Postulat in Luzern: 2018 kein Besuch für die Schweizergarde in Rom?
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Postulat in Luzern2018 kein Besuch für die Schweizergarde in Rom?

Im Mai 2018 ist Luzern als Gastkanton bei der Schweizergarde im Vatikan eingeladen. Der Regierungsrat soll nun absagen und das gesparte Geld lieber Familien geben, fordert ein SP-Politiker.

von
mme
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Hier soll Luzern nicht dabei sein, geht es nach Davis Roth (SP): Die traditionelle Kranzniederlegung erinnert an den Sacco di Roma, einen Aufstand am 6. Mai 1527, als die Schweizergarde den Papst vor einer Horde Soldaten rettete und dabei 147 Gardisten ihr Leben verloren.

Hier soll Luzern nicht dabei sein, geht es nach Davis Roth (SP): Die traditionelle Kranzniederlegung erinnert an den Sacco di Roma, einen Aufstand am 6. Mai 1527, als die Schweizergarde den Papst vor einer Horde Soldaten rettete und dabei 147 Gardisten ihr Leben verloren.

Keystone/Archivbild
Das gesparte Geld für die Romreise soll für Familien verwendet werden, die auf Prämienverbilligung angewiesen sind oder an soziale Institutionen oder kulturelle Zwecke fliessen, verlangt Roth in einem Postulat.

Das gesparte Geld für die Romreise soll für Familien verwendet werden, die auf Prämienverbilligung angewiesen sind oder an soziale Institutionen oder kulturelle Zwecke fliessen, verlangt Roth in einem Postulat.

Keystone/Archivbild
Der Kanton jedoch hält an der Reise fest. Die Pflege von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontakten über die Kantonsgrenzen hinaus liege im Interesse des Kantons. Dies beschränke sich jedoch auf ein Minimum.

Der Kanton jedoch hält an der Reise fest. Die Pflege von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontakten über die Kantonsgrenzen hinaus liege im Interesse des Kantons. Dies beschränke sich jedoch auf ein Minimum.

Keystone/Archivbild

Jedes Jahr ist am Sacco di Roma (6. Mai), wenn im Vatikan die neuen Garde-Rekruten vereidigt werden, ein anderer Kanton bei der Schweizer Garde in Rom zu Gast. Für 2018 nun wurde Luzern eingeladen.

Daran soll eine Delegation des Kantons sowie Vertreter der drei Landeskirchen teilnehmen, teilten die Behörden am Freitag mit. Und nicht nur das: «Für die Luzerner Bevölkerung sind 150 Tickets reserviert, die zur Teilnahme an der Vereidigung und am Rahmenprogramm berechtigen. Sie werden gratis vergeben», heisst es weiter.

«Romreisli ist keine Staatsaufgabe»

Doch vielleicht findet die Reise nun gar nicht statt: «Das Romreisli ist keine Staatsaufgabe», schreibt SP-Kantonsrat David Roth in einem Postulat, über dessen Dringlickheit nun das Parlament entscheiden muss. «Egal ob die Reise aus dem ordentlichen Budget oder dem Lotteriefonds finanziert wird – das Geld kann anderweitig besser verwendet werden», so Roth.

Er findet es «absolut unverständlich, wenn die Regierung Kosten auslöst, um dem Vatikan einen Höflichkeitsbesuch abzustatten, während im Kanton 8000 Personen genötigt sind, ihre bereits erhaltene Prämienverbilligung zurückzahlen».

Auf Anfrage von 20 Minuten bezifferte der Kanton das Kostendach auf 100'000 Franken zulasten der Staatskasse. Davon seien die Kosten für die kulturellen Programmteile, die über Lotteriemittel finanziert werden, sowie solche, welche die Teilnehmer selber finanzieren, abzuziehen.

Bereits Korb für Sechseläuten

Der SP-Kantonsrat erklärt im Postulat, was mit diesem Geld passieren soll: «Statt für die Reisekosten soll es für Familien ausgegeben werden, die auf Prämienverbilligung angewiesen sind und für soziale Institutionen oder kulturelle Zwecke verwendet werden. Dies dürfte auch ganz im Sinne von Papst Franziskus sein.»

Es wäre nicht das erste Mal, dass der Kanton eine Einladung wegen des Spardrucks absagen muss: 2015 war Luzern beim Sechseläuten eingeladen – zum allerersten Mal in der Geschichte erhielt Zürich jedoch eine Absage eines Gastkantons. Die damalige Begründung des Staatsschreibers: «Die hohe Kadenz von ähnlichen Auftritten in letzter Zeit und die damit verbundene Belastung des Kantons in einem schwierigen finanziellen Umfeld.»

Regierung will Visite durchziehen

Im Mai 2018 hingegen möchte die Luzerner Regierung nach Rom. Auf Anfrage teilte Staatsschreiber Lukas Gresch mit: «Die Pflege interkantonaler und internationaler Kontakte im Interesse des Kantons gehört zu den Aufgaben des Regierungsrates. Mit Blick auf die finanzielle Lage hat der Regierungsrat 2014 beschlossen, pro Legislatur nur noch einen grösseren ‹aussenpolitisch› wirksamen Anlass zu bestreiten. In der laufenden Legislatur ist das die Teilnahme an der Vereidigung der Rekruten der Schweizergarde auf Einladung des Kommandanten.»

Die Pflege von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontakten über die Kantonsgrenzen hinaus liege im Interesse des Kantons. Dies beschränke sich jedoch auf ein Minimum. 2017 wurden verschiedene Anlässe wegen der Bestimmungen über den budgetlosen Zustand abgesagt.

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