Kriminalstatistik Zürich - 2021 musste die Polizei 18 Mal pro Tag wegen häuslicher Gewalt ausrücken

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Kriminalstatistik Zürich2021 musste die Polizei 18 Mal pro Tag wegen häuslicher Gewalt ausrücken

Die Kriminalstatistik 2021 zeigt, dass die Delikte in Zürich grundsätzlich zurückgehen. Fälle der häuslichen Gewalt und Straftaten gegen Behörden und Beamte sind jedoch angestiegen.

von
Lynn Sachs
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Sicherheitsdirektor Mario Fehr zieht eine positive Bilanz. Die Gewaltdelikte im Kanton Zürich gehen zurück.

Sicherheitsdirektor Mario Fehr zieht eine positive Bilanz. Die Gewaltdelikte im Kanton Zürich gehen zurück.

20min/Celia Nogler
Bei der häuslichen Gewalt gehen jedoch täglich weiterhin viele Meldungen bei den Polizeien ein.

Bei der häuslichen Gewalt gehen jedoch täglich weiterhin viele Meldungen bei den Polizeien ein.

Getty Images
Laut Beat Rhyner der Stadtpolizei Zürich hat sich die Pandemie negativ auf die Delikte gegen Behörden und Beamte ausgewirkt. Bei Angriffen auf ÖV-Personal gab es einen Anstieg von 46 Prozent.

Laut Beat Rhyner der Stadtpolizei Zürich hat sich die Pandemie negativ auf die Delikte gegen Behörden und Beamte ausgewirkt. Bei Angriffen auf ÖV-Personal gab es einen Anstieg von 46 Prozent.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Die Zahlen der Strafdelikte sind im Kanton Zürich rückläufig.

  • Auf dem Kantonsgebiet gab es  jedoch eine hohe Anzahl polizeilicher Meldungen im Kontext mit häuslicher Gewalt.

  • In der Stadt Zürich gab es einen starken Anstieg bei den Strafdelikten gegen Behörden und Beamte. Stark betroffen waren Mitarbeitende des öffentlichen Verkehrs.

Vertretende der Zürcher Polizeien haben am Montag die polizeiliche Kriminalstatistik 2021 vorgestellt. «Zürich ist und bleibt ein sicherer Kanton», sagt Sicherheitsdirektor Mario Fehr zu Beginn der Pressekonferenz. 2021 wurden im Kanton Zürich knapp sieben Prozent weniger Kriminaldelikte registriert als im Vorjahr. Eine anhaltend hohe Zahl der polizeilichen Meldungen sei jedoch im Kontext mit häuslicher Gewalt zu verzeichnen. «Polizistinnen und Polizisten sind im Kanton Zürich 18 Mal pro Tag in diesem Zusammenhang ausgerückt», so Fehr. In jedem fünften Fall wurden Schutzmassnahmen verfügt. 

Zudem wurde die Präventionskampagne «Stopp Gewalt gegen Frauen» erweitert. Auch die Bekämpfung der Jugendkriminalität bleibt ein Schwerpunkt der Kantonspolizei. So wurde die Patrouillen- und Kontrolltätigkeit mit Fokus Jugendgewalt massgeblich erhöht. Im Fokus stehen die konsequente Sicherstellung von Waffen und gefährlichen Gegenständen, die Kriminalprävention an den Schulen und die Präventionskampagne «No Front».

Auch die Stadt Zürich verzeichnete einen Rückgang der Kriminaldelikte. Erstmals seit 2009 fiel die Zahl der Delikte unter 40’000. Bei den Delikten gegen Leib und Leben sah man einen Rückgang von zwölf Prozent, bei der einfachen Körperverletzung waren es 15 Prozent. «Corona hat die Stadt Zürich grundsätzlich sicherer gemacht», so Beat Rhyner, Chef Kriminalabteilung ad interim der Stadtpolizei Zürich. Negativ habe sich die Pandemie jedoch auf die Straftaten gegen Behörden und Beamte ausgewirkt. 

Mehr Attacken gegen ÖV-Mitarbeitende

«Hier zeigt sich eine traurige Entwicklung. Es gab bei solchen Delikten eine Zunahme von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.» Besonders betroffen waren laut Rhyner das Fahr- und Kontrollpersonal im öffentlichen Verkehr. «Da gab es einen Anstieg von 46 Prozent.» Auch Mitarbeitende der Sozialen Dienste und der Stadtpolizei Zürich wurden vermehrt Opfer von Straftaten. Rhyner begründet diesen Anstieg mit der Pandemie: «Es gab beispielsweise mehrere Dispute wegen der Maskentragpflicht. Viele Menschen waren wegen der Corona-Situation dünnhäutiger, unzufriedener und angespannt. Das hat zu Auseinandersetzungen geführt.»

Ebenfalls verzeichnet die Stadt Zürich eine Zunahme von 3,3 Prozent bei Widerhandlungen gegen die sexuelle Integrität. Dies sei hauptsächlich auf den Anstieg der Verzeigungen wegen unzulässiger Ausübung der Prostitution zurückzuführen, da im ersten Halbjahr 2021 aufgrund der Pandemie ein generelles Prostitutionsverbot in Kraft war. 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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