasst – vielleicht schon 2013.

In der ersten Moto2-WM 2010 dominierte Toni Elias und Tom Lüthi hatte keine Chance. Elias stieg als Moto2-Weltmeister 2011 in die MotoGP-Klasse auf. Aber nun kamen für die Saison 2011 Stefan Bradl und Marc Marquez. Und wieder war der Schweizer chancenlos. Bradl stieg als Moto2-Weltmeister 2012 in die MotoGP-Klasse auf – aber nun ist Marc Marquez für Tom Lüthi zu stark. Der Spanier wird nächste Saison MotoGP fahren und bei Honda Casey Stoner ersetzen. Damit scheint für die Saison 2013 der Weg zum Moto2-Titel für Tom Lüthi frei zu sein. Er schränkt aber ein: «Das stimmt höchstens theoretisch.» Zu gut weiss er, dass jede Saison wieder eine ganz neue Geschichte schreibt. Dass Pol Espargaro (21), den er zuletzt in Brünn gut im Griff hatte, 2013 noch besser sein wird.

Lüthi erstmals seit 2005 wieder auf Top-Niveau

Und doch zeichnet sich ab: Einmal wird es passen. Weil Tom Lüthi als Schweizer, als Fahrer aus einem unbedeutenden Markt, in der Moto2-WM sozusagen feststeckt und nicht in die Königsklasse MotoGP aufsteigen kann, wird er mit seiner Erfahrung, seiner fahrerischen Klasse immer mehr die Rolle des Moto2-WM-Favoriten einnehmen. Er wird den Lohn seiner Beharrlichkeit ernten.

Inzwischen ist der Emmentaler erstmals seit sechs Jahren wieder dazu in der Lage, im August auf seinem besten Niveau zu fahren. Den zweiten Platz beim GP von Tschechien verdankte er nicht in erster Linie der technischen Nachrüstung (neues Chassis, neue Hinterrad-Schwinge) durch Töff-Lieferant Eskil Suter. Sondern seiner neuen mentalen Robustheit im August. Seit 2005 waren seine Resultate in Brünn enttäuschend: Zwei Nuller, zwei 5. und je einem 7. und 11. Rang. Der 2. Platz am Sonntag markierte also eine Trendwende.

Habe mich in der Sommerpause sehr gut erholt

Das Rennen in Brünn ist deshalb so interessant und aussagekräftig, weil es immer in der zweiten Hälfte August auf dem Kalender steht. Nur wer topfit und mit vollen Batterien aus der Sommerpause zurückkehrt, hat im Dauerwettbewerb Töff-WM eine Chance. Seit dem Titelgewinn von 2005 (125 ccm) hat Tom Lüthi die Saison nie mehr ganz durchgestanden und hatte jeweils in Brünn leere oder halbleere Batterien.

Das ist nun erstmals anders. So hoch motiviert und doch gelassen war Tom Lüthi in Brünn seit 2005 nie mehr. Es ist der beste «August-Tom» seit 2005. Er bestätigt gegenüber 20 Minuten Online diesen positiven Eindruck. «Ich habe mich in der Sommerpause sehr gut erholt und ich konnte Energie tanken. Ich fühle mich jetzt tatsächlich so gut wie seit 2005 nie mehr zu diesem Zeitpunkt der Saison.»

Bereits die 10. GP-Saison von Lüthi

Das habe sehr viel damit zu tun, dass er jetzt dank gezieltem Training so fit sei wie noch nie. Und dass er einfach viel mehr Erfahrung habe. Er ist zwar erst 26, steht aber bereits in seiner 10. GP-Saison. Tom Lüthi hat inzwischen gelernt, seine Energien besser zu verwalten. Er kennt seinen Körper besser und vermag seinen Energiehaushalt besser zu steuern.

Der GP von Tschechien in Brünn hat uns gezeigt: Gut, dass Tom Lüthi auch 2013 nicht in die MotoGP-Klasse aufsteigen kann. Er wird 2013 in der Moto2-WM einer der Titelfavoriten sein.

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