Bieber und Grassi: 2018 abgestiegen und heute Abend Meister?
Aktualisiert

Bieber und Grassi2018 abgestiegen und heute Abend Meister?

Vor einem Jahr waren sie die grossen Buhmänner. Aber schon heute Abend können Matthias Bieber und Daniele Grassi Meisterhelden sein.

von
Marcel Allemann
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Daniele Grassi wurde im Playoff zum wichtigen Faktor für den SCB.

Daniele Grassi wurde im Playoff zum wichtigen Faktor für den SCB.

Keystone/Marcel Bieri
Doch im zweiten Finalspiel verletzte sich der Tessiner, das Meisterschaftsfinale verpasst er.

Doch im zweiten Finalspiel verletzte sich der Tessiner, das Meisterschaftsfinale verpasst er.

Keystone/Alexandra wey
Letzte Saison stieg Grassi (v.) mit Kloten ab.

Letzte Saison stieg Grassi (v.) mit Kloten ab.

Keystone/Patrick B. Kraemer

Die Geschichten von Bieber und Grassi sind der Beleg dafür, dass es im Eishockey keinen Stillstand gibt, dass auf den absoluten Tiefpunkt innert Jahresfrist durchaus ein rauschender Höhepunkt folgen kann.

Ende April 2018 waren die beiden Stürmer am Boden zerstört. Mit dem EHC Kloten stiegen sie aus der National League ab. Vor allem für Bieber, den Zürcher und den WM-Silberhelden von 2013, war dies eine schwarze Stunde in seiner Karriere, war er doch eine langjährige Leader- und Integrationsfigur bei den Zürcher Unterländern.

Unverständnis für Biebers Verpflichtung

Umso mehr da er selbst den Ansprüchen in der Abstiegssaison nicht gerecht werden konnte. Ganze 6 Skorerpünktchen gelangen dem Stürmer, der zu seinen Bestzeiten für über 30 Skorerpunkte in der Qualifikation gut war. Und immer wieder machten ihm Verletzungen zu schaffen. Entsprechend gross war das Unverständnis, als der SCB im Dezember 2017 die Verpflichtung von Bieber zur Saison 2018/2019 bekannt gab. Was will ein Team mit grossen Ansprüchen mit diesem in die Jahre gekommenen Ex-Nationalspieler?

Ein solches Bild von sich in der Öffentlichkeit gesehen zu haben, muss Bieber geschmerzt haben. Gross darüber sprechen mag er während dem Playoff-Final nicht. «Ich bin ein Mensch, der in der Gegenwart und nicht in der Vergangenheit lebt. Erst recht während dem Playoff», sagt er dazu bloss.

Ein Springer im Team

Matthias Bieber war in dieser Saison zwar nicht der ganz grosse Überflieger, aber er wurde zur wichtigen Ergänzung im Team der Mutzen. Immer dort, wo er gerade gebraucht wurde, wo gerade Not am Mann war, da wurde er eingesetzt. Zumeist war dies in einer der hinteren Reihen. Aber nicht nur. Bieber legte stets sein Kämpferherz und seine Erfahrung in die Waagschale und konnte auch seine Skorerwerte wieder mehr als verdoppeln.

Und nun also fehlt nur noch ein Sieg und der Zürcher ist im Herbst seiner Karriere erstmals Schweizer Meister. Aus der Ruhe kann dies den erfahrenen Stürmer nicht bringen, dafür hat er zu viel erlebt. «Wir dürfen nicht zu weit nach vorne schauen, sondern müssen genau gleich weiter fahren wie bis anhin, wieder Drittel für Drittel nehmen und im Moment leben.»

Wäre der SCB ohne Grassi in den Ferien?

Ein Kloten-Absteiger aus dem Vorjahr ist auch Daniele Grassi. Bei ihm brauchte es seine Zeit, bis er sich im Team zurecht fand. In der Qualifikation war der Tessiner kein Faktor. Nur 3 Skorerpunkte fielen für ihn ab, dazu erhielt er wenig Eiszeit. Doch im Playoff wurde Grassi zur Schlüsselfigur als der SCB im Viertelfinal gegen Servette taumelte. Ohne seine 3 Tore in dieser Serie wären die Mutzen womöglich längst in den Ferien.

Das heutige fünfte Finalspiel wird Grassi zwar nur auf der Tribüne mitverfolgen können und beim möglichen grossen Meistermoment nicht auf dem Eis stehen können. Denn im zweiten Finalspiel gegen erlitt der Stürmer nach einem Check von Zugs Dominic Lammer eine schwere Schulter- und Ellbogen-Verletzung. Sollte Bern heute gewinnen und Grassi ein Jahr nach dem Abstieg somit erstmals Teil eines Meisterteams sein, würde ihm dies zweifellos über die Schmerzen hinweghelfen.

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