Aktualisiert 09.02.2015 12:53

Kairo

22 Fussballfans sterben bei Krawallen

Während eines Premier-League-Matchs ist es in Ägypten zu schweren Ausschreitungen gekommen. Mehrere Personen kamen dabei ums Leben.

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In Kairo sind am 8. Februar 2015 bei einem der wenigen für die Öffentlichkeit zugänglichen Spiele der ägyptischen Liga  Auseinandersetzungen ausgebrochen.

In Kairo sind am 8. Februar 2015 bei einem der wenigen für die Öffentlichkeit zugänglichen Spiele der ägyptischen Liga Auseinandersetzungen ausgebrochen.

Keystone/AP/Ahmed abd El-gwad
Bei Zusammenstössen zwischen Fussballfans und der Polizei sind mehrere Menschen ums Leben gekommen.

Bei Zusammenstössen zwischen Fussballfans und der Polizei sind mehrere Menschen ums Leben gekommen.

Keystone/AP/Ahmed abd El-gwad
«Wir waren im Stadion, als die Zusammenstösse draussen begannen. Da war ein brennendes Polizeiauto und die setzen Schrot und Tränengas ein», sagte ein Augenzeuge.

«Wir waren im Stadion, als die Zusammenstösse draussen begannen. Da war ein brennendes Polizeiauto und die setzen Schrot und Tränengas ein», sagte ein Augenzeuge.

Keystone/AP/Ahmed abd El-gwad

Bei Zusammenstössen zwischen Fussballfans und der Polizei sind in der ägyptischen Hauptstadt Kairo nach offiziellen Angaben 22 Menschen getötet worden. Ausserdem habe es bei den Krawallen am Sonntag mindestens 25 Verletzte gegeben, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Wegen des Vorfalls setzte die Regierung die Spiele der ersten Liga um die ägyptische Meisterschaft auf unbestimmte Zeit aus. Die Staatsanwaltschaft erklärte in ihrer Mitteilung, sie habe eine Untersuchung der Krawalle angeordnet, bei denen drei Polizeiwagen in Brand gesteckt worden seien. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt und mit Schrot geschossen, während Fussballfans Feuerwerkkörper abgebrannt hätten, berichteten Polizei und Augenzeugen.

Schrot und Tränengas

«Wir waren im Stadion, als die Zusammenstösse draussen begannen. Da war ein brennendes Polizeiauto und die Polizisten setzten Schrot und Tränengas ein», sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur AFP.

Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Mena waren die Auseinandersetzungen bei einem der wenigen für die Öffentlichkeit zugänglichen Spiel der ägyptischen Liga ausgebrochen. Fans des Fussballclubs von Samalek hätten versucht, gewaltsam eine Sicherheitsabsperrung zu durchbrechen, wie das ägyptische Gesundheitsministerium mitteilte.

Rasch ausverkauft

Das Spiel Samalek gegen Enbi wurde vor Publikum ausgetragen und nicht vor leeren Rängen, wie es nach blutigen Ausschreitungen in einem Stadion in Port-Said vor drei Jahren landesweit üblich geworden war. Das Innenministerium hatte die Zuschauerzahl allerdings auf 10'000 Menschen beschränkt und die Eintrittskarten waren rasch ausverkauft.

Tausende Fans kletterten daher auf die Mauern des Stadions, bevor die Polizei sie auseinandertrieb. Viele erlitten Knochenbrüche oder Prellungen, wie das Gesundheitsministerium laut Mena mitteilte. Laut Polizei waren es Mitglieder der radikalen Fangruppe Ultra White Knights, die versuchten, ohne Tickets ins Stadion zu kommen.

Das Spiel begann mit einer halben Stunde Verspätung. Dass es trotz der Gewalt nicht abgesagt wurde, erzürnte viele Fans zusätzlich. Vor der Leichenhalle, in die die Todesopfer gebracht wurden, versammelten sich viele Menschen auf der Suche nach Angehörigen. «Die jungen Leute sollen dieses Land aufbauen und die Polizei tötet sie», rief ein Mann.

Handgemenge vor der Leichenhalle

Andere lieferten sich Handgemenge mit dem Sicherheitspersonal der Leichenhalle, das ihnen den Zutritt verwehrte. Später wurde ein Computer vor das Gebäude gestellt, auf dem sich die Angehörigen Bilder der Toten ansehen konnten.

Als Konsequenz aus der Gewalt setzte die Regierung die Spiele der ersten Liga um die Meisterschaft aus. Wie lange dies gelte, werde später entschieden, teilte das Büro von Ministerpräsident Ibrahim Mahlab mit.

Im Februar 2012 waren nach einem Spiel in Port-Said des lokalen Clubs Al-Masri gegen den Kairoer Verein Al-Ahli Krawalle ausgebrochen, bei denen 74 Menschen starben und hunderte weitere verletzt wurden. Seitdem begrenzte das Innenministerium die Zuschauerzahl bei Fussballspielen. (sda)

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