Crash an Langstrasse: 21-Jähriger schwebt in Lebensgefahr

Aktualisiert

Crash an Langstrasse21-Jähriger schwebt in Lebensgefahr

Einen Tag nach dem folgenschweren Crash an der Zürcher Langstrasse liegt ein 21-jähriger Mann noch immer in kritischem Zustand im Spital. Der Unfallfahrer wurde nur leicht verletzt.

von
uwb/fum/am/amc

Von den fünf bei dem schweren Verkehrsunfall an der Langstrasse in Zürich vom Freitagmorgen um 05.30 Uhr verletzten Personen ist gemäss einer Mitteilung der Stadtpolizei Zürich und der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom Samstag ein 21-jähriger Mann weiterhin im kritischen Zustand. Er liege immer noch auf der Intensivstation.

Die übrigen vier Opfer des Verkehrsunfalls befänden sich dagegen auf dem Weg zur Besserung. Darunter auch der 25-jährige Lenker des goldfarbenen Chryslers. Sandro* kam mit leichten Verletzungen davon. Nachdem er medizinisch versorgt worden war, wurde er bereits polizeilich befragt. Im Laufe des Samstags soll er dem zuständigen Staatsanwalt zugeführt werden, heisst es in der Mitteilung weiter.

Alkohol im Spiel

Die Ursache des Crash ist für die Polizei nach wie vor unklar. Sie sucht deshalb Personen, die Angaben zum Unfall oder zum Lenker machen können Sie interessiert sich insbesondere für Angaben zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen einem Mann und einer Frau, die vor dem Unfall stattgefunden hatte. (Tel. 0 444 117 117)

Toter und Verletzte an der Langstrasse

Auch Sandros Vater hat noch keine Antwort auf die Frage, wie es zum Crash kam: «Es ist schrecklich», sagt er zu 20 Minuten Online. Recherchen zeigen, dass das Drama am Donnerstagabend um 22 Uhr seinen Anfang nahm.

Crash bei Lambada-Bar

Zu diesem Zeitpunkt startet Sandro im Restaurant Midway in unmittelbarer Nähe der Langstrasse eine Zechtour. «Er platzte hinein und rief: ‹Heute trinken wir eine Flasche Jack [Daniels]›», sagt der Midway-Geschäftsführer zu 20 Minuten Online. Er erinnert sich präzis, weil Sandro, der Stammgast, normalerweise nur Cola und Mineral trinkt. Gestern Abend sei Sandro aber extrem fröhlich gewesen, habe sich eine Havanna-Cola genehmigt und sogar Merengue getanzt. Später trank er Tequila, dann hätten sie sich zu viert eine Flasche Whisky genehmigt, bevor sie nach Feierabend in die Elite-Bar weitergezogen seien, so der Geschäftsführer weiter. Im Lokal, wo Sandro als Aushilfe arbeitet, hätten sie dann noch einen Chivas getrunken. «Sandro wollte unbedingt noch in die Lambada-Bar, ich bin aber um 2.30 Uhr nach Hause gegangen», sagt der Midway-Chef.

Crash bei Lambada-Bar

Streit mit einer Frau

In der «Lambada»-Bar war Sandro allerdings nicht, sagt Inhaber Abbas Sin. So wie ihm zugetragen wurde, sei der 25-Jährige in der Lugano-Bar gewesen. «Er hat dort aber Ärger gehabt und musste raus», so Sin. Das soll gegen drei Uhr gewesen sein. Danach ging er – wie verschiedene Quellen berichten – zurück in die Elite-Bar, wo er sich mit seiner Freundin gestritten habe.

Was danach geschah, ist nicht gesichert: Im Milieu heisst es, dass er einer Frau eine Flasche über den Kopf zog. Mehrere Personen bestätigen gegenüber 20 Minuten Online, dass eine Bardame verletzt ins Spital eingeliefert wurde. Die Frau sei blutend am Eingang einer anderen Bar gestanden. Unklar ist allerdings, ob die verletzte Frau die Freundin von Sandro war.

Die Opfer kamen im Taxi

Brachte der Streit Sandro in Rage? Klar ist: Kurz vor 5.30 Uhr schliesslich setzt sich Sandro in seinen Wagen und rast in vier Männer und eine Frau. Abbas Sin sagt, sie seien keine Gäste der «Lambada»-Bar oder der umliegenden Bars gewesen, sondern sollen mit dem Taxi angekommen sein. «Gegenüber meiner Bar ist direkt ein Taxi-Stand», sagt Sin, «sie sind wohl über die Strasse gegangen und Sandro hat sie erwischt.»

Mehmet (Name geändert) ist überzeugt, dass Sandro rechts abbiegen wollte. «Statt auf die Bremse trat er wohl auf das Gas-Pedal seines Autos, das passiert bei einem Automaten noch schnell, wenn man betrunken ist.» Doch das ist nur eine Vermutung. Mehmet war im Lokal, als das Auto gegen die «Lambada»-Bar krachte. Er sei aber als erster bei Sandro gewesen. Da sei der Todesfahrer noch einen Moment ansprechbar gewesen. Sie hätten ihn gefragt, was geschehen sei. «Er stand aber unter Schock», so Mehmet, «er brachte keinen Ton raus.» Dann sei er weggetreten.

Mehmet und seine Kumpels seien verwundert gewesen, weil Sandro normalerweise nicht trank. «Und wenn er trank, dann fuhr er nicht.» Der Midway-Chef glaubt, dass die Personen einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren. «Zwischen fünf und sechs Uhr passiert nichts Gutes», sagt er, «es ist die Stunde der Idioten.»

*Name der Redaktion bekannt

Ein Todesopfer

Am Freitagmorgen, kurz vor 5.30 Uhr, war an der Ecke Langstrasse/ Dienerstrasse im Zürcher Kreis 4 ein 25-jähriger Automobilist mit seinem Wagen in eine Gruppe Menschen hineingefahren, die vor einer Bar standen. Ein 39-jähriger Mann starb auf der Unfallstelle, vier Männer und eine Frau zwischen 21 und 36 Jahren wurden verletzt.

Deine Meinung