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Bremgarten AG21-Jährige fährt Mann im Dunkeln tot – Freispruch

Eine junge Frau überfuhr nachts auf einer Hauptstrasse bei Bremgarten einen betrunkenen Mann. Das Bezirksgericht sprach sie frei.

von
som

Weinend sass die 21-Jährige am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Bremgarten AG. Angeklagt war sie, weil sie im August 2014 mit ihrem Renault Clio einen 28-Jährigen totgefahren hatte. In jener regnerischen Nacht fuhr sie mit zwei Freundinnen von einer Geburtstagsparty nach Hause. Autos kamen ihr entgegen und blendeten sie. Auf der bewaldeten 80er-Zone zwischen Fischbach-Göslikon und Bremgarten blendete sie ab und sah plötzlich zwei weisse Flecken. Da knallte es schon.

Als sie ausstieg, sah sie einen Mann im Gras liegen. Er war schwer verletzt, sechs Tage später starb der 28-Jährige im Spital. Erfasst wurde er vom Auto, weil er in diesem Waldstück die Strasse überqueren wollte. Laut der «Aargauer Zeitung» war er betrunken. Die junge Autofahrerin hatte an der Party lediglich mit einem Glas Champagner angestossen.

«Sie hätte mit Hindernissen auf der Strasse rechnen müssen»

Trotzdem forderte die Aargauer Staatsanwaltschaft eine bedingte Geldstrafe von 27'000 Franken und eine Busse wegen fahrlässiger Tötung, so die Zeitung. Sie warf der Lenkerin mangelnde Aufmerksamkeit vor, wie es in der Anklageschrift heisst: «Um selbst nicht geblendet zu werden, konzentrierte sich die Beschuldigte auf den rechten Fahrbahnrand, wohin sie ausschliesslich ihren Blick richtete. Sie wollte damit vermeiden, rechts von der Fahrbahn abzukommen. Damit vernachlässigte sie, ihre Aufmerksamkeit dem Rest der Strasse zu schenken.»

Sie hätte laut dem Staatsanwalt ebenfalls langsamer fahren sollen als die von den Ermitteln gemessenen 72 bis 83 km/h. Gleichzeitig räumte er vor Gericht ein, dass sie selbst mit 60 km/h nicht rechtzeitig hätte bremsen können. Dennoch hätte die junge Frau mit Hindernissen auf der Strasse rechnen müssen.

Freispruch, weil Kollision kaum vermeidbar war

Laut ihrem Verteidiger hatte die junge Frau hingegen alles richtig gemacht. Man könne von einem Lenker nicht verlangen, damit zu rechnen, dass mitten in der Nacht in einem Industriegebiet plötzlich ein Betrunkener auf die Strasse schreite: «Das ist keine Verletzung der Sorgfaltspflicht, sondern schlicht ein sehr tragischer Unfall.»

Dies sah am Ende auch das Gericht so und sprach die 21-Jährige frei. Sie habe die Geschwindigkeit angepasst. Zudem sei das Opfer dunkel gekleidet, mitten auf der Strasse und zwischen den Lichtern der anderen Fahrzeuge nicht erkennbar gewesen. «Dass jemand über die Strasse ging, war erst kurz vor der Kollision erkennbar. Sie wäre für keinen einzigen Autofahrer unter uns vermeidbar gewesen.»

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