Katastrophe von Duisburg: 220 Anzeigen wegen Loveparade
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Katastrophe von Duisburg220 Anzeigen wegen Loveparade

Eine 80-köpfige Ermittlungsgruppe soll das Loveparade-Desaster klären. 50 Terabyte Daten und hunderte Stunden Videomaterial wurden sichergestellt. Jetzt wurden die ersten Strafanzeigen erstattet.

Gut zwei Wochen nach der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade sind bei der Staatsanwaltschaft 220 Strafanzeigen gegen den Veranstalter, die Stadt Duisburg und die Polizei eingegangen. Ausserdem hätten die Ermittler mehr als 1000 Hinweise zum Geschehen erhalten - zum Teil auch aus dem Ausland, berichteten die Staatsanwaltschaft Duisburg und die Kölner Polizei am Dienstag.

Die Ermittlungen zu den Ursachen der Katastrophe und die Suche nach den Verantwortlichen laufen nach Angaben der Ermittler auf Hochtouren. Insgesamt fünf Staatsanwälte und eine inzwischen auf über 80 Fahnder aufgestockte Ermittlungsgruppe der Polizei seien mit der Aufklärung des Unglücks, bei dem 21 Menschen ums Leben kamen, beschäftigt.

«Wir stehen vor einer Flut von Daten», betonte Polizeipräsident Klaus Steffenhagen. Über 50 Terabyte Datenvolumen hätten Spezialisten bis jetzt beim Veranstalter, der Stadt Duisburg, der Feuerwehr Duisburg und der Polizei sichergestellt. Das sind Millionen von Dokumenten, die ausgedruckt Tausende Aktenordner füllen würden. Allein das Überspielen der Daten der Stadt Duisburg dauerte zwei Wochen.

Ausserdem stellten die Ermittler über 80 Aktenordner mit Planungs- und Durchführungsunterlagen der Beteiligten sicher. Darüber hinaus müssen die Ermittler über 900 Stunden Videomaterial aus Überwachungskameras, Beweissicherungsmaterial der Polizei, Handyvideos von Zeugen, von Medien zur Verfügung gestelltes Material und Internetveröffentlichungen sowie umfangreiches Fotomaterial auswerten. Mehrere Hundert Zeugen müssten vernommen werden, und schon jetzt zeichne sich ab, dass Angaben zum selben Sachverhalt teilweise völlig unterschiedlich seien, betonte die Staatsanwaltschaft.

Die Ermittlungen würden wegen ihrer grossen Komplexität Zeit brauchen, baten die Ermittler um Verständnis. Sorgfalt und Genauigkeit gingen hier vor Schnelligkeit. (dapd)

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