Aktualisiert

Neun Jahre Haft22-Jähriger prügelt Frau nach Sex halbtot

Ein Mann hat seine Sexpartnerin mit einem Brecheisen lebensgefährlich verletzt und einfach auf der Strasse liegen lassen. Das Obergericht senkte nun die Strafe.

von
A. Szenogrady
Das Zürcher Obergericht setzte die Gefängnisstrafe für den 22-Jährigen auf neun statt auf elf Jahre an.

Das Zürcher Obergericht setzte die Gefängnisstrafe für den 22-Jährigen auf neun statt auf elf Jahre an.

«Ich habe selten so eine brutale und sinnlose Tat gesehen», erklärte Staatsanwältin Bettina Groth am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht. Das Verbrechen ging auf auf den 28. September 2013 zurück. Damals lernte der heute 22-jährige Beschuldigte in einer Bar im Kreis 4 eine Frau kennen. Die beiden tranken viel Alkohol und begaben sich in ein Zimmer an der Hohlstrasse, wo es zum Sex kam.

Nach dem Geschlechtsverkehr entbrannte zwischen den beiden jedoch ein heftiger Streit. Dabei war es die Frau, die den Schweizer Staatsangehörigen afrikanischer Herkunft aus nichtigem Grund zunächst verbal beleidigte und auch attackierte. Mit fatalen Folgen.

Dank Notoperation überlebt

Der Beschuldigte versetzte der Geschädigten zunächst zwei Hiebe ins Gesicht. Dann griff er zu einem Brecheisen und schlug damit viermal heftig gegen den Kopf seiner Liebhaberin. Danach trug er die bewusstlose und lebensgefährlich verletzte Frau auf die Strasse, wo er sie zwischen zwei Fahrzeugen deponierte.

Dann kehrte er zurück zum Tatort, wo er die Blutspuren wegwischte und die Tatwaffe unter einem Kleiderhaufen versteckte. Dann flüchtete er. Das Opfer hatte viel Glück, da es von zwei Passantinnen entdeckt wurde und dank einer Notoperation überlebte. Allerdings leidet es heute noch unter den Folgen des Angriffs.

DNA-Spuren überführten ihn

Vor Obergericht zeigte sich der durch DNA-Spuren überführte Beschuldigte reumütig, stufte aber eine erstinstanzliche Strafe des Bezirksgerichts Zürich als zu hart ein. Dieses hatte ihn im letzten Januar wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren verurteilt.

Auch zu viel für Verteidiger Stephan Buchli, der von einer Affekttat ausging und wegen schwerer Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von vier Jahren verlangte. Im schlimmsten Fall sei wegen versuchten Totschlags eine Strafe von sechs Jahren angebracht, plädierte er. Im Gegensatz dazu forderte Staatsanwältin Groth eine Straferhöhung auf zwölf Jahre.

Genugtuung von 60'000 Franken

Das Obergericht bestätigte zum Schluss den Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung umfassend, schätzte aber die erstinstanzliche Strafe als zu hoch ein. Es berücksichtigte nicht nur eine verminderte Schuldfähigkeit des Täters, sondern auch den Versuch sowie den Eventualvorsatz und einen gewissen Notwehrexzess.

Die Oberrichter rechneten zum Schluss eine Freiheitsstrafe von neun Jahren auf. Der arbeitslose Täter wurde zudem verpflichtet, der Geschädigten grundsätzlich Schadenersatz sowie eine Genugtuung von 60'000 Franken zu entrichten.

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