Ostdeutschland: 21 Verletzte bei Zugunglück
Aktualisiert

Ostdeutschland21 Verletzte bei Zugunglück

Im ostdeutschen Bundesland Sachsen sind bei einem Zusammenstoss einer Regionalbahn mit einem Auto 50 Menschen verletzt worden. Ein Kleintransporter hat zu spät gebremmst und das Auto auf die Schienen geschoben.

Bei einem Zusammenstoss eines Regionalzugs mit einem Auto sind mindestens 50 Personen verletzt worden.

Bei einem Zusammenstoss eines Regionalzugs mit einem Auto sind mindestens 50 Personen verletzt worden.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) fasst einen der schwersten Bahnunfälle in der Geschichte Sachsens in einem Satz zusammen: «Hier muss man von Glück im Unglück sprechen.» Das Glück im Unglück bestand am Dienstag in Bad Lausick nahe Leipzig darin, dass es nur Verletzte gab, als eine Regionalbahn an einem Bahnübergang ein Auto zermalmte und entgleiste. Der Triebwagen kippte um.

Sechs Schwerverletzte mussten mit drei Rettungshubschraubern in Krankenhäuser geflogen werden, 15 Leichtverletzte wurden in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Glück im Unglück, denn es hätte auch Tote geben können.

Bild der Verwüstung am Unfallort

An den Bahngleisen liegt am Nachmittag ein Haufen Metall, der nur noch mit viel Fantasie als Auto zu erkennen ist. Viele Meter weiter ist auf einer weiträumig abgesperrten Wiese der umgestürzte Triebwagen auszumachen. Ein weiterer Waggon des Zuges ist zwar aus den Schienen gesprungen, steht aber noch im Gleisbett, der das Zugende markierende Wagen wirkt fast gespenstisch normal.

Die vorläufige Rekonstruktion des Unfalls ergibt, dass ein 64 Jahre alter Autofahrer bei blinkendem Rotlicht, aber noch offener Halbschranke an dem Bahnübergang anhält. Der 28-jährige Fahrer eines folgenden Transporters fährt auf das haltende Auto auf und schiebt es auf den Bahnübergang. Geistesgegenwärtig springt der Transporterfahrer aus seinem Fahrzeug und zieht den 64-Jährigen aus dessen Auto. Sekunden später reisst der Zug das Auto mit.

Zug war mehr als 100 Stundenkilometer schnell

«Der Triebwagenführer des Regionalzuges hatte keine Chance», ist sich Polizeisprecher Michael Hille sicher. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 115 Kilometern in der Stunde war er um eine Kurve gekommen, als das Hindernis vor ihm auftauchte. Mit voller Wucht raste der Zug in das Auto. Innerhalb kürzester Zeit sind 18 Feuerwehren aus umliegenden Städten und Dörfern an der Unglücksstelle, werden von 150 Rettungskräften von Rotem Kreuz und Polizei unterstützt. Kaum hat die Rettung der Verletzten begonnen, machen wüste Spekulationen die Runde. Von mehr als 50 Verletzten ist die Rede, sogar von einem Toten wird berichtet.

Anwohner mögen sich nicht mehr äussern, winken ab, wenn sich Journalisten nähern. Zu gross ist das Presseaufgebot, das in den kleinen Ort eingefallen ist und seine Kameras und Mikrofone auf sie richtet. Nachdem die Verletzten abtransportiert sind, macht sich an der Unfallstelle schon fast unaufgeregte Normalität breit. Das Rote Kreuz hat für die Retter eine Verpflegungsstation eingerichtet. Dankbar greifen die Männer und Frauen von Feuerwehr, Polizei, Katastrophenschutz zu den angebotenen Getränken und der Linsensuppe. Denn eines ist klar: Die Bergung des verunglückten Zugs wird sich bis in die Nacht hinziehen. (sda)

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