Aktualisiert 18.06.2019 07:56

The Doc

21 Jahre – doch das Herz ist bereits aus dem Takt

Eigentlich ist Remo (21) topfit. In der Regel spielt er viermal pro Woche Fussball mit seinen Jungs. Doch daran ist auf einmal nicht mehr zu denken.

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Was ist eine Herzmuskelentzündung?

Bei einer Herzmuskelentzündung – Fachleute sprechen von einer Myokarditis – handelt es sich um eine Entzündung (-itis) des Herzmuskels (Myokard), die sowohl akut als auch chronisch verlaufen kann. In schweren Fällen kann sie lebensbedrohlich sein.

Wie macht sich eine Myokarditis bemerkbar?

Oft kommt es zu wenigen oder nur sehr allgemeinen Beschwerden. Darum bleibt eine Myokarditis häufig unbemerkt. Betroffene klagen mitunter über Müdigkeit, Schwäche, grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit oder Herzrasen.

In schwereren Fällen kommt es zu Schmerzen im Brustkorb, Herzrhythmusstörungen (siehe Video oben), kontinuierlich zunehmender Herzschwäche mit Atemnot und Ödemen oder Herzversagen.

Wie entsteht eine Myokarditis?

Sie kann durch Bakterien, Pilze, Parasiten, giftige Substanzen und Viren verursacht werden. Letztere sind etwa für die Hälfte aller Herzmuskelentzündungen verantwortlich.

Warum ist Sport so gefährlich?

Das Risiko, dass die Krankheitserreger Herzmuskel und Herzgefässe angreifen, besteht vor allem dann, wenn man seinem Körper nach einem Infekt nicht genügend Zeit lässt, sich zu erholen. Das heisst konkret: Wer trotz Schnupfen und Husten zur Arbeit geht oder Sport treibt, gefährdet sein Herz. Besser wäre es, sich auszukurieren.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Aufgrund der variablen Symptome lässt sich eine Herzmuskelentzündung nicht immer einfach diagnostizieren. Es braucht auf jeden Fall eine eingehende kardiologische Untersuchung und die Erhebung der Krankengeschichte. Häufig ist auch die Analyse einer Gewebeprobe aus dem Herzmuskel (Myokardbiopsie) erforderlich.

Wie sieht die Behandlung aus?

Viel kann der Betroffene nicht machen, ausser sich körperlich zu schonen. Liegt jedoch eine Herzschwäche vor, versucht man, diese mit Medikamenten zum Abklingen zu bringen. Früh entdeckt und richtig therapiert, heilt eine Myokarditis in der Regel ohne Folgen ab.

«The Doc»

Christian Gingert ist Ärztlicher Leiter im Fachärztezentrum Glatt und Stv. Leitender Arzt Viszeral- und Thoraxchirurgie am Kantonsspital Winterthur. Für «20 Minuten» gibt alle zwei Wochen Einblick in den Praxisalltag. Die Kolumne wird ermöglicht durch das Glattzentrum, Wallisellen.

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